Festivalprogramm

Kino und Konzerte: Hamburgs Kultursommer in 39 Stadtteilen

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Stefan Reckziegel
Motto: „Play Out Loud.“: Corinne Eichner von Stadtkultur Hamburg und Kultursenator Carsten Brosda (SPD) stellten das Kultursommer-Programm auf dem Sommerdeck der Hanseatischen Materialverwaltung vor.

Motto: „Play Out Loud.“: Corinne Eichner von Stadtkultur Hamburg und Kultursenator Carsten Brosda (SPD) stellten das Kultursommer-Programm auf dem Sommerdeck der Hanseatischen Materialverwaltung vor.

Foto: Roland Magunia

Vom 15. Juli bis 16. August spielt in Hamburg erstmals ein spartenübergreifendes Festival. Mehr als 700 Veranstaltungen sind geplant.

Hamburg. Das hat die Freie und Hansestadt noch nicht gesehen - Wien indes schon. In der österreichischen Hauptstadt fand vor einem Jahr der erste „Wiener Kultursommer“ statt, ein breites Angebot aus allen Sparten für die Bewohner der Stadt und ihre Gäste - trotz oder gerade wegen Corona. Vom 15. Juli bis 16. August nun ist es auch an Alster und Elbe Zeit für die erste Auflage eines spartenübergreifenden Festivals, das ohne die Pandemie so gewiss nicht zustande gekommen wäre: der Kultursommer Hamburg.

„Schon dieser Ort gibt einem das Gefühl, was für ein wunderbarer Sommer es werden kann“, sagte Kultursenator Carsten Brosda (SPD) am Donnerstag bei der Programmvorstellung auf dem Sonnendeck der Hanseatischen Materialverwaltung. Die und das unmittelbar angrenzende Oberhafen-Quartier zwischen Altstadt und HafenCity gehören mit der kreativen Szene wie der Initiative „5+1“ und dem Ensemble Resonanz auch dazu - wenn auch nicht die (Konzert-)Halle 424. Denn die Kultur, so viel ist mal sicher, zieht es bewusst ins Freie. Motto: „Play Out Loud.“

Kunst, Film, Literatur, Theater, Kinder- und Jugendkultur in allen sieben Bezirken

Als sich Brosda und einige Beschäftigte der Hamburger Kulturbehörde Anfang des Jahres mit ihren Wiener Kollegin austauschten und ein erstes Szenario für die Hansestadt entwarfen, hieß es „Ihr seid doch bekloppt“, berichtete der Senator. Im Gegensatz zu Wien hat die Hansestadt keine stadteigene Veranstaltungsagentur. Doch nachdem sich beim ersten Aufruf mehr als 200 Veranstalter beworben hatten und eine vierköpfige Jury 116 förderungswürdige ausgewählt hat, steht das Programm: Mehr als 700 Veranstaltungen sind es, aus den Sparten Musik, Kunst, Film, Literatur, Theater, Kinder- und Jugendkultur.

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„Hamburg kann sich auf einen kulturell rauschhaften Sommer freuen. Mit viel Engagement und dank großer Unterstützung durch die Bezirke entsteht ein kulturelles Sommerprogramm, das es so in Hamburg noch nie gegeben hat“, sagte Brosda. Man wolle den Neustart mit einem „großen Kulturrausch“ in der ganzen Stadt feiern. In allen sieben Bezirken wird Kultur zu erleben sein, auf Bühnen in 39 Stadtteilen, von Blankenese bis Langenhorn, von Altona bis Wilhelmsburg. Stadtkultur Hamburg, der Dachverband für die Stadtteilkultur, sorgt als Partner der Kulturbehörde für die Umsetzung mit Veranstaltern und Kulturschaffenden.

Mindestgage 300 Euro - Gesamtbudget 10,5 Millionen

Die Behörde unterstützt den Kultursommer Hamburg mit zehn Millionen Euro, dazu kommen noch mal 500.000 Euro vom Bund. Damit ist gewährleist, dass Künstlerinnen und Künstler für einen Auftritt von mindestens einer halbe Stunde eine Mindestgage von 300 Euro erhalten - für viele die erste seit Monaten oder sogar mehr als einem Jahr.

