Ausstellung Hamburg

Ukrainische Werke: Wenn der Krieg in die Kunst eindringt

| Lesedauer: 3 Minuten
Anna-Lena Kaufmann
Ukrainische Künstlerinnen auf einigen ihrer Werke.

Ukrainische Künstlerinnen auf einigen ihrer Werke.

Foto: ANTONINA SIEVIEROVA

Ukrainische Künstlerinnen, die vor dem Krieg in ihrer Heimat geflohen sind, stellten ihre aktuellen Arbeiten am Neuen Wall aus.

Hamburg.  Ein leeres Studio im Paulsenhaus am Neuen Wall in Hamburg ist zu einem kreativen Refugium geworden. Ein heller Raum, Malutensilien und das Versprechen „Hier dürft ihr euch entfalten“ – mehr brauchte es nicht. Im Rahmen des Festivals der ukrainischen Kultur und zeitgenössischen Kunst organisierten die UDays (Ukrainian Days in Hamburg) gemeinsam mit der Online-Galerie Spilne Art für moderne ukrainische Kunst eine Arbeitsresidenz.

Den ganzen August lang konnten die drei ukrainischen Künstlerinnen Olena Shtepura, Ksenia Datsiuk und Daryna Mykytiuk hier frei künstlerisch arbeiten. Unter dem Titel „Ukraine: Leben, Liebe, Krieg und Freiheit“ – inspiriert vom gleichnamigen Benefizkonzert am 9. September in der Elbphilharmonie – präsentierten die drei jungen Kunstschaffenden jetzt an zwei Tagen das Ergebnis.

Die Künstlerinnen sind aus der Ukraine geflüchtet

Botticellis Venus ist ein Ausgangspunkt, nicht aus dem Meer, sondern aus Farben geboren in den Pop-Art-Werken von Daryna Mykytiuk. Die Venus der aus Lubny stammenden Designerin, Jahrgang 1993, ist eine Allegorie auf die Stärke aller ukrainischen Frauen. Andere Bilder dieser sensiblen und kraftvollen Künstlerin zeigen ihren Blick auf verschiedene Schattierungen der Liebe.

Ksenia Datsiuk, 1994 in Lviv geboren, hat früher mit strahlenden Farben im Neon-Stil gearbeitet. Jetzt ist ihre Farbpalette von Schwarz dominiert. Vereinzelt zieren kleine pinkfarbene Sterne Datsiuks dunklen Leinwände. Ein violett-pinker Regenbogen in der Ferne, ein pinkes Fenster vor schwarzem Hintergrund. „Es gibt Hoffnung, es gibt Licht, und vielleicht gibt es hinter dem Fenster jemanden, der lebt“, erklärt sie.

Das Erlebte wird in den Kunstwerken verarbeitet

Ksenia Datsiuk arbeitet figurativ, malt ihren eigenen Körper in die Bilder – und findet so einen ganz persönlichen Zugang zum Geschehen. Die Körper zeigen sie in der Reaktion auf ihre Umwelt, mal aufrecht und stilisiert wie Statuen, mal zusammengekauert vor der Kulisse zerbombter Häuser. Eine Serie mit dem Titel „Diary“ umfasst kleinformatige Kunstwerke, die mit Datum versehen sind und intime Einblicke in ihre Gedankenwelt gewähren.

Als sie aus der Ukraine floh, habe sie für ihre Kunst nur Papier und ein paar Stifte mitgenommen und sei in den ersten Wochen nicht in der Lage gewesen, etwas zu zeichnen. „Aber dann, als ich kein anderes Material hatte, habe ich auf diesem Papier angefangen, zu malen. Es war wie Tagebucheinträge.“

Olena Shtepuras Werke sind eine Hommage an die alten Meister. Mit Öl auf Leinwand überträgt die 28-Jährige aus Nizhyn bekannte Gemälde auf die aktuelle Situation der Ukraine. „Primavera“ ist das erste Bild ihrer Reihe: Botticellis Original wird hier zu einem Frühling des Grauens.

Austellung Hamburg: Schönheit und Schmerz zugleich

Shtepura behält die Komposition bei, doch ihre Körper bleiben tot auf dem Boden – es ist der Frühling in der Ukraine. In einem separaten Raum zeigt die Künstlerin eine Frau in ihrem stärksten und zugleich verwundbarsten Moment: Ihre „Venice of Mariupol“ liegt in der von russischen Truppen bombardierten Geburtsklinik. Alle Gesichter der Figuren sind verlaufen und verwischt, man kann ihnen nicht in die Augen schauen. Schönheit und Schmerz treffen in diesen Bildern zusammen. Sie sagt: „Auch meine Art zu malen, hat sich verändert. Das Leben malt jetzt.“