Konzert

Traumerfüllung mit Haffner und Landgren in der Laeiszhalle

| Lesedauer: 4 Minuten
Holger True
Wolfgang Haffner kommt am 13. November in die Laeiszhalle.

Wolfgang Haffner kommt am 13. November in die Laeiszhalle.

Foto: ANTJE WIECH/ACT / Antje Wiech/Act

Mit Kollegen wie Nils Landgren, Randy Brecker und Bill Evans kommt Jazz-Schlagzeuger Wolfgang Haffner für ein Konzert nach Hamburg.

Hamburg. Wolfgang Haffner ist tiefenentspannt, als er sich an einem bedeckten Mittwochvormittag im Konferenzraum der Karsten Jahnke Konzertdirektion einen Grüntee einschenkt. Kann er auch sein, denn dieser Interviewtermin auf St. Pauli ist eine der letzten Wegmarken bei der Erfüllung eines großen Traums: der ersten (und vielleicht einzigen) Tour seiner Dreamband.

Auf mehr als 400 Alben ist der Jazz-Schlagzeuger zu hören, hat lange mit Albert Mangelsdorff und Klaus Doldinger gespielt, in aller Welt Jazz-, Rock- und Soulgrößen begleitet, um schließlich die Konsequenz aus dem zu ziehen, was der Gründer der Band Passport ihm eines Tages empfahl: „Wenn du eigene Stücke spielen willst, mach deine eigene Band.“ Und das tat Haffner dann auch.

Haffner holt Herzensmusiker Landgren an Bord

Inzwischen kann er 16 Soloalben für sich verbuchen, führt ein erstklassiges Trio an und hat ein künstlerisches Lebensziel erreicht: „Das Publikum kommt tatsächlich, um mich zu sehen.“ Für einen Schlagzeuger, der fast immer im Hintergrund agiert, keine Selbstverständlichkeit. Nun also hält allein er die Fäden in der Hand und hat sich für das Dreamband-Projekt seine, wie er sagt, „Herzensmusiker“ an Bord geholt: Trompeter Randy Brecker, Saxofonist Bill Evans, Posaunist Nils Landgren, Vi­brafonist Christopher Dell sowie die Trio-Kollegen Simon Oslender (Hammondorgel) und Thomas Stieger (Bass).

Mit dem Ziel, aus Solisten, die teilweise unter eigenem Namen Clubs und Hallen füllen, eine Einheit zu formen. In einer Zeit, in der das plötzlich möglich ist. „Normalerweise wären im November bei uns allen die Kalender randvoll“, sagt Haffner. „Aber durch Corona hat sich plötzlich ein Zeitfenster geöffnet.“ Überhaupt habe ihm die Zeit des Stillstand gutgetan, diese erzwungene Entschleunigung nach „35 Jahren Halligalli“, in denen die Angebote irgendwie immer „zu gut waren, um sie auch mal abzulehnen“.

Haffner erlitt in Hamburg einen Herzinfarkt

Endloses touren, etwa mit Chaka Khan und Konstantin Wecker, Reisen in mehr als 100 Länder, unzählige Studiotermine, Auftritte mit Jazzlegenden wie Joe Pass, Johnny Griffin oder Clark Terry, natürlich auch in legendären Clubs wie dem New Yorker Birdland („Und plötzlich stehst du da selbst auf der Bühne...“) – für Wolfgang Haffner lief es nicht nur ausgesprochen gut, er hat diese Zeit meist auch genossen.

Doch 2014 gab es dann eine erzwungene Vollbremsung: In Hamburg erlitt der heute 55-Jährige einen schweren Herzinfarkt. Der ließ den begeisterten Genesis-Fan („Phil Collins ist als Schlagzeuger eines meiner großen Vorbilder“) innehalten: „Seitdem gibt es ein ,Du musst ...’ für mich nicht mehr.“ Und so ist nun also Traumerfüllung angesagt, gemeinsam mit (nicht nur) musikalischen Freunden. Klassiker etwa von Nat Adderley („Sweet Emma“, „Walk Tall“) werden wohl zu hören sein, auch sei geplant, dass Brecker, Landgren und Co. mal ein eigenes Stück spielen und im Mittelpunkt stehen, aber „eine bloße Abfolge von Solonummern wird es nicht geben“.

Vielmehr verspricht Haffner Konzerte, „die wie ein guter Kinofilm sind und Raum und Zeit vergessen lassen“. Immer wieder feile er deshalb an der Setlist, die final wohl erst stehe, wenn der erste Auftritt absolviert ist.

Gestresst wirkt er dennoch nicht, sondern voller Vorfreude. „Ja, wir alle fiebern den Konzerten richtig entgegen“, bestätigt er. Und schenkt sich lächelnd noch einmal Tee nach.

Wolfgang Haffner’s Dreamband Sa 13.11., 20.00, Laeiszhalle (Großer Saal), Karten ab 32,- im Vorverkauf, 2G-Veranstaltung