Hamburger Band

Neustart auf dem Forellenhof: Station 17 ist wieder da

| Lesedauer: 3 Minuten
Birgit Reuther
Station 17: Die Vorfreude auf kommende Auftritte ist groß.

Station 17: Die Vorfreude auf kommende Auftritte ist groß.

Foto: Viola Hackbarth

Die inklusive Hamburger Band hat in der Abgeschiedenheit zahlreiche Songs aufgenommen, heute spielt sie ein Konzert in der Fabrik.

Hamburg.  Sich in die Isolation zurückziehen: Vor Corona bedeutete dieses Prinzip für eine Band, sich abgeschieden von äußeren Umständen zum Musikmachen in abgelegene Gefilde zu begeben. Und genau diesen künstlerischen Ansatz praktiziert nun die Hamburger Band Station 17 nach ihrer langen Pandemie-Pause. Auf die ungewollte Isolation folgt also: die gewollte Isolation.

Die achtköpfige inklusive Formation hat sich für eine Woche auf dem idyllisch gelegenen Forellenhof Riesewohld bei Dithmarschen einquartiert, um endlich wieder gemeinsam zu musizieren. Kreative Tage, die einen Neustart markieren. Und die lange überfällig sind.

Station 17 hat im Lockdown neue Stücke geschrieben

Bis zu Beginn der Pandemie probte Station 17 in der Barner 16 in Altona, einem Kulturzentrum, in dem zahlreiche Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam Kunst produzieren. „Für unser Projekt galten die verschärften Corona-Regeln der Behörde zum Schutz von besonders gefährdeten Personengruppen. Das hieß: nicht nur Kontaktreduktion, sondern auch Betretungsverbot“, erklärt der Pädagoge und Musiker Kai Boysen, der die wegweisende Band 1989 gegründet hatte. Gemeinsam mit Bassist Hauke Röh, Gitarrist Felix „Ernesto‟ Schnettler sowie Gastmusiker An­dreas Dorau hat er sich im ländlichen Refugium zum Videocall versammelt, um über die neue Schaffensphase von Station 17 zu sprechen.

„Wir haben im Lockdown neue Stücke geschrieben und bereiten die Songs jetzt für unseren Live-Auftritt vor“, erzählt Ernesto Schnettler. Und Röh ergänzt: „Jeder hat aus dem Homeoffice heraus musikalische Skizzen entwickelt, die wir uns hin- und hergeschickt haben.“ In Dithmarschen treffen diese Ideen nun auf die Kernkompetenz von Station 17: die Improvisation. „Da entstehen keine klassischen Strophe-Re­frain-Songs. Das macht viel Spaß und ist extrem produktiv“, sagt Andreas Dorau, der mit Station 17 erstmals Anfang der 2000er für einen Remix zusammenarbeitete. Und der nun textliche und musikalische Impulse aus seinem reichhaltigen Popkultur-Kosmos einfließen lässt.

Station 17 am 9. September in der Fabrik

„Der aktuelle Sound ist sehr entspannt, sehr poppig, mit einem guten Flow. Als sei ein Damm gebrochen. Die Musik wird von Minute zu Minute schöner und interessanter“, erläutert Boysen, der sehr froh ist, dass mittlerweile auch die Barner 16 in Altona wieder voll besetzt arbeitet, etwa mit dem dortigen Theaterensemble.

Hauke Röh jedenfalls genießt das unmittelbare gemeinsame Musizieren in der Dithmarscher Isolation sehr. „Es kann passieren, dass wir morgens mit einer psychedelischen Nummer anfangen und abends ein Dub-Stück aufnehmen“, sagt der Bassist. Stilistisch war die Musik von Station 17 immer schon wunderbar sperrangelweit offen angelegt – von Krautrock bis hin zu elektronischen Klängen. Und auch die Besetzung ist in stetem Fluss. Der langjährige Schlagzeuger Alex Tsitsigias alias Saskia Lavaux, auch bekannt durch die Band Schrottgrenze, wurde nun abgelöst von Philipp Wulf von der Postpunk-Kombo Messer.

Und all die Musiker von Station 17 drängt es nicht nur kreativ zueinander, sondern auch auf die Bühne. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Barner 16 werden sie am 9. September in der Fabrik auftreten und ihre Spontankompositionen präsentieren. Klingt nach einem guten Neustart.

Station 17 Do 9.9., 20 Uhr (Einlass: 19 Uhr), Fabrik, 14 Euro im Vvk. (bestuhlt, 3G)