Kunsthallen-Podcast

"Ich sehe was, das Du nicht siehst" - Über Thomas Demand

| Lesedauer: 3 Minuten
Volker Behrens
Der Künstler Thomas Demand vor seinen Werken "Embassy VII" (l.) und "Embassy VIIa".

Der Künstler Thomas Demand vor seinen Werken "Embassy VII" (l.) und "Embassy VIIa".

Foto: picture-alliance/ dpa

Er schuf das Werk "Presidency" und zählt zu den bedeutendsten Gegenwartskünstlern: Über Thomas Demand bei "Ich sehe was, was Du nicht siehst".

Der Kunsthallen-Podcast ist in der Gegenwart angekommen. Thomas Demand, geboren 1964, schuf 2008 das Werk „Presidency“. Laut dem Museum of Contemporary Art in Tokio zählt der gebürtige Münchner zu den wichtigen Figuren in der Kunstszene der Gegenwart.

Demand hat einen originellen Zugang zu seinen Themen gewählt. Er nimmt sich Pressefotos und baut die darauf gezeigten Motive als Modell aus Papier im Maßstab 1:1 nach. Die wiederum fotografiert er am Ende. Da schließt sich ein Kreis. Mit seinem Foto des Modell­s des Oval Office nach einer Fotografie dieser Schaltzentrale im Weißen Haus schaffte er es sogar auf den Titel des „New York Times Magazine“.

Über Thomas Demand in "Ich sehe was, das Du nicht siehst"

Das Bild ist eins von fünf, die sich mit dem Thema beschäftigen und so ein neues Licht auf politische, historische, aber auch alltägliche Ereignisse werfen sollen. Es ist ein stilles Monument der Macht. Ältere Zeitungsbilder sind Demands bevorzugtes Motiv.

Was nur Spezialisten entdecken dürften: Demand hat auf diesen Bildern Einrichtung und Design verschiedener Amtsinhaber vermischt und zu einem neuen Bild zusammengefügt.

"Größte Täuschung die Abbildung der Realität"

Als der Künstler vor vier Jahren den mit 15.000 Euro dotierten Großen Kunstpreis in Berlin verliehen bekam, hieß es in der Begründung der Jury: „Demand macht uns klar, dass die größte Täuschung die Abbildung der Realität ist und unser kaum erschütterlicher Glaube daran, dass es die Wirklichkeit wiedergeben und darstellen kann.“

Demand lebt in Berlin und Los Angeles und unterrichtet an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg als Professor für Bildhauerei mit dem Schwerpunkt Fotografie. Er hat auch schon Animationsfilme produziert. Er sieht sich weder als Fotograf noch als Modellbauer, sondern als Illusionist. Zunächst hatte er sich noch mit Skulpturen beschäftigt. Die Kunsthalle hatte ihm im Jahr 2008 eine Einzelausstellung gewidmet. Auch international werden seine Arbeiten gezeigt.

Berühmtheiten als Motive für Werke

Zu seinen frühen Werken zählen „Tunnel“, eine Kamerafahrt durch die Unterführung, in der Lady Diana tödlich verunglückte, und „Badezimmer“ eine Nachstellung der berüchtigten Fotografie vom toten Ex-Ministerpräsidenten Uwe Barschel.

„Presidency“ erinnert entfernt an eine Zeichnung, die der britische Maler Luke Fildes nach dem Tod von Charles Dickens veröffentlichte. Sie zeigt den leeren Stuhl und Tisch des Autors, umgeben von den Charakteren, die er geschaffen hatte.

Wo sind die neuen Kunststars aus Hamburg?

Über die Macht und die Ohnmacht

Und natürlich muss man dabei unweigerlich an ein Zitat von Albert Einstein denken, der sagte „Wenn ein unordentlicher Schreibtisch einen unordentlichen Geist repräsentiert, was sagt dann ein leerer Schreibtisch über den Menschen, der ihn benutzt, aus?“