Nachruf

Dirk Rose, sensibler Pionier im Galeriebetrieb, ist tot

| Lesedauer: 2 Minuten
Dirk Rose starb im Alter von 78 Jahren.

Dirk Rose starb im Alter von 78 Jahren.

Foto: Roland Magunia

Bis vor wenigen Jahren vertrat er zahlreiche Kunstschaffende in seiner eigenen Galerie am Großen Burstah. Über sein Schaffen.

Hamburg.  Mehr als 50 Jahre lang war er Kunsthändler und hat öffentliche Aufmerksamkeit gewinnen müssen. Doch Rose blieb stets der Mann im Hintergrund, der Künstler und Künstlerinnen, deren Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen in den Mittelpunkt stellte, während er selbst nicht recht zu fassen war und für die meisten ein Unbekannter blieb.

Dirk Rose startete in den 1970er-Jahren an der Seite von Karoline Müller in der legendären Berliner Ladengalerie, damals am Kurfürstendamm, die zum Beispiel Johannes Grützke vertrat und einen noch unbekannten Autor und Zeichner namens Janosch entdeckte — Beginn einer langen Beziehung. 1981 wechselte Rose nach Hamburg und eröffnete seine eigene Galerie im Haus für Kunst und Handwerk Koppel 66. 1990 zog er weiter in die Hamburger Altstadt, wo die Galerien von Dirk Rose und Hilde Leiss, die sich international einen Namen als erste Adresse für Kunsthandwerk aus aller Welt gemacht hat, am Großen Burstah 36 in symbiotischer Nachbarschaft zusammenlebten.

Nachruf: Dirk Rose stellte auch Johannes Duve aus

Dirk Rose war ein treuer Begleiter der Kunstschaffenden, deren Qualitäten er schätzte. Er stellte Vertreter der norddeutschen Realisten aus, etwa Johannes Duve, André Krigar, Lars Möller und Meike Lipp, pflegte in Ladengalerie-Tradition den Kontakt zu ostdeutschen Künstlern und Künstlerinnen wie Bernhard Heisig, Hans und Lea Grundig, Gudrun Brüne, Kurt Mühlenhaupt. In der umfangreichen Ausstellung zum 30. Geburtstag der Galerie im Jahr 2011 waren 45 Kunstschaffende vertreten.

Dirk Rose war ein unorthodoxer Galerist, weil er als universell interessierter und gebildeter Mensch all seine Vorlieben in den Kunsthandel einbrachte: Er verkaufte nebenbei Bücher, auch Literatur, organisierte Galeriekonzerte und -lesungen, gewann dafür unter anderem Barbara Nüsse und Angelika Thomas, Burghard Klaußner und Peter Franke. Was damals exotisch zu sein schien, war tatsächlich eine Pionierleistung und ist heute Standard im Galeriebetrieb.

Nachruf: Dirk Rose gab 2015 Galerie auf

2015 gab Rose seine Galerie auf, weil das Geschäft schwierig geworden war — nicht zuletzt wegen ständig neuer Bauarbeiten am Burstah, die Besucher und Passanten fernhielten. Hilde Leiss führt den Galeriebetrieb seither weiter, Dirk Rose war als Berater weiterhin im Hintergrund tätig und für die optimale Hängung zuständig. Hilde Leiss, seine langjährige Weggefährtin, sagt über ihn: „Er war ein sensibler Mensch, zurückhaltend, fast ein wenig schüchtern, aber dezidiert in seiner Haltung zur Kunst. Seine vielen Freunde vermissen ihn sehr.“

( wend )