Hamburg im Mai

Bewegende Ausstellung und ein Rockkonzert – die Kultur-Tipps

| Lesedauer: 8 Minuten
Auch dieses Motiv des indischen Jungen Tamil Nadu ist Teil der neuen Foto-Ausstellung „Unser Alltag mit Kinderarbeit – von Auto bis Zucker“ in der Fabrik der Künste.

Auch dieses Motiv des indischen Jungen Tamil Nadu ist Teil der neuen Foto-Ausstellung „Unser Alltag mit Kinderarbeit – von Auto bis Zucker“ in der Fabrik der Künste.

Foto: terre des hommes

Rock-Pop in der Arena, Kunst und Design, Kabarett und Comedy und eine Dänin, die liest – für diese Termine gibt es noch Karten.

Hamburg. Eine bewegende Foto-Ausstellung in Hamm, gleich zweimal Kunst in der HafenCity, die Rückkehr der Band OneRepublic in die Arena, Satire, eine kleine Werkschau für eine Regisseurin und ein lebendes Gesamtkunstwerk im Literaturhaus – der Mai kann kommen.

Musik-Satire im Polittbüro

Seit mehr als einem Jahrzehnt tourt das niedersächsische Duo Das Geld liegt auf der Fensterbank, Marie und ist regelmäßig Gast in der ZDF-„Anstalt“. In seiner eigenen Form der Kleinkunst trägt das real-fiktive Liebespaar gern sprachjonglierende Lieder und Gedichte vor. Falls sich Friedolin Müller und Wiebke Eymess nicht gerade unterhaltsam und virtuos verquatschen, schaffen sie mit Leichtigkeit den Spagat zwischen Komik und gesellschaftskritischem Tiefsinn, geben so etwa eine Parodie auf ein junges Akademiker-Paar von heute ab.

Auch an diesem Sonnabend im Polittbüro mit dem Best-of-Programm „Nummernschieben“ – Lieblingsstücke, aber auch nie gespielte Texte und Lieder aus dem Giftschrank. Den öffnet am 5. Mai in St. Georg noch mal Satirikerin Sarah Bosetti mit ihrem Erfolgsprogramm „Ich hab nichts gegen Frauen, du Schlampe“.

„Nummernschieben“ Sa 30.4., 20.00, Polittbüro (U/S Hbf.), Steindamm 45, Karten zu 15,-/10,-: T. 28 05 54 67; www.polittbuero.de, 2G-plus-Regel

Foto-Ausstellung in der Fabrik der Künste

Ob Elektrogeräte, Kosmetik, Lebensmittel oder Kleidung – in unzähligen Produkten und Gegenständen des alltäglichen Gebrauchs sind als Teil verschiedener Lieferketten Kinderarbeiter an der Herstellung beteiligt. Der Reichtum der sogenannten Ersten Welt basiert auf der systematischen Ausbeutung von Menschen aus ärmeren Ländern.

Ziel der neuen Ausstellung „Unser Alltag mit Kinderarbeit – Von Auto bis Zucker“ in der Fabrik der Künste in Hamm ist es, nicht nur anzuprangern, sondern zu sensibilisieren, an welchen Produkten womöglich Kinder beteiligt sind und wie jeder durch Konsum- und Kaufverhalten zu einer Besserung beitragen kann. Die Fabrik der Künste zeigt die Schau mit dem Kinderhilfswerk terre des hommes als Projekt zum Thema „Kinderarbeit heute“. Ein Begleitprogramm aus Vorträgen, Diskussionen und Filmen ist geplant, zur Eröffnung an diesem Sonntag (16 Uhr) kommt die frühere „Tagesschau“-Sprecherin Dagmar Berghoff.

