Kultur Hamburg

Exquisit – die Symphoniker spielten Messiaen und Mozart

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Die Symphoniker Hamburg spielen unter der Leitung von Chefdirigent Sylvain Cambreling.

Die Symphoniker Hamburg spielen unter der Leitung von Chefdirigent Sylvain Cambreling.

Foto: picture alliance / dpa / Marcus Brandt

Die Symphoniker Hamburg entführten in eine märchenhaft fremdartigen Klangwelt. Dichte und Lebendigkeit, so spannend wie Mozart.

Hamburg. Wenn es darum geht, ausgefallene Programme mit Werken zu kreieren, die fast nie in Konzerten auftauchen, dann spielen die Symphoniker Hamburg ganz vorn mit. Das liegt sowohl am Intendanten Daniel Kühnel, der die Musik gern auf Metaebenen hin untersucht und für das Matineekonzert am Sonntag etwa das Motto „Über Erlösung“ wählte, als auch am Chefdirigenten Sylvain Cambreling mit seiner exquisit-anspruchsvollen Repertoirebreite.

Das Vokalwerk „Trois petites liturgies de la présence divine“ des 1992 gestorbenen, französischen Klangmagiers Olivier Messiaen haben selbst Kenner noch nie zuvor live gehört. Sylvain Cambreling arbeitete hierfür mit dem von Jan Hoffmann nahezu perfekt vorbereiteten Frauenchor der Europa Chor Akademie Görlitz, dem Pianisten David Kadouch und der Spezialistin für das elektronische Instrument Ondes Martenot, Nathalie Forget. Der tief religiöse Messiaen hatte auf seiner lebenslangen Suche nach einer göttlichen Gegenwart die Texte zu seinen drei Liturgien selbst verfasst.

Symphoniker Hamburg: Wabernde Klänge

Auf die oft unruhig bewegten Passagen der nur mit Streichern und wenigen Schlagzeugern besetzten Symphoniker reagierte der Chor immer wieder mit besänftigenden Phrasen wie „Mein Jesus, mein Schweigen“ oder „Gott in allen Dingen“. Ballonartig blähten sich die Klänge der Ondes Martenot auf oder waberten wellenartig, wie es der Name des Instruments sagt, in einer märchenhaft fremdartigen Klangwelt auf und nieder. Besonders bei den Schlussphrasen fühlte man sich, als würde man in einer Art klanglichem Daunenkissen aufgefangen.

Sylvain Cambreling weiß mit Kon­trasten umzugehen und die zuweilen verborgene Dramatik mancher musikalischer Strukturen zielsicher herauszuarbeiten. Wie schon bei Messiaen gelang ihm das bei „Thamos, der König von Ägypten“ KV 345 (336a), der einzig erhaltenen Schauspielmusik von Mozart. Um überhaupt klarzumachen, worum es in diesem eher zweitklassigen „heroischen“ Drama des Freiherrn von Gebler von 1773 überhaupt geht, rezitierte der Schauspieler Hans-Jürgen Schatz unterbrechend kleine Zwischentexte vom Ende des 19. Jahrhunderts, die die Handlung zusammenfassen sollten.

Cambreling und seine Symphoniker wie auch die nun komplett auftretende Europa Chor Akademie Görlitz schufen eine Dichte und Lebendigkeit, die diese nahezu vergessene Musik des Salzburgers so spannend klingen ließ wie Mozarts beste Opern.

( hpe )