Hamburg. Schau- schlägt Nährwert: Frank Castorfs provokante Inszenierung von Mussorgskys „Boris Godunow“ eröffnet die Spielzeit der Staatsoper.

Am Bühnenbild hat’s jedenfalls nicht gelegen. Aleksandar Denić, Frank Castorfs Mann fürs Spektakelnde, hat ihm für diesen Blick auf Mussorgskys „Boris Godunow“ einen multitaskenden Sowjet-Plattenbau auf die Staatsopern-Drehbühne gestellt. Zu bestaunen ist ein wieder einmal tolles Männerspielzeug: Auf einer Seite ein Schmierlappen-Café mit Kantinenanbau, daneben ein Staatenlenker-Casino mit Billardtisch für die Freizeitgestaltung und als Strategiespiel-Metapher, und ein U-Boot-Turm mit Paradeabnahme-Balkon fürs Repräsentieren der Zarenmacht, während unten die Hofschranzen Intrigen-Fallstricke auslegen oder vom Volk mit seinen Prozessionsfahnen um himmlischen Beistand gebeten wird. Oben in einem Sichtfenster ist gut erkennbar eine Stalinbüste im Wimmelbild platziert, als Zwischendurch-Zugabe wird ein sozialistisches Monumentaldenkmal aufgefahren. Und in die Fassade sind, klar, Hammer und Sichel eingelassen.