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Neue Krimis: Auch in der HafenCity wird gemordet

| Lesedauer: 3 Minuten
Volker Albers
„Mord in der HafenCity“: Nicht immer ist die HafenCity so idyllisch (Symbolbild).

„Mord in der HafenCity“: Nicht immer ist die HafenCity so idyllisch (Symbolbild).

Foto: IMAGO / Westend61

Die Kriminalromane „Tiefergrund“ und „Mord in der HafenCity“ eignen sich auch als Geschenkideen – besonders für Hamburger.

Hamburg. Es ist ein traumatisches Erlebnis, von dem die Hamburger Autorin Nora Luttmer zu Beginn ihres Kriminalromans „Tiefergrund“ (rororo, 420 Seiten, 12 Euro) erzählt. Im November 1986 werden zwei Jugendliche, Daniel und Anna, von Unbekannten entführt, der Junge wird kurz darauf freigelassen, um die Lösegeldforderung zu überbringen, das Mädchen stirbt im Elbwasser, im Tiefergrund. Noch gut 30 Jahre später plagt Daniel das Erlebte, das Gefühl, an Annas Tod schuldig zu sein.

Dann verschwindet erneut ein junges Mädchen, und in Ochsenwerder wird die Vergangenheit lebendig. Luttmers Protagonistin, die einstige Kommissarin Bette Hansen, war eine Freundin der ermordeten Anna, ihren Beruf musste sie an den Nagel hängen, da sie unter unkontrollierbaren Schlafattacken leidet. Besteht eine Verbindung zwischen dem Mord von damals und dem verschwundenen Mädchen? Bette Hansen ist dann doch zu sehr Kriminalistin, um die Dinge einfach laufen zu lassen, sie beginnt, auf eigene Faust zu ermitteln.

Eine Welt aus Angst und Verzweiflung wird geschaffen

Nora Luttmer erzählt von den Schatten der Vergangenheit, von geplatzten Träumen, von großen Tragödien in dem kleinen Dorf Ochsenwerder. Nach „Hinterland“ ist „Tiefergrund“ Luttmers zweiter Kriminalroman mit ihrer charismatischen Heldin Bette Hansen. Und erneut gelingt es der Autorin, eine bedrückende Atmosphäre zu skizzieren, eine kleine Welt aus Angst und Verzweiflung, in der am dramatischen Ende dann doch auch ein Schimmer von Hoffnung aufscheint. Absolut lesenswert.

Linn Greve ist ein Pseudonym. Es ist nicht das einzige dieser auf einem Weingut an der Mosel aufgewachsenen Autorin. Als Hannah Corvey hat sie bereits mehrere Kriminalromane herausgebracht. Nun also Linn Greve. „Mord in der HafenCity“ (Penguin Verlag, 366 Seiten, 11 Euro) heißt ihr erster Hamburg-Krimi, der Auftakt werden soll zu einer neuen Reihe mit Kommissarin Dorothee Anders. Und er ist durchaus vielversprechend. Alles beginnt mit dem Mord an dem Spitzenkoch Gabriel Otto, den alle Gallo nennen. Erschossen sitzt er in seiner Edelkarosse in jener Tiefgarage, aus der ein Fahrstuhl in Gallos Apartment führt.

Buchtipp: Im Elbwasser schwimmt eine Leiche

Edles Ambiente, Blick über Hafen und Elbe. Neider hatte der Tote viele, zudem galt er als herrschsüchtig. Vor allem seine Mitarbeiter in der Küche hatten darunter zu leiden, Rache könnte ein Tatmotiv sein. Aber Gallo war nicht nur für seine raffinierten Gerichte berühmt, sondern auch für seine wechselnden Liebschaften.

Eine erste Spur führt Dorothee Anders und ihr Team zu einem stadtbekannten Juristen und seiner alkoholkranken Ehefrau. Dann schwimmt eine zweite Leiche im brackigen Elbwasser. Linn Greve verknüpft geschickt private Verstrickungen ihrer Figuren mit der kriminalistischen Geschichte. Spannung kann diese Autorin.