Albumkritik

August August: Toller Pop aus Hamburg und Berlin

| Lesedauer: 3 Minuten
Tino Lange
Kathrin Ost und David Hirst sind August August

Kathrin Ost und David Hirst sind August August

Foto: Tim Holskey

Das zweite Album von Kathrin Ost und David Hirst besticht mit harmonischem Indiepop und geschickten Pointen.

Hamburg. Eigentlich ist der Popkurs der Hamburger Hochschule für Musik und Theater kein Tagesseminar. Dort können Musikbegeisterte sich in den Bereichen Musik, Komposition, Text, Performance, Produktion und Management weiterbilden - sprich fördern und fordern lassen. „Wir hätten allerdings schon am ersten Tag wieder gehen können“, erzählen die Hamburger Sängerin, Bassistin und Schauspielerin Kathrin Ost und der Berliner Gitarrist David Hirst.

Nicht, dass sie am Popkurs nichts mitgenommen hätten, aber die Basis ihrer gemeinsamen Band August August entsteht eben an diesem ersten Tag im Jahr 2011: Sie lernen sich kennen und schreiben sofort den ersten Song zusammen. 2016 erscheint das erste Album „Sag Du“ von August August.

„Liebe in Zeiten des Neoliberalismus“: Lieder zwischen Indierock und Dreampop

Jetzt ist der Nachfolger „Liebe in Zeiten des Neoliberalismus“ bereit für die Welt: Zwölf Lieder zwischen Indierock und Dream-Pop, sehr melodiös und harmonisch und voller kleiner Pointen in den Texten und Arrangements. Es hat ein wenig was von Wir sind Helden oder „Kaputt und kein Hunger“ von der frühen Hamburger Schule, wobei Kathrin Ost und David Hirst lachen müssen: „Wir sind Helden ist uns natürlich ein Begriff, aber wir wollten auch immer Gitarrenmusik machen, richtig laut“, sagt Hirst.

Inspirationen für ihre Musik und das Gitarre- und Bassspielen finden die beiden eher bei Nirvana, Soundgarden, Audioslave, Smashing Pumpkins, Hole und anderen Krachern. Aber man muss nicht alle Regler ans Limit reißen, um Energie und Dynamik zu erzeugen. „Wahnsinn“ und „Die Katze weiß, wann sie verloren hat“ nehmen einen zwar sanft an die Hand, ziehen die Hörenden aber trotzdem mit Nachdruck mit.

Albumkritik: Liebe immer als letzte Bastion

„Liebe in Zeiten des Neoliberalismus“ verbindet sowohl im Titel als auch in Liedern wie „Man kann sich nicht lieben wenn man kein Geld hat“ das Private mit dem Politischen. „Unter dem Titel kann man noch viel mehr Geschichten zusammenfassen als die zwölf, die auf unserem Album sind. Es ist eine Bestandsaufnahme von Geschichten, die uns erzählt werden oder die wir selber erleben. Die romantische Liebe zählt immer als letzte Bastion, die nicht von Gesellschaft, Kapitalismus und Normen beeinträchtigt ist. Wir stellen die Gegenthesen auf, ohne es anzuprangern. Wir sind sehr gespannt, wie die Leute die Songs auf ihre eigenen Leben beziehen“, sagt Ost, „unsere unterschwellige Botschaft ist: Lasst uns doch mal darüber reden, wie man das anders gestalten kann. Wobei es kein wahr und falsch gibt, schwarz und weiß. Das meiste ist fucking kompliziert“, lacht sie.

Da hat Kathrin Ost, die als Schauspielerin zuletzt 2016 für den Monica Bleibtreu Preis für „Soul Kitchen“ nominiert war und oft in „extra 3“-Beiträgen zu sehen ist, durchaus recht: Das Einfache ist oft kompliziert und das Schwierige überraschend einfach. Auch auf dem gelungenen zweiten Album des Duos. Nur in einer Sache liegen die beiden falsch: „Die Katze weiß, wann sie verloren hat“: Katzen gewinnen immer!

August August: „Liebe in Zeiten des Neoliberalismus“ Album (popup-records) ab 25.2. im Handel; www.august-august.com