Mongolische Szenen: "Die Stimme des Adlers"

Flugversuche über der Steppe in einem Land der Kontraste

Hirtennomaden leben im Grenzland zu Kasachstan unter einfachsten Bedingungen. Doch Satellitenschüsseln und Radios zeugen vom Einzug der Moderne.

"Die Stimme des Adlers", inszeniert vom dänischen Regisseur René Bo Hansen, spielt in der mongolischen Steppe. Hirtennomaden, die nebenbei mit Adlern jagen, leben im Grenzland zu Kasachstan unter einfachsten Bedingungen. Doch Satellitenschüsseln und Radios zeugen vom Einzug der Moderne.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht der 12-jährige Bazarbai (Bazarbai Matyei), der nach dem Willen seines Vater (Mardan Matyei) die Kunst der Adlerjagd erlernen soll. Doch Bazarbai hat mit dem Adler nichts am Hut, lieber würde er in der Großstadt Ulaan Bator Geld verdienen. Aber bei einem Adlerfest fliegt der majestätische Vogel, vom Blitzlicht eines Fotografen verschreckt, davon. Bazarbai muss dem Adler folgen. Mit einem Mal entspinnt sich ein Roadmovie voller Abenteuer, bei dem der Junge es mit Dieben und anderen zwielichtigen Gestalten zu tun bekommt.

René Bo Hansen dreht vor allem Dokumentarfilme. Hier geht es auch darum, nicht nur eine Geschichte zu erzählen, sondern - quasi nebenbei - soziale Wirklichkeit einzufangen. Dabei hebt Hansen die kulturellen Kontraste in der Mongolei hervor. Auf der einen Seite das einfache Leben in atemberaubend schöner Landschaft: alltägliche Verrichtungen wie Kochen, Jagen und Schafehüten. Auf der anderen Seite das Treiben in der Großstadt, gespenstische, unfertige Plattenbauten, rauchende Fabrikschlote, lauter Verkehr, Kriminalität, menschenunwürdige Arbeit. Verbunden sind diese dokumentarischen Beobachtungen mit einem glaubwürdig entwickelten Vater-Sohn-Konflikt, der auch ein Konflikt zwischen Tradition und Moderne ist, und der Coming-of-Age-Geschichte eines jungen Heißsporns.

+++-- Die Stimme des Adlers D/S 2008, 85 Min., o. A., R: René Bo Hansen, D: Bazarbai Matyei, Serikbai Khulan, Mardan Maytei, täglich im Abaton, Zeise; www.diestimmedesadlers.de