Ein Stehaufmännchen mit englischem Humor

Rock: Jethro Tull mit dem Flötenderwisch Ian Anderson feiert am 1. Juni auf der Stadtparkbühne 40. Bandjubiläum

Wenn es Traffic und Family noch geben würde, könnten beide Bands in diesem Jahr 40. Jubiläum feiern. Doch schon vor vielen, vielen Jahren haben die Gruppen von Steve Winwood und Roger Chapman das Zeitliche gesegnet. Eine Band, die ebenfalls 1968 ihr Debütalbum veröffentlicht hat, ist jedoch noch da: Jethro Tull.

Rockmusik befand sich damals in einer experimentellen Phase ohne ausgetretene Genre-Pfade. Fast alles war neu, weil die Geschichte der Rockmusik noch jung war. Warum also nicht einen Flötisten in den Mittelpunkt einer Band stellen? Ian Anderson war dieser Kauz, der wie ein Derwisch über die Bühne fegte, sich akrobatisch verrenkte und dabei seine Querflöte genauso expressiv spielte, wie das die Gitarren-Heroen taten. Seine Band Jethro Tull, benannt nach einem Landwirtschaftspionier aus dem 18. Jahrhundert, kombinierte Rock mit englischer Volksmusik, Jazz und barocken Elementen. Sehr schnell wurde die Band damals vom Geheimtipp zu einer der erfolgreichsten Gruppen der Zeit. Das alles überragende Album "Aqualung" (1971) mit Ian Anderson als abgerissenem Obdachlosen auf dem Cover verkaufte sich weltweit mehr als zwölf Millionen Mal. Zwar erreichte Jethro Tull die Qualität der frühen Alben wie "This Was", "Stand Up" und "Thick As A Brick" in den 80er- und 90er-Jahren nicht mehr, doch die Band blieb präsent und überzeugt bis heute mit Iihren dynamischen Liveshows.

Für die Jubiläumstournee kündigte Anderson auf der Website der Band eine Lasershow, chinesische Akrobaten und Feuerschlucker sowie einen zwanzig Meter langen, aufblasbaren Flöten-Phallus an. Ein Versprechen, das allerdings mehr mit englischem Humor als mit der Wirklichkeit zu tun hat. Auch ohne diese Gimmicks dürfte es ein spannender Abend mit dieser sehr rüstigen Band und nicht totzukriegenden Songs wie "Locomotive Breath" werden.


Jethro Tull So 1.6., Stadtpark (S Alte Wöhr), Saarlandstraße, Karten zu 39,90 im Abendblatt-Center; Internet: www.j-tull.com