Buchkritik

Nach jedem Kapitel ein Abschiedsschmerz

Neue Heimat: Die Schriftstellerin Annette Mingels in den Marin Headlands kurz hinter der Golden Gate Bridge.

Neue Heimat: Die Schriftstellerin Annette Mingels in den Marin Headlands kurz hinter der Golden Gate Bridge.

Foto: Henriette Kriese

Melancholisch: Annette Mingels dichter Episodenroman „Dieses entsetzliche Glück“.

Hamburg. „Sie verstand es nicht, und es machte sie nicht glücklich“, heißt es an einer Stelle, der Nachsatz macht den Zustand symptomatisch: „Doch war es das, was zu haben war“. Dieser eine Moment und der nächste. „Was danach kommen würde, würde man sehen.“ So ist es, das Leben im übersichtlichen Hollyhock (oder dort, wohin man aus dieser amerikanischen Kleinstadt geflohen ist). Mal besser, mal nicht. Fatalismus schwingt da mit, keine existenzielle Schwermut, bisweilen ein wenig Rest-Sehnsucht, manchmal eine lauernde Katastrophe.

Fünfzehn Leben schildert Annette Mingels in ihrem Episodenroman „Dieses entsetzliche Glück“, einen Porträtreigen voller Innerlichkeit und trotz der melancholischen Grundstimmung voll verblüffender Leichtigkeit. Es sind Erzählungen von Herkunft und von der Suche nach Anerkennung oder sogar Liebe, zunächst scheinbar zusammenhanglos. Da ist der Schriftsteller, der im Copyshop aushilft, da ist die Maklerin, die als „perfekte Gastgeberin“ durch Häuser führt, die nicht ihre sind. Jedes Haus eine Lebens-Option.

So knipst auch Mingels die Biografien ihrer Figuren an und nach einer Weile wieder aus. Sie entwirft Leben, die auch ohne die anderen funktionieren würden - im Zusammenspiel und in der Verknüpfung aber entfalten sie ihre Wirkung. Gern würde man manche Figuren weiter begleiten, den Aussparungen und Möglichkeiten auf die Spur gehen. So folgt jeder dicht gesponnenen Episode ein kleiner Abschiedsschmerz.

( msch )

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