Theater in Hamburg

Maike Knirsch: „Einfach so sein, wie man ist“

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Lothar Dittmer (Körber-Stiftung) ehrte Maike Knirsch (26).

Lothar Dittmer (Körber-Stiftung) ehrte Maike Knirsch (26).

Foto: Körber-Stiftung/Krafft Angerer

Die Thalia-Schauspielerin erhielt den Boy-Gobert-Preis und zeigte ein eigenes Programm. Auch Lux und Carsten Brosda kamen zu Wort.

Hamburg.  Wie beschreibt Maike Knirsch ihr Selbstverständnis als Schauspielerin? „Einfach so sein, wie man ist“, meint die Gewinnerin des mit 10.000 Euro dotierten Boy-Gobert-Preises, „aus dem Bauch raus und ehrlich.“ Keine Spur von Distanz, die die 1995 in Stendal geborene Thalia-Schauspielerin zwischen sich und die Rolle schiebt.

Dieses „Aus dem Bauch raus“ ist zunächst auch die vorherrschende Haltung Knirschs bei der Preisverleihung am Sonntag im Thalia Theater. „Hallooo!“, ruft sie kichernd von der Bühne, gekleidet in enger Hose, weitem Pullover, roten Socken in wuchtigen Sandalen. Eine Erscheinung.

Theater in Hamburg: Knirsch entwickelt dreiteiliges Format

Von deren forcierter Verunsicherung man sich nicht täuschen lassen sollte: Das künstlerische Programm wird wie beim Boy-Gobert-Preis üblich von der Preisträgerin selbst gestaltet, und da hat Knirsch ein ambitioniertes, dreiteiliges Format namens „Futur eins bis drei“ entwickelt. Zunächst gibt sie einen Monolog aus Heinar Kipp­hardts „In der Sache J. Robert Oppenheimer“, das sie 2019 am Deutschen Theater Berlin spielte, dann ein Duett mit Ensemblekollege Hans Löw, das aus fröhlichem Anekdotenaustausch in Tschechows „Drei Schwestern“ biegt.

Mit diesem Programm erweist sich Knirsch als sperrige Künstlerin. Sperriger, als es die einleitenden Reden von Thalia-Intendant Joachim Lux und Kultursenator Carsten Brosda (SPD) vermuten lassen, die nachvollziehbar, aber wenig überraschend das Theater als „gesellschaftspolitischen Streitraum“ (Lux) in der Pandemie beschwören. Reizvoll aber Juryvorsitzender Burghart Klaußner, der Molière rezitiert und in seinem exaltierten Vortrag einen Kontrapunkt zu Knirschs Spiel setzt.

Knirsch singt „Der Traum ist aus“ im Thalia Theater

Und: Die Laudatio der Schauspielerin, Sängerin und zeitweiligen Weggefährtin der Geehrten, Marianne Enzensberger, umkreist sympathisch den gewundenen Weg Knirschs vom Jugendtheater in der anhaltinischen Provinz über die Berliner Schauspielschule Ernst Busch bis an die großen Staatstheater.

Der dritte Teil des „Futur“-Programms übrigens ist ein Song, Knirsch singt Rio Reisers „Der Traum ist aus“. Beschrieben wird in dem eine utopische Welt, die sich indes als Traum entpuppt. Doch die letzten Zeilen lauten: „Ich werde alles geben/Dass er Wirklichkeit wird.“ Hoffnung!

( fks )