„Unser Alltag mit Kinderarbeit – Von Auto bis Zucker“ 1.5.–12.6., jew. Di–Fr, 15.00–19.00, Sa/So 12.00–18.00, Fabrik der Künste (Bus 112), Kreuzbrook 10/12, Eintritt frei, Spenden möglich, www.fabrikderkuenste.de

OneRepublic in der Barclays Arena

„Wir sind wie eine Krankheit, ihr werdet uns nicht los“, versprach OneRepublic-Sänger Ryan Tedder beim bis dato letzten Konzert der Rockband aus Colorado vor acht Jahren in der O World Hamburg. In in diesem Spruch liegt eine Menge Ironie des Schicksals, aber er konnte ja niemand ahnen, dass eine Krankheit das Wiedersehen mit der Radio-Hitmaschine („Counting Stars“) so verzögern würde.

Doch an diesem Sonnabend, 30. April, sind die US-Boys tatsächlich nun in der Barclays Arena. Dort ist der generische, aber gefällige Rock-Pop gut aufgehoben, schließlich wird bei OneRepublic, nimmt man 2014 zum Maßstab, an Licht und Effekten nicht gespart.

OneRepublic Sa 30.4., 20.00, Barclays Arena (S Stellingen + Bus 380), Sylvesterallee 10, Karten ab 60,50 im Vorverkauf

St. Pauli Theater

Einen kleinen, feinen und doppelten Nachschlag liefert das Kiezstürmer-Festival für junge Regisseure zum diesjährigen Tag der Arbeit. Laura Gerickes Regiearbeit „Die Katze wird noch fett“ von Roland Wendling ist ebenso erstmals im St. Pauli Theater zu erleben wie Lorenz Noltings Inszenierung „Lenz“ (mit Anna K. Seidel) nach Georg Büchner. Wie immer als Kooperation mit der Theaterakademie Hamburg und der Hochschule für Musik und Theater.

„Die Katze wird noch fett“ So 1.5., 19.00 „Lenz“ So 1.5., 20.30, St. Pauli Theater (S Reeperbahn), Spielbudenplatz 29/30, Karten: 9,- bzw. 16,- (für beide), www.st-pauli-theater.de

Comedy im Lustspielhaus

Seit Ingo Oschmann 2003 die erste Staffel der Sat.1-Castingshow „Star Search“ gewann, gehört er wie Ingolf Lück, Oliver Welke und Gustav Peter Wöhler zu den namhaften gebürtigen Bielefeldern im deutschen Unterhaltungsgeschäft. Der Zauberkünstler, Comedian und Entertainer ist zwar nicht mehr ganz so fernsehpräsent, jedoch ein lang gedienter Bühnenprofi. Ob nun während oder nach Corona – Oschmann hat einen Mix aus seinen besten Nummern geschnürt, die auch ohne Zuschauerbeteiligung und mit Abstand ganz stark sind. Wie er trotz Distanz eine Nähe zum Publikum schafft, nämlich mit Stand-up, Zauberei und Improvisation, ist am Montag (2.5.) erstmals im Lustspielhaus zu erleben.

„Mit Abstand: Mein Bestes Programm“ Mo 2.5., 20.00, Lustspielhaus (U Hudtwalckerstr.), Ludolfstr. 53, Karten: 10,- (erm) bis 30,-: T. 55 56 55 56; www.almahoppe.de

Kunstmesse im Oberhafenquartier

„Kunst entdecken und kaufen“ lautet das Motto der noch ganz jungen Hamburger Kunstmesse vom 5. bis 8. Mai im Oberhafenquartier in der HafenCity. Nach der Premiere im August 2021 bietet die INCorporating Art Fair auch dieses Jahr wieder internationalen Galerien sowie ihren Künstlerinnen und Künstlern die Möglichkeit, sich mit aktuellen Arbeiten vor Ort zu präsentieren. Gäste können ins Gespräch über Kunst kommen und die Bilder bei Interesse direkt kaufen – ähnlich wie bei der Affordable Art Fair. Schwerpunkte sind Digital.Arts und NFT (Non Fungible Token, also digitale Kunstwerke), Frauen in der Kunst sowie die Werkschau des renommierten Künstlers Max Kaminski.

