Komödie Winterhude

Thema Scheidung auf der Bühne? „Ein perfekter Komödienstoff“

| Lesedauer: 4 Minuten
Stefan Reckziegel
Martin Woelffer ist Direktor der Komödie Winterhude und der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater in Berlin.

Martin Woelffer ist Direktor der Komödie Winterhude und der Komödie am Kurfürstendamm im Schiller Theater in Berlin.

Foto: dpa Picture-Alliance / Frederic Kern

Martin Woelffer, Direktor der Komödie Winterhude, inszeniert zum Saisonstart die Bühnenadaption des Films „Und wer nimmt den Hund?“.

Hamburg.  Als Kinofilm kam „Und wer nimmt den Hund?“ 2019 mit Martina Gedeck und Ulrich Tukur bei der Kritik und beim Publikum gut an. Doch Theater und Kino sind zwei Paar Schuhe, das weiß auch Martin Woelffer. Dennoch startet der Direktor und Haus-Regisseur der Komödie Winterhuder Fährhaus an diesem Freitag damit sowie mit den TV-Stars Marion Kracht und Michael Roll in den Hauptrollen in die Saison 2022/23.

Hamburger Abendblatt: „Scheiden tut weh“, heißt es in Hoffmann von Fallerslebens Frühlings- und Kinderlied „Winter ade!“ Zum Herbstanfang eröffnen Sie nun mit einem Stück zum Thema Scheidung offiziell die Spielzeit in der Komödie Winterhude. Was stimmt Sie zuversichtlich, dass das Publikum das Stück annimmt?

Martin Woelffer: Während Hoffmann von Fallersleben ja den Abschied vom Winter besingt und bereits in der nächsten Zeile dichtet: „aber Dein Scheiden macht, dass jetzt mein Herze lacht“, ist ein drohendes Auseinanderleben zweier Menschen ein allgegenwärtiges und oft herausforderndes Thema. Das Stück greift das mit viel Humor auf. Gleichzeitig setzt sich das Paar, um das es hier geht, erstmalig ernsthaft mit sich selbst und seinem bisherigen Leben auseinander. Wir führen beide Protagonisten zu einer guten Lösung. Vorher müssen sie aber durch einige Verwirrungen und Missverständnisse durch. Ein perfekter Komödienstoff also.


Worin lag die größte Herausforderung, den Film fürs Theater zu adaptieren?

Woelffer: Filme haben ja grundsätzlich eine andere Erzählweise als das Theater. Im Film gibt es Großaufnahmen, Gegenschnitte, Ortswechsel, eher kleine Szenen. Die Herausforderung liegt also für die Bühne darin, eine stringente Handlung zu erzählen. Ich glaube, das ist uns bei dieser Aufführung sehr gut gelungen. Ich finde sogar, dass das große Plus des Theaters gegenüber dem Film, nämlich das Unmittelbare, das Live-Dabeisein-Können, hier besonders deutlich wird. Und natürlich spielt das Stück in Hamburg, so wie der Film.

Stimmt die Chemie zwischen Marion Kracht und Michael Roll, wie es offensichtlich bei deren zwei Filmkollegen war?

Woelffer: Ich sehe es bei jeder Probe: Marion Kracht und Michael Roll sind einfach tolle Schauspielerinnen und Schauspieler und passen wunderbar zueinander. Wie das ganze Ensemble übrigens sind sie in der Lage, das Publikum zu begeistern.

Und wie sehr hilft es – sowohl für die Arbeit am Stück als auch mit den Schauspielern –, dass Sie in Berlin außer der Komödie am Kurfürstendamm noch ein Institut für Systemaufstellungen und Coaching leiten?

Woelffer: In meine Praxis kommen die Menschen mit unterschiedlichen Anliegen. Manche sind in einer persönlichen Krise oder einer generellen Sackgasse, Paare wollen wieder zusammenkommen oder sich trennen. Wir suchen dann gemeinsam nach einer kraftvollen Lösung. Dabei lerne ich auch wahnsinnig viel für mich und mein eigenes Leben. Das Innere der Menschen in einem geschützten und sicheren Raum kennenzulernen ist sehr bewegend und bereichernd. Nicht die Hülle, die wir nach außen gelernt haben, zu präsentieren, ist interessant, sondern unsere innere Wahrheit. Und das will ich ja auch auf der Bühne sehen: Menschen, die sich öffnen und so andere Menschen berühren. Auf diese Weise können wir uns gegenseitig beseelen und voneinander lernen.

„Und wer nimmt den Hund?“ Premiere Fr 23.9.,19.30, bis 30.10., Komödie Winterhude (U Hudtwalckerstraße), Hudtwalckerstr. 13, Karten zu 25,- bis 44,-: T. 48 06 80 80; www.komoedie-hamburg.de