Kino

James Dean kommt aus Hamburg

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Volker Behrens
Arash Marandi in „A Girl Walks Home Alone at Night“

Arash Marandi in „A Girl Walks Home Alone at Night“

Foto: capelight pictures

Vampire und Western im Kino. „A Girl Walks Home Alone at Night“ spielt Arash Marandi eine Hauptrolle im sogenannten Vampir-Western.

Hamburg. Wie er so da lehnt im weißen T-Shirt und Jeans, verträumt und verletzlich, könnte man denken, James Dean sei zurück. Aber der amerikanische Schauspieler war nie in einem Vampirfilm zu sehen, schon gar nicht in einem iranischen. Und er kam auch nicht aus Hamburg. All das trifft aber auf Arash Marandi zu, der in „A Girl Walks Home Alone at Night“ zu sehen ist, der gerade in den Kinos läuft.

Regisseurin Ana Lily Amirpour suchte für ihren Debütfilm, den sie in Kalifornien auf die Beine stellte, iranischstämmige Schauspieler, denn sie wollte auf Farsi drehen. Sie fand ihren Cast in den USA, bis auf die männliche Hauptrolle. Die bot sie dem Hamburger Arash Marandi an, den sie auf der Berlinale kennengelernt hatte. „Ich habe eine Rolle für dich geschrieben, du musst mitmachen“, sagte sie ihm per Skype. Schmeichelhaft natürlich, doch er zögerte. Marandi war bisher überwiegend am Theater zu sehen, als Gast am Schauspielhaus und auf Kampnagel beim „Krass“-Festival, auch in einigen TV-Filmen wie „Großstadtrevier“ und „Kunduz“. Aber er ist ein freier Schauspieler ohne festes Engagement: „Es war ein Low-budget-Film, und ich wusste nicht, ob ich mir diese Auszeit gönnen konnte. Ich habe mich gefragt, muss ich nicht eher in Deutschland auf Projekte warten, um meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können?“

Der Regisseurin gefiel offenbar diese Haltung. „Mein Zögern hat sie eher bestätigt, weil sie sich meinen Charakter auch misstrauisch und zögernd vorgestellt hat. Sie hat mich so lange bequatscht, bis ich zugesagt habe.“ Danach deckte Amirpour ihn und seine Kollegen mit Materialien ein, damit sie wussten, was sie sich für ihren Film für eine Stimmung vorstellte. Ihr Wunsch an Marandi hieß: Dean.

Fernab vom „Twilight“-Trend

Also schaute er sich die drei Filme an, die der US-Schauspieler vor seinem frühen Unfalltod gedreht hatte, kaufte sich in Altona einen Dean-Bildband und stellte sich sein Kostüm zusammen. Was hält Marandi vom berühmten Kollegen? „Er war eine Ikone, ein Bahnbrecher für das Method Acting. Ich mag seine heißblütige Art, aber Marlon Brando mag ich noch mehr.“

Immerhin findet er, dass er auch einige Züge des rebellischen Helden verkörpert. „Ich neige zu unbequemen Meinungen und will nicht immer nur nicken und lächeln. Man darf als Schauspieler auch mal auf den Tisch hauen.“ Vielleicht identifizierte sich Marandi anfangs zu sehr mit dem Rollenvorbild. Bald schon wurde er jedenfalls von seiner Regisseurin gebremst. „Du sollst nicht Dean spielen“, ermahnte sie ihn und griff auf einen Psycho-Trick zurück. Sie benannte seine Rolle nach ihm. Arash spielt Arash.

Es ist seine bisher größte Rolle. Der unkonventionelle Film ist eine eigenwillige Mischung aus Vampirfilm, Western und Märchen, die nur wenig mit dem „Twilight“-Trend zu tun hat. Er tourte erfolgreich auf Festivals wie Sundance, Deauville und London.

Vermarktet wird er jetzt als „iranischer Vampir-Western“. Mit dem Blutsauger-Genre hatte Marandi bisher nicht viel Kontakt, obwohl ihm „Nosferatu“ gut gefällt. Western mag er wegen der langen Einstellungen, die oft gefährliche hochspannende Situationen heraufbeschwören. Iranische Filme gefallen ihm, er fühlt sich nur davon genervt, dass sie stets auf regimekritische Aussagen abgeklopft werden.

Marandi hofft nun, dass „A Girl Walks Home Alone at Night“ sich positiv auf seine Karriere in Deutschland auswirkt. Aber warum sollte es ihm da schlechter gehen als seiner Regisseurin? Für Amirpours nächsten Film haben bereits Keanu Reeves und Jim Carrey ihr Mitwirken zugesagt.

„A Girl Walks Home Alone at Night“ läuft im 3001 und im Studio-Kino

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