NCorporating Art Fair 5.–8.5., Do 19.00 Vernissage, Fr/Sa 11.00–20.00, So 11.00–18.00, Oberhafenquartier (U Elbbrücken), Stockmeyerstraße 41, Eintritt All-Day-Ticket (gültig an allen Messetagen) 15,- (Vvk. 17,-), Kinder/Jugendliche unter 16 J. frei, www.inc-artfair.info

"En Garde" im Metropolis

Die Filmemacherin Ayse Polat hatte mal einen Koffer (und mehr) in Hamburg. Zu Beginn der 2000er-Jahre erzielte sie bemerkenswerte Erfolge. Schon für ihren ersten Langfilm „Auslandstournee“ (1999) konnte sie internationale Anerkennung einheimsen. Für ihren zweiten, „En Garde“ (2004), gewann sie in Locarno sogar den Silbernen Löwen.

Es geht um zwei Freundinnen/Rivalinnen, eine Deutsche und eine Kurdin, die ihre schwierige Beziehung auf der Planche ausleben. Die eine weibliche Hauptrolle spielt die 2011 viel zu früh verstorbene Maria Kwiatkowsky. Das Metropolis-Kino widmet der Regisseurin eine kleine Werkschau, zu der Polat selbst ins Kino kommen wird.

„Auslandstournee So 1.5., 14.00 „En Garde“ Mo 2.5., 19.30, Metropolis (U Gänsemarkt), Kleine Theaterstraße 10, Karten jew. 6,50; www.metropoliskino.de

Ausstellung im Design Zentrum Hamburg

Mit mehr als 12.000 Kreativen, die als Selbstständige, in Agenturen oder internationalen Netzwerken tätig sind, hat sich Hamburg zu einer Designmetropole mit großer wirtschaftlicher Kraft entwickelt. Einen sehr guten Überblick über den Nachwuchs gibt es vom 6. Mai an im Design Zentrum Hamburg (ehemals
designxport) in der HafenCity zu sehen. Die Ausstellung „20 aus 21“ zeigt die 20 besten Abschlussarbeiten aus den Designhochschulen und -akademien der Stadt aus dem Jahr 2021. Darin beschäftigen sich die jungen Designerinnen und Designer mit sozialen und gesellschaftlichen Themen unserer Zeit. Marika Hellmund etwa verarbeitet die Folgen des Daten-Trackings in einer Modekollektion, Johanna Pichelmann entwickelte die App „Not Okay“, die Frauen beim Schutz vor sexuellen Übergriffen hilft.

„20 aus 21“ 6.–22.5., Do 5.5., 19.00 Vernissage, dann täglich 14.00–19.00 (19./20.5. geschlossen), Design Zentrum Hamburg (U Überseequartier, U Steinstraße), Hongkongstraße 8, Eintritt frei, www.design-zentrum-hamburg.de

Lesung im Literaturhaus

Das Gesamtkunstwerk ist wieder in der Stadt: Madame Nielsen, zuletzt mit einem Stück bei den Lessingtagen vertreten, stellt im Literaturhaus ihren neuen Roman vor. Die Dänin wurde einst als Mann geboren, ihre Bücher haben alle autobiografische Bezüge. In „Lamento“ geht es um zwei Kulturmenschen, die sich kennen und lieben lernen, ein Kind bekommen, am neuen Alltag scheitern. Madame Nielsen ist Performerin und Sängerin, eine Schriftstellerin von Rang – und ein Sprachtalent. Unter anderem Deutsch spricht sie fließend.

Madame Nielsen liest Mi 4.5., 19.30, Literaturhaus (Bus 6. 172), Schwanenwik 38, Tickets 12,-/erm. 8,- (im Stream 5,-), www.literaturhaus-hamburg.de