Erzbistum Hamburg

Im Mariendom endet eine Ära: Organist gibt Abschiedskonzert

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Marcus Stäbler
Eberhard Lauer dürfte etwa 12.000-mal vor Gemeinde und Publikum gespielt haben.

Eberhard Lauer dürfte etwa 12.000-mal vor Gemeinde und Publikum gespielt haben.

Foto: Michael Rauhe / FUNKE Foto Services

Eberhard Lauer, Kirchenmusikdirektor des Erzbistums, geht nach 40 Jahren in den Ruhestand. Über seine beeindruckende Laufbahn.

Hamburg.  Eigentlich möchte er das Wort „Abschiedskonzerte“ lieber vermeiden. Das würde ihn als Person zu sehr in den Mittelpunkt rücken. Ja, das passt. So kennt man Eberhard Lauer, den scheidenden Kirchenmusikdirektor des Erzbistums Hamburg, der jetzt nach 40 Dienstjahren in den Ruhestand geht. Eitelkeit ist ihm völlig fremd. Lauer macht Musik nicht für den großen Auftritt, sondern um ihrer selbst willen. Mit der Orgel hat er sich dafür auch das richtige Hauptinstrument ausgesucht.

Denn da sitzt er oft kaum sichtbar mit dem Rücken zum Publikum. „Es stimmt schon, dass das Instrument meistens oben auf der Empore ist und der Organist irgendwo aus dem Off spielt“, sagt Lauer. „Das kann man negativ, aber auch positiv deuten: Dass die Musik nicht über die Bühne vermittelt wird. Gerade im kirchlichen Raum kann das mit Bedeutung gefüllt werden. Ich selber habe diese Entfernung immer als sachliche Notwendigkeit empfunden, weil das Instrument halt so groß ist und die technischen Bedingungen bei der Orgel eben so sind.“

Erzbistum Hamburg: Lauer gewann zahlreiche Preise

Es wirkt ein bisschen nüchtern, wie Eberhard Lauer über seine Arbeit spricht. Das liegt im Naturell des Mittsechzigers, der aus Oberwesel am Rhein stammt. Dabei hätte er allen Grund, stolzgeschwellt von seiner Karriere zu erzählen: Wie er 1981 den 1. Preis bei einem Hochschulwettbewerb abgeräumt hat. Wie er dann schon ein Jahr später, mit 25, die Stelle an Hamburgs größter katholischer Kirche, dem Mariendom, angetreten ist und weitere Preise bei internationalen Wettbewerben gewonnen hat.

Eine beeindruckende Laufbahn auf höchstem künstlerischen Niveau. Und ein krasses Pensum. Bei fünf bis sieben Gottesdiensten pro Woche plus Konzertveranstaltungen dürfte Lauer in 40 Jahren allein in Hamburg rund 12.000-mal vor Gemeinde und Publikum gespielt haben. Dazu kommen noch die Auftritte mit dem Domchor. „Er hat eine wichtige Funktion. Die Musik sollte natürlich katholische Akzente haben, das heißt, die klassischen Messkompositionen von Mozart, Schubert und Haydn nehmen eine zentrale Rolle ein. Dafür braucht man einen großen, oratorienfähigen Chor.“ Als Ergänzung zu diesem großen Chor hat Lauer noch das Palestrina-Ensemble vor allem für Alte Musik und eine Schola Gregoriana gegründet.

Mariendom wurde auf einem Hinterhof gebaut

Beim Rückblick auf seine erfüllte Dienstzeit erinnert sich Eberhard Lauer an viele besondere Momente. Darunter die erste eigene Aufführung von Bachs Matthäus-Passion, aber auch die Begegnung mit selten gespielten Werken. „Bei einem evangelischen Kirchentag haben wir in einem Konzert auch die Messe von Strawinsky und seine Psalmensinfonie gemacht. Damals war die Kirche bis auf den letzten Platz gefüllt, die Leute saßen sogar auf dem Boden.“

So ein Andrang ist im Mariendom eher die Ausnahme. Das hat auch mit der versteckten Lage zu tun. „Es ist halt so, dass diese Kirche auf einem Hinterhof gebaut worden ist“, räumt Lauer ein. Wer in Hamburg nach dem Dom fragt, wird eher zum Volksfest aufs Heiligengeistfeld geschickt als zur Kathedralkirche im Stadtteil St. Georg.

Lauer bildet auch junge Talente aus

Neben seinen dortigen Aufgaben als Kirchenmusiker hat Eberhard Lauer eine Professur an der Musikhochschule in Lübeck, wo er Organistinnen und Organisten ausbildet, er hat außerdem Musikwissenschaft studiert und seine internationale Konzerttätigkeit fortgesetzt. Mit einem breiten Repertoire, das auch auf einer ganzen Reihe von CDs abgebildet ist.

Es reicht von Werken aus dem norddeutschen Barock, von Dietrich Buxtehude und Nicolaus Bruhns, über Bach, Brahms und Widor bis zur Musik von Olivier Messiaen. Messiaens Schaffen liegt ihm ganz besonders am Herzen, nicht nur wegen der Farbpracht und der Klangmagie, die Lauer wie nur wenige aus dem Instrument zu zaubern vermag. „Ich halte ihn nach Bach für den theologischsten Komponisten, der in seiner Musik gewichtige Aussagen macht.“

Erzbistum Hamburg: Im Mariendom endet eine Ära

So wie in Messiaens Zyklus „L’Ascension/Messe de la Pentecôte“ („Himmelfahrt/Pfingstmesse“), den Lauer am Pfingstmontag gespielt hat. Sein vorerst letztes Orgelkonzert ist die Eröffnung des Hamburger Orgelsommers am 18. Juni. Dafür kommen alle Organisten der evangelischen Hauptkirchen im Mariendom zusammen. Ein schönes ökumenisches Gemeinschaftsprojekt. Schon vorher, am vergangenen Freitag, hat er noch einmal den Chor des Mariendoms dirigiert, in einem Programm mit Haydns Paukenmesse und der Vesperae solennes de Confessore von Mozart.

Auch wenn er das nicht als offizielles Abschiedskonzert verstanden wissen wollte, kann man schon sagen: Hier endet eine Ära. Lauer selbst kommt damit gut klar. „Ich habe mich ja lange genug mit dem Gedanken vertraut machen können.“ Natürlich werde er der Musik treu bleiben und auch konzertieren, „aber es hat auch seinen Reiz, dass das weniger wird.“ Wie er den neuen Freiraum nutzen wird, dazu hat Lauer genügend Ideen. Er freut sich darauf, mit dem kleinen Enkel mehr Zeit zu verbringen. Und er möchte – als Ehemann einer Übersetzerin – seine Fremdsprachenkenntnisse vertiefen, zum Beispiel auf Spanisch. „Solange ich noch etwas lernen kann, werde ich das immer gerne tun!“