Kultursommer Hamburg

Fünf Millionen für Kinder- und Jugendkultur sowie Musik

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Stefan Reckziegel
So war es im Juli 2021: Senator Carsten Brosda (SPD, l.) und  Musiker Udo Lindenberg bei der Eröffnung des „Kultursommers Hamburg“ auf der Bühne des Spielbudenplatzes.

So war es im Juli 2021: Senator Carsten Brosda (SPD, l.) und Musiker Udo Lindenberg bei der Eröffnung des „Kultursommers Hamburg“ auf der Bühne des Spielbudenplatzes.

Foto: Markus Scholz / dpa

Statt eines neuen Kultursommers Hamburg fördert die Behörde für Kultur und Medien anno 2022 gezielt von Corona beeinträchtigte Sparten.

Hamburg. Nicht nur die frühsommerlichen Temperaturen lassen bei manchen in der Freien und Hansestadt die Sehnsucht, zumindest aber die Frage nach einem neuen Kultursommer in Hamburg aufkommen. Nicht zu verwechseln mit dem „Hamburger Kultursommer“ - die gleichnamige Veranstaltungsreihe mit Großkonzerten auf der Trabrennbahn Bahrenfeld existiert bereits seit 2010. Im Vorjahr hatte sich die Behörde für Kultur und Medien den Namen gewissermaßen geborgt, um mit dem „Kultursommer Hamburg“ ein großes Open-Air-Festival zu kreieren. Nach dem Vorbild Wiens spartenübergreifend und über das ganze Stadtgebiet verteilt.

Nach einem halben Jahr Lockdown seit November 2020 und dem teilweise noch längerem pandemiebedingten Stillstand der Livekultur sollte der „Kultursommer Hamburg“ 2021 für Künstlerinnen und Künstler, aber auch für Veranstalter und Techniker aus der Metropolregion ein Neustart sein. Zehn Millionen Euro aus dem Bundes-Fonds für Corona-Sondermittel sowie weitere 500.000 Euro von der Behörde garantierten allen Beteiligten Gagen und dem Publikum Konzerte, Theater, Kabarett, Lesungen, Kino, Kinder- und Familienprogramme zu fairen Eintrittspreisen. Der Kultursommer erstreckte sich schließlich nicht nur von Mitte Juli bis Mitte August, er dauerte bis in den September.

Kultursommer Hamburg: ungewöhnliche Orte, attraktive Formate

Aus ursprünglich etwa 700 waren 1800 Veranstaltungen geworden, verteilt auf alle sieben Hamburger Bezirke und 55 Stadtteile. Insgesamt traten mehr als 5700 Künstlerinnen und Künstler auf, mehr als 185.000 Gäste sorgten für eine durchschnittliche Auslastung von 73 Prozent.

All das steht auch in einer Antwort des Senats auf einer schriftliche Kleine Anfrage des Bürgerschafts-Abgeordneten Norbert Hackbusch (Die Linke). Er hatte beim Senat nach einer langen Einleitung einen Katalog von 14 Fragen eingereicht, welche die Regierung mit einer ebenso langen Einleitung beantwortet hat. So fragte Hackbusch, „in welchem Umfang für das Jahr 2022 erneut ein Förderprogramm für Veranstaltungsformate aus allen Kultursparten“ vorgesehen sei.

Um es vorwegzunehmen: Einen derart prallen „Kultursommer Hamburg“ wie im Vorjahr wird es anno 2022 nicht geben. Statt des Prinzips Gießkanne aber eine weitere Förderung. „Insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendkultur sowie der Musik braucht es derzeit eine gezielte Stärkung zur Stabilisierung der Akteurinnen und Akteure, um den Zugang zu kultureller Bildung nochmals zu erleichtern“, heißt es in der Senats-Antwort. In der Musik sei „eine Ballung an Konzertveranstaltungen zu beobachten“, da zahlreiche Konzerte nachgeholt werden. „Doch zugleich stelle die Rückgewinnung von Publikum die Branche vor besondere Herausforderungen“. Daher soll mit einem weiteren Programm dies in den Fokus der derzeit geplanten Förderung genommen werden.“

Ziel sei es, auch auf den Erfahrungen des Kultursommers aufbauend, ungewöhnliche Orte und attraktive Formate mit überregionaler Ausstrahlung zu fördern. Auch hier entwickle die Behörde derzeit mit der Szene entsprechende Programme. Es ist geplant, für beide Programme einen mittleren einstelligen Millionenbetrag zusätzlich zur Verfügung zu stellen“, so die Antwort. Dass dies durchaus fünf Millionen Euro sein können, bestätigte Kulturbehörden-Sprecher Enno Isermann auf Nachfrage des Abendblatts: „Unsere Abteilung Kinder- und Jugendkultur sowie das Musik-Referat arbeiten derzeit an den Plänen.“ Eine offizielle Ausschreibung soll möglichst bald folgen.