Ernst Deutsch Theater

“Man fühlte sich sehr allein auf der Bühne“

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Isabella Vertés-Schütter leitet das Ernst Deutsch Theater in Hamburg.

Isabella Vertés-Schütter leitet das Ernst Deutsch Theater in Hamburg.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

70 Jahre Ernst Deutsch Theater: Intendantin Isabella Vértes-Schütter erinnert an die Geschichte der Hamburger Bühne.

Hamburg. Es war, nach einer Produktion am Thalia Theater, erst ihr zweites Engagement direkt nach der Bühnenausbildung: Als Isabella Vértes-Schütter als junge Schauspielerin am Ernst Deutsch Theater für „Der leere Stuhl“ von Peter Ustinov vorsprach, ahnte sie noch nicht, wie lebensentscheidend dieser Moment sein würde. „Ich erinnere mich, dass der Zuschauerraum sehr dunkel war, man fühlte sich sehr allein auf der Bühne – und dann kam die sonore Stimme von Friedrich Schütter aus dem Zuschauerraum.“

Das Vorsprechen lief erfolgreich, Schütter wurde ihr Regisseur – und ihr Mann. Dem sie, als er starb, das Versprechen gab, das Theater in seinem Sinne weiterzuführen. Seit 1995 ist Isabella Vértes-Schütter Intendantin des Theaters an der Mundsburg, das einst als Junges Theater an den Großen Bleichen gestartet war, 1951 gegründet von Friedrich Schütter und Wolfgang Borchert.

Das Ernst Deutsch Theater in Hamburg wird 70

In der kommenden Woche feiert das Ernst Deutsch Theater seinen 70. Geburtstag – und im Abendblatt-Theater-Podcast „Saisonstart“ erinnert Isabella Vértes-Schütter an die Geschichte dieser ganz besonderen Privatbühne, an die erste Begegnung zwischen Friedrich Schütter und Ernst Deutsch, auch daran, wie es sie selbst „in den ersten Jahren völlig zerrissen“ hat, das Spielen, die Intendanz, der Sohn, der damals erst fünf Jahre alt war.

Den Anfang habe sie „wie in einem Trance-Zustand erlebt“, erzählt Vértes-Schütter. Oft sei sie die einzige Frau in der von Männern dominierten Hamburger Theaterlandschaft gewesen. „Die Anforderung, sich zu behaupten, war sehr deutlich spürbar.“ Ihr Mann sei ihr dabei auch nach seinem Tod eine Stütze gewesen: „Ich hatte Friedrich Schütter als Kraft in meinem Rücken. Er begleitet mich auch weiterhin.“ Während der Pandemie habe sie sich manchmal gefragt, „wie er sich in der Situation wohl verhalten hätte“: „Da bin ich durchaus mit ihm weiter im Dialog.“

Und auch der Verantwortung des Hauses ist Isabella Vértes-Schütter sich unverändert sehr bewusst. Der Name „Ernst Deutsch Theater“ stehe auch für die antifaschistische Tradition dieser Bühne, „die mir viel bedeutet und die auch den Mitarbeitenden viel bedeutet.“ Das ist mehr als ein Lippenbekenntnis: Dem spürbaren Wiedererstarken des Rechtspopulismus will sie entschieden entgegentreten. Diese Haltung „offensiv nach außen“ zu tragen sei wichtig: „Man muss große Anstrengungen machen, die jüngeren Generationen zu erreichen.“