Filmtipp

Preisgekröntes Drama im Hamburger Kino 3001

| Lesedauer: 2 Minuten
Volker Behrens
Auch die Kinder Alessia (Giulietta Regeggiani) und Denis (Tommaso Di Cola) haben wenig echte Freude im Leben.

Auch die Kinder Alessia (Giulietta Regeggiani) und Denis (Tommaso Di Cola) haben wenig echte Freude im Leben.

Foto: Angelo Turetta / Filmperlen

Sehenswert, ohne Weltstars und Special effects: „Bad Tales – Es war einmal ein Traum“ erzählt von sich selbst überlassenen Kindern.

Hamburg.  Es beginnt mit einem Schock. Die Eltern eines Babys, so erfährt man, hätten ihr Kind zuerst in der Badewanne ertränkt und seien dann vom Balkon gesprungen. In ihrem Blut fanden sich Spuren von angst- und krampflösenden Medikamenten. Puh.

Manchmal braucht man gar keine Weltstars oder spektakuläre Special effects für einen sehenswerten Film, es geht auch anders. „Bad Tales – Es war einmal ein Traum“ spielt in einem Vorort von Rom. Heiß ist es dort und wahnsinnig trist. In einer Reihenhaussiedlung leben einigermaßen desillusionierte Eltern mit ihren Kindern, die noch keine Teenager sind. Die Erwachsenen reden über ausschweifende sexuelle Fantasien, aber sie haben längst resigniert.

Filmtipp: „Bad Tales – Es war einmal ein Traum“ kommt in Hamburg im 3001

Als Eltern versagen sie in diesem Drama und vernachlässigen ihre Pflichten. Nirgends und niemals bestärken oder beschützen sie ihre Kinder. Der Begriff Verantwortung scheint für die Familien ein Fremdwort zu sein. Teilweise benehmen sie sich ihrem Nachwuchs gegenüber regelrecht grausam.

Die Kinder wiederum sehen die in ihrem Leben gescheiterten Erwachsenen, wollen sich von der Unterdrückung durch sie befreien und fragen sich, ob es für sie nicht an der Zeit wäre, mit dem Sex zu beginnen. Ohne echte Perspektive auf Veränderung tun sie es ihren Eltern nach und lassen schon ahnen, dass sie auf ähnliche Weise scheitern werden.

Das italienische Kino lebt!

In Italien hat „Bad Tales“ Preise für das beste Drehbuch und die beste Regie gewonnen. Die Zwillingsbrüder Damiano und Fabiano D’Innocenzo gelten als große Regie-Hoffnungen und liefern mit ihrer Mischung aus Tragödie und komischen Elementen einen Film ab, der sich im Gedächtnis festsetzt.

Das italienische Kino lebt! Das ist nach vielen eher mauen Jahren, die auf Legenden wie Fellini, Visconti und Antonioni folgten, endlich mal eine gute Nachricht aus dem südeuropäischen Land. Die Regisseure haben mit diesem verstörenden Film, den Kameramann Paolo Carnera hervorragend ins Bild gesetzt hat, und der vor zwei Jahren auch bei der Berlinale für das beste Drehbuch ausgezeichnet worden ist, ein deutliches Zeichen gesetzt. Man darf darauf gespannt sein, was den Brüdern als nächstes einfällt. Das 3001 zeigt „Bad Tales – Es war einmal ein Traum“ von diesem Donnerstag an.

„Bad Tales – Es war einmal ein Traum“ (OmU), ab 16 J., ab Donnerstag im 3001