Theater in Hamburg

Wie sich Harry Potter auf die große Premiere vorbereitet

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Hogwarts und das Zaubereiministerium befinden sich in Hamburg in den Großmarkthallen. Die Premiere findet am 5. Dezember statt.

Hogwarts und das Zaubereiministerium befinden sich in Hamburg in den Großmarkthallen. Die Premiere findet am 5. Dezember statt.

Foto: Marcus Brandt / dpa

Für die „Hogwarts-Familie“ beginnen im Mehr! Theater am Großmarkt die Endproben. Warum der Produzent „total stolz“ auf das Team ist.

Hamburg.  Harry Potters Narbe schmerzt. Weshalb – wie jeder weiß, der sich auch nur halbwegs in J. K. Rowlings Zauberlehrlings-Bänden auskennt – erhöhte Wachsamkeit geboten ist. Omen bedeuten etwas. Das gilt auch 22 Jahre nach dem Sieg über den grausamen Lord Voldemort – und vielleicht erst recht anderthalb Jahre nach Beginn der Corona-Pandemie.

Harry Potter hat ja in seinem Leben schon viele ungemütliche Situationen meistern müssen, da waren Begegnungen mit Drachen und Riesenspinnen, mit unverzeihlichen Flüchen und einem faschistoiden Geheim-Clan, der sich mit allen Mitteln um den Aufstieg des Bösen bemühte („Der, dessen Name nicht genannt werden darf“). Für die Original-Theaterproduktion „Harry Potter und das verwunschene Kind“ allerdings hielt der abrupte Spielstopp nur zwei Tage vor der deutschsprachigen Erstaufführung im März 2020 ein besonders gemeines Trauma bereit.

Theater in Hamburg: Premiere wurde verschoben

Über 300.000 Tickets für die mehrstündige Doppelvorstellung im eigens dafür umgebauten Mehr! Theater am Großmarkt waren verkauft worden, das Feedback des Publikums in den wenigen Voraufführungen sei „überwältigend gewesen“, erinnert sich Produzent Maik Klokow. Das Virus aber hatte andere Pläne. Die geradezu generalstabsmäßig vorbereitete Premiere in Hamburg musste – wie alle anderen Kulturveranstaltungen – verschoben werden. Bis heute drei Mal.

Jetzt sitzt Maik Klokow, CEO und Produzent der verantwortlichen Mehr-BB Entertainment, mit einem Teil seines Ensembles, seiner Company-Managerin Martina Mück und dem Regisseur Eric Lomas auf der Hogwarts-Bühne und versprüht Optimismus. Am 5. Dezember soll die große Gala-Premiere nun tatsächlich stattfinden, schon am 4. Dezember ist die Medien-Premiere geplant. Die Proben für die Inszenierung – keine Bühnenbearbeitung der Romane, auch kein Musical, sondern die enorm aufwendige Fortschreibung der Saga als Sprechtheaterstück in zwei Vorstellungen – laufen bereits auf Hochtouren.

Alle Darsteller in Hamburg zurückgekehrt

Bis auf eine einzige Rolle sind alle Darsteller nach den langen Monaten des Wartens zum Großmarkt zurückgekehrt – und wie ein Mantra formuliert es Maik Klokow gleich mehrfach: „Wir sind gekommen, um zu bleiben.“ „Total stolz“ sei er im Übrigen, dass wir „den Cast zusammen gehalten haben“, der logistische Aufwand sei in vielfacher Hinsicht immens gewesen: Mehr als 1100 Shows musste sein Unternehmen, das auch für „Starlight Express“ in Bochum und zahlreiche andere Veranstaltungen verantwortlich ist, absagen, „über eine Million Tickets wurde rückabgewickelt“, die festangestellten Mitarbeiter gingen in die Kurzarbeit, den geringfügig Beschäftigten habe er kündigen müssen.

Es sei nicht immer leicht gewesen, dafür zu sorgen, die Bindung zu allen Mitarbeitern aufrecht zu erhalten, berichtet auch Company-Managerin Martina Mück. Heute zeigt auch sie sich gerührt, „dass uns das allen zusammen gelungen ist, dass wir eine Hogwarts-Familie geblieben sind“.

Bühnen-Energie soll wieder aufgebaut werden

Selbstverständlich ist das nicht. Gerade in der Kulturbranche haben sich während der Corona-Zeit viele Beschäftigte, oft zwangsläufig, nach anderen Jobs, anderen sinnvollen Lebensinhalten umgeschaut. Die Darstellerin der Rose Granger-Weasley, Madina Frey, hat ein Politikstudium begonnen, Abendspielleiter Eric Lomas hat in einer Igel-Auffangstation gearbeitet – und der Schauspieler Vincent Lang, der den Harry-Potter-Sohn Albus spielt, war zwei Monate lang in einer Corona-Teststation beschäftigt. Teststäbchen statt Zauberstab. „Jetzt bin ich megafroh, wieder hier zu sein.“

Nun gilt es, die Bühnen-Energie wieder aufzubauen, die Lust des Publikums neu zu wecken, so wie im März 2020, als alle schon einmal bereit waren für die große Premiere. Dass Harry Potters Narbe wieder schmerzt, ist hoffentlich nur im Stück selbst ein alarmierendes Zeichen.

  • „Harry Potter und das verwunschene Kind“, ab 5.12. im Mehr! Theater am Großmarkt, Banksstr. 28, Karten ab 49,95 Euro pro Teil (ab 99,90 Euro Gesamtpreis) unter harry-potter-theater.de oder in der Abendblatt-Geschäftsstelle am Großen Burstah 18-32