Konzert Harburg

Puente Encina: Hamburg war das Sprungbrett seiner Karriere

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Marlene Jacobsen
Daniel Puente Encina tritt am Freitag in Harburg auf.

Daniel Puente Encina tritt am Freitag in Harburg auf.

Foto: Thomas Althaus

Daniel Puente Encina tritt am Freitag in Harburg auf. Mit dem Abendblatt sprach er über seine Kindheit in Chile und seine Karriere.

Hamburg. „Ich tue nicht, was man mir sagt“ und „Ich habe keine Angst zu kämpfen“. Das singt der Chilene und Ex-Wahlhamburger Daniel Puente Encina auf Spanisch in seinem neuen Song „Vengo Corriendo“. Seine Aufmüpfigkeit zieht sich durch die gesamte Musikkarriere des 56-Jährigen.

Puente Encina, in Chile besser bekannt als „Dani Puente“, wuchs unter Pinochets Militärdiktatur in Santiago de Chile auf. Mit zwölf bekam er seine erste Gitarre und brachte sich das Spielen selbst bei. Als Musik- und Soziologiestudent gründete er seine erste Band, die antifaschistischen "Los Pinochet Boys".

Bereits der Name der Punkgruppe sei eine enorme Provokation gewesen, berichtet der Musiker. „Wir lebten in ständiger Angst vor dem Militär. Unsere heimlichen Konzerte wurden oft nach der Hälfte der Spielzeit abgebrochen. Zuerst wurden wir nur verprügelt oder festgenommen, dann wurde meine Familie von einem Armeegeneral gewarnt, dass mir etwas zustoßen könnte, wenn ich nicht von der Bildfläche verschwinden würde“, so Puente Encina.

Unterdrückung trieb Puente Encina ins Exil

Die Unterdrückung trieb ihn ins Exil, erst in lateinamerikanische Nachbarstaaten, dann nach Europa. Mit seiner deutschen damaligen Partnerin lebte Puente Encina in London und Berlin, nach dem Mauerfall ließ er sich in Hamburg nieder und blieb fast zehn Jahre. „Hamburg war für mich eine der wichtigsten Inspirationsquellen“, so Puente Encina. Auf der Reeperbahn lernte er den Bassisten Alex Menck kennen, zusammen gründeten sie die Band „Niños con Bombas“. Für ihre wilde Mischung aus Latin, Jazz, Ska und Rock gewann die interkulturelle Gruppe 1995 den John Lennon Talent Award. „Wir haben experimentiert ohne Ende“, erinnert sich Puente Encina. „Wir spielten zum Beispiel Salsa und Flamenco, aber viel härter, schneller und brachialer. Das ergab eine hochexplosive Mischung“.

Genauso schwungvoll startete Puente Encina mit der Jahrtausendwende in sein Projekt „Polvorosa“ – der Name ist eine Anlehnung an das spanische Wort für die Staubwolke beim Laufen. Einige Jahre lang wurde seine Musik sehr elektronisch, seit dem Beginn seiner Solokarriere 2012 und auch auf seinem neuesten Album „Sangre y Sal“ kehrte der Künstler jedoch zu seinen Wurzeln zurück. „Selbst nach so vielen Jahren in Europa möchte ich immer noch so Latin wie möglich klingen“. Doch Puente Encina ließ sich auch auf Reisen inspirieren von Klängen aus Persien und Westafrika.

Puente Encina: „Eigentlich bin ich immer noch ein Fischkopp“

Ein Nebeneffekt der internationalen Einflüsse: In einigen Niños con Bombas Songs vermischt Puente Encina Spanisch mit Englisch und Französisch. „Mein Hamburger Freundeskreis stammte aus den unterschiedlichsten Ländern und war so kosmopolit, dass wir bei Unterhaltungen von einer Sprache zur anderen sprangen“, berichtet der Chilene. Was dagegen konstant blieb, ist die politische Aussagekraft seiner Texte. „Sangre y Sal“ handelt unter Anderem von Machtmissbrauch autokratischer Regierungen und übt Kapitalismuskritik.

Mittlerweile lebt Puente Encina in Berlin, arbeitet auch in Barcelona, dem Sitz des Plattenlabels, und freut sich aber, am Freitagabend in Hamburg zu spielen. „Eigentlich bin ich immer noch ein Fischkopp“.

Konzert: Fr 26.11., 20 Uhr, Fischhalle Harburg (Kanalplatz 16), Eintritt: 15 Euro