Drama „Macbeth“ im Kino

Shakespeare synchronisieren, wie geht das?

Bildstark und rau-emotional: das Kinodrama "Macbeth"

Bildstark und rau-emotional: das Kinodrama "Macbeth"

Foto: dpa

Für unzählige Filme hat Axel Malzacher Synchronbücher verfasst. Dieses Stück stellte den Schauspieler vor besondere Herausforderungen.

Hamburg.  Schauspieler können ziemlich abergläubisch sein. Bekannt ist die Marotte, einander mit den Worten „toi, toi, toi“ über die Schulter zu spucken, um sich Glück zu wünschen. Weniger weit verbreitet ist das Wissen um einen angeblichen Fluch, der auf dem Drama „Macbeth“ lastet. Die Mimen dürfen den Originaltitel eigentlich nicht nennen, sie sagen stattdessen „Das schottische Stück“. Wer trotzdem einmal daraus zitiert, sollte sicherheitshalber gleich ein Zitat aus einer Komödie hinterherschicken. Axel Malzacher kennt diese Marotten, hat sich aber trotzdem nicht daran gehalten, obwohl er Schauspieler ist.

Wäre auch schwer geworden, denn er musste täglich mit dem Stück arbeiten. Er hat den Film synchronisiert. Als Malzacher den Auftrag für einen Trailer zu diesem Film bekam, wusste er hinterher: „Das ist genau mein Ding.“ Das Ding, das so gut passte, war die aktuelle Verfilmung des Klassikers von Justin Kurzel mit Michael Fassbender und Marion Cotillard. Er wollte mehr davon, er wollte den ganzen Film. Erste Gespräche mit dem deutschen Verleih waren positiv, aber noch nicht konkret. „Mein Terminkalender wurde voller und voller“, erinnert er sich. Und dann bekam er doch den Auftrag.

Aber er hatte nur drei Wochen Zeit, für das Dialogbuch und die Dialogregie, sechs hätte er gern gehabt. Wie übersetzt man einen Shakespeare-Film, in dem in der Originalfassung der Text des Dramatikers aus dem 17. Jahrhundert gesprochen wird? Man nimmt natürlich eine angesehene Übersetzung, aber welche, es gibt so viele, historische und aktuelle.

Für Malzacher war die Sache klar: „ Wenn wir über Shakespeare auf Deutsch reden, sprechen wir über die Übersetzung von Schlegel/Tieck.“ Sie ist aus dem 19. Jahrhundert, aus ihr stammen auch die bekannten Zitate, auf die man für die deutsche Fassung ungern verzichtet hätte. Malzacher verglich den Originaltext mit Dorothea Tiecks Version von 1833 und staunte: „Sie hat sich sklavisch an das Versmaß gehalten, was bei einem Synchronbuch schon die halbe Miete ist.“ Manchmal war es sogar lippensynchron. Shakespeares Satz „These are the very paintings of your fear“ heißt bei ihr „Dies sind die wahren Bilder deiner Furcht“ . Da passen die Lippenbewegungen optimal zusammen. Schön für den Regisseur, der aber trotzdem genug zu tun hatte, weil Kurzel im Text gestrichen und umgestellt hatte. Und die Lippensynchronität war auch nicht immer so gegeben. Er musste neu übersetzen, legt aber Wert darauf, dass er nur Worte verwendete, die er bei Tieck finden konnte. Wieder und wieder sieht sich ein Synchronregisseur die kleinen Häppchen an, in die der Film unterteilt wurde.

Er wird sehr vertraut damit, wie sich die Darsteller bewegen und wie sie atmen. „Am Ende kennt man die Schauspieler besser als der Originalregisseur“, glaubt Malzacher. Das hatte bei ihm Folgen. „ Zuerst habe ich mich gefragt, warum soll ausgerechnet eine Französin Lady Macbeth spielen?“ Jetzt weiß er es. „Ich finde Marion Cotillard so großartig. Sie kann mit den Augen sprechen.“ Michael Fassbender steht ihr in nichts nach. Malzacher hat schon mehrere seine Filme synchronisiert. „Er ist ein Tier, und ähnlich hingebungsvoll wie die jungen Robert De Niro und Al Pacino.“ Bei etwa 150 Filmen hat Malzacher bisher die deutsche Dialogregie geführt und bei einem Großteil davon auch die Synchronbücher verfasst. Dazu kommen tausende Rollen als Synchronsprecher. Darunter sind „Der Marsianer“, „Steve Jobs“ und „Alles steht Kopf“. Er war schon die deutsche Stimme von Brad Pitt, Mads Mikkelsen und Ken Jeong, den Mr. Chow aus „Hangover“.Der bisherige Favorit seiner Synchronregiearbeiten „Grand Budapest Hotel“ wurde durch „Macbeth“ als Spitzenreiter abgelöst. „Es war mit Abstand die schönste Arbeit. Sie hat meinen Hunger nach Niveau und Kultur befriedigt“, sagt er und legt nach: „Dieser Film ist wie ein 67er Barolo.“ Wie sieht er grundsätzlich das Synchronisieren, eine deutsche Eigenart?

In den meisten anderen Ländern werden Filme in Originalfassung mit Untertiteln gezeigt. „Es ist eine Veränderung und somit auch eine Verfälschung“, räumt er ein. „Ich sehe das aber eher als eine Hilfestellung für diejenigen, die die Sprache nicht beherrschen. Und auch die Briten verstehen Shakespeares Sprache nicht mehr so gut. Mein Ziel ist es, den Unterschied zwischen dem Original und der Synchronfassung so gering wie möglich zu machen.“ Das ist eine Kunst, die überwiegend im Verborgenen gedeiht. „Früher hat mich das gestört“, gibt er zu. „Jetzt aber schon lange nicht mehr.“

Buchtipp:
William Shakespeare. „Macbeth“. Zweisprachige Ausgabe. Deutsch von Frank Günther. dtv, 245 Seiten, 9,90 Euro