"Fast ein Festival"

Fast ein Festivalsommer auf dem Dockville-Gelände

| Lesedauer: 6 Minuten
Tino Lange
Die Hamburger Rapperin Haiyti, hier beim Hurricane Festival 2018 in Scheeßel.

Die Hamburger Rapperin Haiyti, hier beim Hurricane Festival 2018 in Scheeßel.

Foto: imago stock / imago/Future Image

Vom 11. bis zum 21. August spielen Haiyti, Betterov, Leoniden und weitere Top-Bands auf dem Dockville-Gelände.

Hamburg. Wie alle großen Festivals musste auch das „MS Dockville“ in Wilhelmsburg erneut ein Jahr verschoben werden. Trotzdem macht Veranstalter Frank Dieckmann mit seinem Team am Reiherstieg Hauptdeich ein „Fast“ auf. Schon seit letzter Woche stehen auf dem Gelände Kunstwerke, Objekte und Installationen von internationalen Künstlerinnen, Künstlern und Kollektiven, die bei „MS Artville“ das Thema der Menge, der Gefolgschaft, des Gemeinsamseins unter dem Begriff „Crowd“ betrachten.

Jetzt kommt bei „Fast ein Festival“ die Meute und eine Menge Musik dazu: Vom 11. bis zum 20. August zeigen acht Konzerttage auf mehreren Bühnen wieder angesagte Pop-Lieblinge von heute und morgen, kuratiert von den Festivals Dockville, Artville, Vogelball und Spektrum und begleitet von Lesungen, Workshops, Rundgängen und Talks.

Einige Konzerte in Hamburg sind bereits ausverkauft

„Nach so vielen Monaten ohne Live-Betrieb waren natürlich alle ausgehungert – die Besucherinnen, Besucher und Live-Musik-Fans, wir als Veranstaltende und natürlich auch die Musikerinnen und Musiker“, freut sich Frank Dieckmann, Geschäftsführer der Festivalagentur Kopf & Steine, „dementsprechend gut konnten wir trotz einer langen Planungsunsicherheit unser Programm füllen und sind jetzt sehr froh über die Qualität und Diversität des Line-Ups.“

Das Programm ist in der Tat eine so seit vielen Monaten nicht mehr erlebte Ballung an Pop-Progressivität. Los geht es am 11. August mit Moglii, Madanii und Llucid (ausverkauft), gefolgt von Betterov, Antje Schomaker und Klebe (12. August, ausverkauft), Alli Neumann, Blvth und Kaleo Sansaa (13. August, 32 Euro), Haiyti, Cashmiri und Schmyt (14. August, 32 Euro), Bukahara, Ätna und Pano (19. August, 32 Euro), Leoniden, Ilgen-Nur und Mia Morgan (20. August, ausverkauft) sowie Nura, Majan und Yael (21. August, 32 Euro). „Für bereits ausverkaufte Tage gibt es aber auch noch unsere Kunsttickets, mit denen man auf das Gelände kommt und auf den kleineren Floors tanzen kann, aber nicht am Hauptprogramm teilnehmen kann“, sagt Frank Dieckmann.

Hamburger dürfen bei Konzerten tanzen

Anders als bei vielen bisherigen pandemiegerechten Open-Air-Konzerten gibt es mehr als eine Bühne: „Unser Programm ist ja ziemlich facettenreich und beschränkt sich nicht nur auf Musik. Wenn es sich anbietet, zum Beispiel bei einer Lesung oder bei einem Talk, kann man vor der Bühne sitzen. In der Hauptsache haben wir aber Stehplätze, auf denen auch getanzt werden darf. Darüber freuen wir uns sehr, denn das gehört zu den Dingen, die uns so lange gefehlt haben. Die unterschiedlichen Bühnen haben unterschiedliche Kapazitäten.“ Vor der Hauptbühne finden maximal 250 Besuchende Platz, insgesamt sind 1000 Menschen auf dem Gelände erlaubt.

Das Hygienekonzept baut auf den bisher gewonnen Erfahrungen bei Freiluftkonzerten auf: Die Tickets sind personalisiert, und für den Zutritt gelten die 3G-Voraussetzungen: nachweislich geimpft, getestet oder genesen. Für das Ein- und Auschecken zum Areal sowie in den einzelnen Geländeabschnitten und Bühnenbereichen muss die App „PartyMate“ installiert sein. Überall, wo kein Mindestabstand eingehalten werden kann, gilt Maskenpflicht (FFP2- oder OP-Maske).

„Fast ein Festival“ betritt viel Neuland in der Pandemie

Klar, da sind keine Bierduschen über einem tobenden Mob wie seinerzeit bei Deichkind vorstellbar. Aber es ist ja auch „Fast ein Festival“. „Es tut wahnsinnig gut, dass endlich wieder Live-Kultur stattfinden kann. Auf so einem Konzert fällt noch mal so richtig auf, wie sehr diese Art des Erlebnisses in den vergangenen Monaten gefehlt hat. Dass das Festivalgelände in Hamburg-Wilhelmsburg endlich wieder auflebt, freut uns sehr. Wir sind dankbar, dass wir im Rahmen des Kultursommers Hamburg ,Fast ein Festival’ veranstalten können“, freut sich Dieckmann.

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„Fast ein Festival“ ist nicht nur musikalisch ein Zukunftslabor. So sind zum Beispiel die – je nach Bühne – Steh- oder Sitzplätze nicht reserviert, sondern wer zuerst kommt, steht oder sitzt zuerst in dem ausgewählten Bereich. Auch die Plätze zum Essen oder Trinken sind ausgewiesen. Die Bezahlung erfolgt kontakt- und bargeldlos über Bezahlkarten, die entweder im Vorfeld oder auch vor Ort an Aufladestationen aufgeladen werden.

Anfahrt zu Hamburger Festvial durch Alten Elbtunnel

Wer nur mal bei diesem Fast-Festival reinschnuppern möchte, kann das gern tun, und das sogar kostenlos: Für alle Veranstaltungstage gibt es „Kunsttickets“, mit denen man zwar nicht zur Hauptbühne kommt, aber zur „Urwerk“-DJ-Bühne, wo am Mittwoch zum Beispiel Gwen Wayne und Xenaia auflegen. Inbegriffen ist auch der Zutritt zum MS-Artville-Gelände, zu Kunstführungen und zum Escape Game „Bio Economy Now“. Die Reservierungsgebühr von 5 Euro für die Kunsttickets kann man sich am Ausgang erstatten lassen oder dem gemeinnützigen Verein Kunstfelder spenden. Ebenfalls Kultur und mehr zu erleben ist bei den „Kunstgucken“-Tagen von MS Artville am 17., 18., 24., 25. und 26. August.

Die Anfahrt erfolgt idealerweise mit dem Fahrrad durch den Alten Elbtunnel oder durch Hafencity und Freihafen-Elbbrücke den Reiherstieg-Hauptdeich entlang. Wer auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, kann ab S-Wilhelmsburg die Busse 151 und 252 bis Reiherstieg-Hauptdeich nehmen. Parkplätze für Autos sind rund um das Dockville-Areal leider sehr rar gesät, egal ob 40.000 anreisen wie in früheren Dockville-Jahren oder 1000 bei der „Fast“-Variante. Abenteuer bleibt Abenteuer.

„Fast ein Festival“ Mi 11.8. bis Sa 21.8., Programm, Infos und Tickets unter fasteinfestival.de