Hamburger Schauspielerin

Hannelore Hoger wird heute (vielleicht) 80 Jahre alt

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Sebastian Bronst
Hannelore Hoger 2019 beim Filmfest Hamburg

Hannelore Hoger 2019 beim Filmfest Hamburg

Foto: Georg Wendt / dpa

Die Schauspielerin, die als „Bella Block“ unvergessen bleibt, betreibt schon lange ein Verwirrspiel um ihr Geburtsjahr.

Hamburg.  Sie gehört zu den großen deutschen Charakterschauspielerinnen der Gegenwart und ist dem Publikum insbesondere in der Rolle der selbstbewusst-unabhängigen Kriminalkommissarin Bella Block bekannt. An diesem Freitag nun wird Hannelore Hoger 80 Jahre alt - vielleicht aber auch 78, 79 oder 81 Jahre. Denn um ihr genaues Alter betreibt die gebürtige Hamburgerin schon seit längerem – und mutmaßlich durchaus genüsslich – ein Verwirrspiel. Zur Verfügung stehen die Jahrgänge 1940 bis 1943.

Im Steckbrief ihrer Künstleragentur steht 1940, aber stimmen muss das nicht. Viele Beobachter tendieren zu 1941, so auch Wikipedia. Das angesehene Munzinger-Archiv für Prominente nennt 1943, verweist aber auch auf 1941. Hoger selbst bezeichnete das Reden über das Alter in einem Interview einmal als „langweilig“. Wie auch immer: Fest stehen der Geburtstag am 20. August und Hogers Verdienste als Darstellerin.

Hannelore Hogers Liebe zur Schauspielerei hat auch familiäre Wurzeln

Hogers Liebe zur Schauspielerei hat auch familiäre Wurzeln, ihr Vater war Schauspieler und organisatorischer Leiter am Hamburger Ohnsorg-Theater. Schon als Kind habe sie bei Aufführungen immer bei dem als Brandwache eingeteilten Feuerwehrmann hinter der Bühne gesessen, erzählt sie einmal.

Mit 17 beginnt Hoger in ihrer Geburtsstadt Hamburg, in der sie bis heute lebt, ein Schauspielstudium. Es folgen Engagements in Ulm und Bremen. An den dortigen Theatern wirken damals der Intendant Kurt Hübner und Regisseur Peter Zadek als einflussreiche Vertreter eines neuen Theaterstils. Insbesondere mit Zadek arbeitet Hoger, für die ihre Theaterengagements immer im Zentrum ihrer Karriere standen, häufig zusammen. In den 60er Jahren folgen erste Rollen in Filmen, viele in Projekten des Regisseurs Alexander Kluge. Mit ihm ist Hoger außerdem viele Jahre liiert.

Tragende Rollen in großen Inszenierungen

In den 70er- und 80er-Jahren spielt sie tragende Rollen in großen Inszenierungen an deutschen Bühnen, etwa dem Hamburger Schauspielhaus. Dazu ist sie in Filmen wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ zu sehen - sowie immer wieder in Rollen im Fernsehen.

Dem breiten Publikum bekannt wird sie dann 1994 vor allem als Fernsehkommissarin Bella Block in der gleichnamigen ZDF-Krimiserie, von der bis 2018 fast 40 Folgen gesendet werden. Es gibt Bitten um eine Fortsetzung, aber Hoger lehnt ab. „Irgendwann muss man auch mal loslassen können, man macht sich sonst ja auch ein bisschen lächerlich - Bella Block ist ja weit über das Pensionsalter rüber“, erläutert sie.

Gleichwohl: Dass sie trotz ihrer großen Theaterleidenschaft im Rückblick wohl in erster Linie als Fernsehkommissarin in Erinnerung bleiben wird, stört Hoger nicht. Bella Block sei für sie auch ein „Glücksfall“, äußerte sie in einem Interview. Film und Fernsehen hielten einen in Erinnerung.

Hoger war stets auf ihre Unabhängigkeit bedacht

Verheiratet war die stets auf ihre Unabhängigkeit bedachte Hoger nicht, wollte es nach eigenem Bekunden auch niemals sein. Dafür begleiteten sie über die Jahre mehrere Lebensgefährten. Sie hat eine Tochter, die 1961 geborene Schauspielerin Nina Hoger.

Auch ein Roter Teppich bei Premieren bedeutet ihr nach eigenen Angaben nicht viel. Sie gehe darüber, wenn „Leute das unbedingt wollen“, verrät sie einmal.

Nach dem Aus der Bella-Block-Serie wirkt Hoger nur noch vereinzelt an Produktionen mit. Sie habe keine Lust mehr auf den Dreh-Stress und ständiges Textlernen, sagt sie einmal. Aber sie sei ja „nicht weg“. Mit guten Drehbüchern seien Schauspieler immer „um den Finger zu wickeln“.