Streit um Corona-Plakate

Reeperbahn Festival ohne Docks und Große Freiheit 36

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Holger True
Die Wandzeitung an der Großen Freiheit 36 im März dieses Jahres. Das Reeperbahn Festival wird dieses Jahr weder dort noch im Docks stattfinden.

Die Wandzeitung an der Großen Freiheit 36 im März dieses Jahres. Das Reeperbahn Festival wird dieses Jahr weder dort noch im Docks stattfinden.

Foto: Roland Magunia

Veranstalter sehen bei den Betreibern weiterhin keine glaubhafte Distanzierung von Coronaleugnern und Verschwörungserzählern.

Hamburg.  Der Konzertherbst kommt, aber für Docks und Große Freiheit 36 dürfte es jetzt sehr eng werden. Der Hintergrund: Im vergangenen März gab es einen bisher beispiellosen Schulterschluss der wichtigsten Hamburger Konzertveranstalter. Nachdem die Musikclubs Docks und Große Freiheit 36 auf Wandzeitungen Verschwörungserzählungen und Coronaleugnern ein Forum geboten hatten, erklärten die FKP Scorpio Konzertproduktionen, die Karsten Jahnke Konzertdirektion, STP Hamburg Konzerte, Inferno Events/Reeperbahn Festival, Neuland Concerts, A.S.S. Concerts & Promotion, Buback Tonträger, Semmel Concerts, River Concerts, Kingstar Music, OHA! Music und die Interessengemeinschaft Hamburger Musikwirtschaft in einem Offenen Brief, dort künftig keine Konzerte mehr zu veranstalten.

Man habe die Entwicklung mit großer und wachsender Enttäuschung beobachtet und werde das dort verbreitete „zunehmend gefährliche und demokratiefeindliche Gedankengut“ nicht tolerieren. „Spätestens mit indirekten Aufrufen zur Gewalt und dem Verweis auf rechtspopulistische und verschwörerische ,Medien’, die diesen Namen nicht verdienen, hat unsere Geduld ihr Ende gefunden“, hieß es damals.

Reeperbahn Festival findet nicht in der Großen Freiheit und im Docks statt

Sechs Monate später steht das Reeperbahn Festival (22. bis 25-. September) vor der Tür, aber in der Großen Freiheit 36 und im Docks, zwei in früheren Jahren fest gesetzten Spielstätten, wird es nicht stattfinden. „Nach wie vor gilt, dass diese Häuser für eine Bespielung nicht in Frage kommen, solange sich die Betreiber nicht deutlich und glaubhaft von Coronaleugnern und Verschwörungserzählern distanzieren.“, sagt Festival-Geschäftsführer Alexander Schulz im Abendblatt-Interview.

„Wir hätten beide Locations schon wegen ihrer Größe gut gebrauchen können, aber da bleiben wir bei der Position, die wir gemeinsam mit nahezu allen Hamburger Veranstaltern teilen. Wenn es dort einen Kurswechsel gibt, der nicht nur uns, sondern auch unsere Künstler und das Publikum überzeugt, werden wir dort wieder veranstalten. Sonst nicht.“

Streit um Corona-Plakate: Reeperbahn Festival zieht Konsequenzen

Große Veranstalter wie FKP Scorpio und die Karsten Jahnke Konzertdirektion haben auf ihren Websites für den Herbst und das kommenden Jahr zwar noch einige Konzerte in Docks und Großer Freiheit 36 gelistet, auf Abendblatt-Nachfrage erklären sie aber unisono, dass sämtliche Shows verlegt werden. Jahnke-Pressesprecher Frehn Hawel: „Wenn man was Gutes aus der Docks/Freiheit Sache ableiten kann, dann ist es der solidarische Schulterschluss der in Konkurrenzsituation befindlichen Akteurinnen und Akteure im Hamburger Konzertmarkt.“

Der Kieler Kieler Gastronom Karl-Hermann Günther, dem die Häuser gehören, hatte erklärt, angesichts des Boykotts wie in den 80er-Jahren Konzerte und sonstige Veranstaltungen selbst zu buchen. Ob ihm das im größeren Stil gelingt, ist fraglich: Derzeit sind etwa auf der Website der Großen Freiheit nur wenige Konzerte angekündigt, einige davon wurden längst in andere Häuser verlegt.