Film-Tipp

Neu im Kino: ein Schuljahr mit Lehrer Bachmann

"Herr Bachmann und seine Klasse" begleitet ein Jahr lang die 6b auf ihrem Weg – und das ganz unaufgeregt, aber mit ganz viel Tiefgang.

Das hessische Stadtallendorf mag aus Hamburger Perspektive wie Provinz erscheinen, aber was der Lehrer Dieter Bachmann in seiner Gesamtschulklasse vereint, kann es an Internationalität mit jeder Großstadt aufnehmen. Türkisch, Bulgarisch, Russisch, Arabisch, Italienisch geben seine Schüler als Muttersprache an. Die Aufzählung ist keineswegs vollständig.

Ein ganzes Schuljahr verbringt man als Zuschauer in Maria Speths preisgekröntem Dokumentarfilm mit Herrn Bachmanns 6b. Eigentlich passiert nicht viel: Die kecke Steffi wird immer noch kecker, die zurückhaltende Ferhan bleibt zurückhaltend, der smarte Jaimie sagt nur was, wenn er gefragt wird, überrascht dann aber mit Tiefsinn. Gen Ende bekommen die einen eine Gymnasialempfehlung, die anderen werden im Realschulzweig weitermachen.

Herr Bachmann und seine Klasse: Unaufgeregt berührend

Speth vermeidet jede Art von künstlicher Skandalisierung. Im Vordergrund stehen in ihrem Film die Individuen. Die geduldig beobachtende Kamera ermöglicht auf unaufdringliche Art Einblicke in die unterschiedlichen Temperamente. Zu sagen, dass sie einem ans Herz wachsen im Lauf des Films, ist eine Untertreibung.

Das mag auch daran liegen, dass Speth mit der sechsten Klasse ein ideales Alter gefunden hat: Die Schüler sind keine Kinder mehr, verstecken sich aber noch nicht hinter jugendlichem Gehabe.

Dieter Bachmann ist ein besonderer Typ, mit Methoden, die völlig unspektakulär sind: Er gibt sich entspannt, das entspannt auch seine Schüler; er nimmt sie ernst; das „Leistungsprinzip“ ist ihm nicht so wichtig. Wenn schon lernen, dann mit guter Laune, suggerieren Raum und Lehrer. Eine Lektion, die man mit ins Leben nehmen kann.

„Herr Bachmann und seine Klasse“ 217 Minuten, o. A., läuft im Abaton, Metropolis, Zeise

( bch )