Konzertkritik

Charlotte Brandi beweist ihr Talent – vor zwölf Fans

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Tino Lange
Die Berliner Sängerin und Songschreiberin Charlotte Brandi (Mitte) mit ihrer Band im Schanzenzelt im Schanzenpark.

Die Berliner Sängerin und Songschreiberin Charlotte Brandi (Mitte) mit ihrer Band im Schanzenzelt im Schanzenpark.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Die Berliner Sängerin eröffnete die Konzertsaison im Schanzenpark. Ihr gelungener Auftritt hätte mehr Publikum verdient gehabt.

Hamburg. Düster ist es am Mittwoch auf dem Weg durch den Schanzenpark. Es regnet, kein Mensch ist unterwegs, guten Abend Tristesse. Da ist das Schanzenzelt im Schanzenpark mehr als eine Konzertbühne im Zirkuszelt, es ist Fluchtpunkt und Unterschlupf.

Aber nur wenige finden ihn beim ersten Konzert dort seit zwei Jahren, nachdem die Saison 2020 pandemiebedingt abgesagt wurde. Zwölf Menschen haben Karten gekauft. Platz wäre – unter 3G-Bedingungen – für Hundert.

Konzertkritik: Charlotte Brandi – nichts für Mitläufer

Aber die Berliner Sängerin Charlotte Brandi und ihre Band mit Bassistin, Gitarristin und Schlagzeuger freuen sich dennoch über das übersichtliche Publikum: „Die, die heute hier sind, sind definitiv keine Mitläufer“, sagt Brandi, die Deichkind-Fans vielleicht auf dem letzten Album „Wer sagt denn das?“ entdeckt haben. Tatsächlich ist ihre Musik auch nichts für Mitläufer, sondern für Popfans, die das Besondere schätzen.

Brandi singt Lieder auf Deutsch und auf Englisch, und die Brüche dazwischen sind tief. Der Indie- und Dream-Pop ihrer 2018 aufgelösten Band Me And My Drummer geht mit Soul und Jazz über in einen klassischen Schlagersound irgendwo zwischen Hildegard Knef, Alexandra und – in Liedern wie „Frieden“ – Nicole. Und wenn es wie in „A Sting“ rockig wird, hört man auch Tocotronic heraus.

Charlotte Brandi: erste Single mit Dirk von Lowtzow

Ihre erste deutschsprachige Single „Wind“ nahm Brandi schließlich mit Toco-Sänger Dirk von Lowtzow auf. Insgesamt am besten vergleichbar ist Charlotte Brandi vielleicht mit der Schweizer Ausnahmekünstlerin Sophie Hunger.

Auch als Sängerin beweist Brandi beachtliche Vielseitigkeit in Höhen und Tiefen und spielt dazu Elektrische Gitarre und E-Piano. Kein Wunder, dass sie 2018 beim Reeperbahn Festival im Mojo Club in der Reihe „Wunderkinder – German Music Talent“ spielte. Das Konzert im Schanzenzelt hätte jedenfalls mindestens so viel Publikum wie damals im Mojo verdient.

Aber auch die Zwölf spenden nach einer Stunde Spielzeit genug Applaus für drei ungeplante Zugaben. So sind zumindest die Hände noch lange warm auf dem Weg zurück nach Hause durch den Schanzenpark.

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