Bestseller-Autorin

Ildikó von Kürthy erzählt von ihrem Leben als Frauchen

Ildiko von Kürthy widmet sich nach den Frauen jetzt Frauchen

Foto: Marcelo Hernandez

Ildiko von Kürthy widmet sich nach den Frauen jetzt Frauchen

Die Hamburger Schriftstellerin hat jetzt einen Hund und über ihre Erlebnisse mit Hilde ein Buch geschrieben.

Hamburg. Da kommt sie nun in diesen Klamotten auf die Bühne und sieht im Grunde absurd aus: dunkle Locken, verwaschenes T-Shirt mit Stones-Zunge, weiße Bluse, glänzende enge Hose in Stahlblau-Türkis, rote Knautschlackstiefel bis zum Knie. Ildikó von Kürthy ist auf dem Weg zu einer "Bad Taste Party" und macht vorher noch Station in der Tango-Tanzschule La Yumba auf dem Kiez. Zusammen mit ihrem langjährigen Bühnenpartner, dem Journalisten Jörg Thadeusz, stellt die 49-Jährige ihr neues Buch vor: Es heißt "Hilde".

Seit Jahrzehnten lässt die Bestsellerautorin ihre zumeist weibliche Leserschaft an ihrem Leben teilhaben: War es 1999 in ihrem ersten Roman "Mondscheintarif" die Suche nach "Mr. Right", erschien 2012 ihr Buch "Unter dem Herzen: Ansichten einer neugeborenen Mutter" mit Einblicken in das Leben einer Schwangeren. Der Erfolg gibt von Kürthy recht: Ihre Romane und Sachbücher wurden mehr als sechs Millionen Mal verkauft und in mehr als 20 Sprachen übersetzt.

"Hilde" kam im Oktober 2015 als Welpe zu von Kürthy

Nach dem Selbsterfahrungsbuch "Neuland" 2015 nun also "Hilde", in dem die Journalistin von ihrem Leben als Frauchen erzählt. Der Mini-Goldendoodle, eine Züchtung aus Zwergpudel und Golden Retriever, kam im Oktober 2016 als Welpe zu von Kürthy. "In meinem Traum von einer kompletten Familie gehört der Hund dazu", sagt sie. Die beiden Söhne Gábor und Leonard, heute elf und sieben, waren begeistert, Ehemann Sven Michaelsen eher distanziert, denn er wollte keinen Hund.

Aber nach einem Jahr hat er laut eigenem Bekunden mit Hilde eine Basis gefunden. "Es ist schon ganz nett, wenn sie sich beim Fernsehgucken auf der Couch an mich kuschelt", sagte der 59-Jährige dem Abendblatt. Frauchen sieht das kritischer: "Ich müsste mich in Gehacktem wälzen, damit sie mich überhaupt noch wahrnimmt."

Hilde heißt übrigens wie eine Lieblingstante der Autorin und ist ihr zweiter Hund. Als Kind hatte sie ein Jahr lang Imperator, genannt Impi. Aber der wurde zu Hause in Aachen von einem Auto überfahren und am Valentinstag 1980 im elterlichen Garten unter den Forsythien-Büschen begraben.

Mit Hilde teilt von Kürthy die Vorliebe für mittelalten Gouda

"Und nun habe ich mir mit Hilde eine alte Sehnsucht erfüllt", sagt von Kürthy, die mit ihrem nicht haarenden Vierbeiner die Vorliebe für mittelalten Gouda teilt. Und bei feuchter Witterung tragen Mensch und Hund Minipli wie in den 80er-Jahren. Auch habe Hilde doch erheblichen Einfluss auf ihren Modegeschmack. "Ich dachte, der Tiefpunkt sei mit zwei kleinen Kindern erreicht gewesen. Ich bin jetzt sehr oft Schmutz­ abweisend und outdoorgerecht gekleidet und verlasse das Haus in klobigem Gummischuhwerk." Und der möglichst organisch abbaubare Gassibeutel gehöre zu ihren Must-haves.

Und so philosophieren die Autorin und Jörg Thadeusz, der einen schockierend bunten Bademantel trägt, an diesem Abend über das Tier im Bett oder Körbchen, frisch zubereitete Mahlzeiten oder Trockenfutter, Welpenschule und Tier-Telepathie, das verlorene Rennen gegen den Spaniel Joe Cocker, verbellte Objektkunst im Park, strenge Aufzucht oder die AoS-Methode: "Artgerecht und ohne Strafen". Es ist wie bei der Kindererziehung: Auch da wird heftig gestritten, wie lange man stillt, wann Gläschen gefüttert werden dürfen, und ob der Nachwuchs geimpft wird.

Und von Kürthy hat Parallelen festgestellt: "Ältere Frauchen und Spätgebärende verstehen überhaupt keinen Spaß. Sandkästen und Hundewiesen sind humorbefreite Zonen." Natürlich gebe es postmoderne Stadtmenschen, die sich von ihrem Hund erlösen lassen wollten. Aber das sei bei ihr nicht der Fall. "Hilde passt jetzt in mein Leben, ich habe mir einen alten Wunsch erfüllt. Das letzte Kind trägt Fell." Sie brauche keinen Mops namens Agamemnon oder kein hochbeiniges Windspiel mit hanseatischer Noblesse, das dann Super-Svenni oder Finn Lukas heiße.

Show im Ernst Deutsch Theater am 12. Januar

Jörg Thadeusz hat übrigens keinen Hund, sondern vier Katzen. Hilde hat bei ihm in Berlin einige Tage Urlaub gemacht. "Das war schön, der Hund ist toll. Ich habe leider keine Zeit für so ein Tier, aber sie kann gerne wieder auf Besuch kommen." Und ihm mache dieser absurde Bademantel auch nichts aus.

Am 12. Januar 2018 zieht er ihn wieder an. Dann spielen Ildikó von Kürthy und Jörg Thadeusz "Hilde – Die Show mit Hund" im Ernst Deutsch Theater.

Ildikó von Kürthy: Hilde - Mein neues Leben als Frauchen", 319 S., 19,95 Euro

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