Comic für Kinder

„Besonders Kinderbücher müssen mit Klischees aufräumen“

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Der Autor und Regisseur Volker Schmitt  schreibt und lebt in Hamburg.

Der Autor und Regisseur Volker Schmitt schreibt und lebt in Hamburg.

Foto: Kibitz-Verlag /Màriam Ben-Arab.

Im Gespräch mit der in Barcelona lebenden Illustratorin Màriam Ben-Arab und dem Hamburger Autor Volker Schmitt über den Comic „ZACK!“.

Hamburg. „ZACK!“ ist ein ungewöhnliches Gemeinschaftsprojekt: Die Illustratorin Màriam Ben-Arab und der Autor Volker Schmitt leben in zwei Ländern und haben den Comic-Band trotzdem gemeinsam erarbeitet.

Hamburger Abendblatt: Sie sprechen nicht dieselbe Sprache, sind in unterschiedlichen Städten zu Hause – wie funktioniert Ihre Zusammenarbeit?

Màriam Ben-Arab: Unsere gemeinsame Sprache ist Englisch. Aber ich verstehe auch ganz gut deutsch, weil ich ein paar Jahre in Deutschland gelebt habe.

Volker Schmitt: „ZACK!“ haben wir komplett über Email und Zoom erarbeitet. Wir haben Szenen und Storyboards hin- und hergeschickt. Das erste Mal wirklich begegnet sind wir uns im Juli beim Yppie-Comicfestival in Frankfurt am Main.

Wer hat bei Ihnen den Hut auf?

Ben-Arab: Die bessere Idee hat immer recht – und die kommt mal von hier und mal von da.

Schmitt: Die Arbeit ist gleichberechtigt, ja! Schön ist auch, dass uns der Kibitz-Verlag zwar liebevoll betreut, aber kreativ freie Hand gelassen hat.

Wessen Idee war das Buch?

Schmitt: Initial war „ZACK!“ meine Idee. Am Anfang stand ein Pirat mit Gedächtnisverlust, der als Rahmenhandlung für den vierten Geburtstag meiner Tochter Ylvi diente.

Die Familienkonstellation von Bonny fällt auf, weil es im Kinderbuchbereich noch immer wenig schwarze oder dunkelhäutige Hauptfiguren gibt. In „ZACK!“ werden die Hautfarben nicht zum Thema gemacht, aber Stereotype bewusst gebrochen. War der Aspekt von Anfang an Teil des Projekts?

Ben-Arab: Unsere Arbeit an „ZACK!“ fiel mit dem Aufkommen der „Black Lives Matter“-Bewegung zusammen. Ich beziehe in meiner Arbeit immer Menschen aller Ethnien ein. Aber bisher waren es meist Nebenfiguren mit dunkler Hautfarbe. Außerdem war die Protagonistin aus dem Film „Beasts of the southern Wild“ eine Inspiration.

Welche Reaktionen bekommen Sie dazu?

Ben-Arab: Wir bekommen viel positives Feedback für diese Aspekte! Es ist immer noch viel zu selten, dass Hautfarbe keine Rolle spielt und einfach selbstverständlich ist.

Schmitt: Erstaunlich oft wird auch positiv hervorgehoben, dass der Vater das Kind füttert, während die Mutter Auto fährt. Besonders Kinderbücher müssen mit Klischees und Stereotypen aufräumen und am besten etwas dafür tun, dass Menschen einen breiteren Horizont bekommen.

Sie, Herr Schmitt, schreiben eigentlich Drehbücher und sind Regisseur – inwiefern hat das bei „ZACK!“ geholfen?

Schmitt: Das hilft enorm beim Konzipieren von Comics, weil man ein Verständnis für Szenen entwickelt. Das Denken in Bildern ist natürlich sehr verwandt, und in beiden Kunstformen herrscht ein gewisses Gesetz von Ökonomie.

Ben-Arab: Filme, insbesondere Animationsfilme, waren für uns von Anfang an eine hervorragende Grundlage für den kreativen Austausch.

( msch )