Auch Techniker und Bühnenbauer werden aus dem Gesamtetat bezahlt, so Brosda. Bedingung war, dass 75 Prozent der Künstlerinnen und Künstler, die auftreten, aus dem Großraum Hamburg kommen, erläuterte der Kultursenator. Auf diese Weise werde der Kultursommer auch ein unmittelbares Förderprogramm für die lokale Szene.

Auf den Bühnen sei zu erleben, wie vielfältig und lebendig Hamburgs Kulturszene ist. Ziel sei auch, sich nach langer Zeit, „wieder über die Kultur auszutauschen“. Und dass die Hamburgerinnen und Hamburger „ihr Lieblingskino oder ihr Lieblingstheater“ für die Zeit nach dem Sommer wieder entdecken, hofft der Senator.

Kultursommer-Startschuss auf dem Spielbudenplatz

„Der Kultursommer ist kein Fest der großen Namen, er bietet für Hamburger, aber auch ihre Gäste viele kleine Festivals“, sagte Corrinne Eichner, Geschäftsführerin von Stadtkultur Hamburg. Michael Otremba, Chef der Hamburg Tourismus GmbH, wies auf die Bedeutung der Kultur für die Attraktivität der Stadt hin: „Das kontrastreiche Programm wird unsere Stadt in eine ganz besondere Atmosphäre tauchen und für unverwechselbare Erlebnisse sorgen“, sagte er. Hamburgern riet er: „Macht keinen Urlaub, bleibt lieber in der Stadt!“

Zu den Veranstaltungen gehören bewährte Konzerte mit den Philharmonikern von Kent Nagano auf dem Rathausmarkt (14./15.8.) und etablierte Open-Air-Kinos, indes auch neue wie das Fahrradkino Kaltehofe von der Wasserkunst Elbinsel. Für „Fast ein Festival“ (17.7 bis 15.8.) auf dem Dockville-Gelände seien die Tickets bereits knapp, wusste Brosda zu berichten.

Eintrittskarten müssen aus Gründen der Kontaktnachverfolgung für jede Veranstaltung gebucht werden, die Preise sind jedoch sehr moderat - sie reichen von symbolischen 20 Cent bis 25 Euro. Der Startschuss für den Kultursommer fällt bei freiem Eintritt am kommenden Donnerstag um 18 Uhr auf dem Spielbudenplatz mit einer Stunde Live-Musik und Überraschungen.

Brosda - mit Weeth Experience auf der Rollschuhbahn

Ob auch das Tanzen beim Kultursommer möglich sei, wurde Brosda auf dem Sonnendeck noch gefragt. Im Rahmen des Erlaubten und der aktuellen Hygienevorschriften, antwortete der Senator. Er selbst wirk am 23. Juli bei der Club-Reihe „Knust 2Go“ mit Weeth Experience auf der Rollschuhbahn in den Großen Wallanlagen mit - genaues Genre dieser Show noch unklar, räumte er ein, in jedem Fall ein musikalisches Experiment.

Die aktuellen Corona-Fallzahlen aus ganz Norddeutschland:

  • Hamburg: 2311 neue Corona-Fälle (gesamt seit Pandemie-Beginn: 430.228), 465 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (davon auf Intensivstationen: 44), 2373 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1435,3 (Stand: Sonntag).
  • Schleswig-Holstein: 1362 Corona-Fälle (477.682), 623 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 39). 2263 Todesfälle (+5). Sieben-Tage-Wert: 1453,0; Hospitalisierungsinzidenz: 7,32 (Stand: Sonntag).
  • Niedersachsen: 12.208 neue Corona-Fälle (1.594.135), 168 Covid-19-Patienten auf Intensivstationen, 7952 Todesfälle (+2). Sieben-Tage-Wert: 1977,6; Hospitalisierungsinzidenz: 16,3 (Stand: Sonntag).
  • Mecklenburg-Vorpommern: 700 neue Corona-Fälle (381.843), 768 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 76), 1957 Todesfälle (+2), Sieben-Tage-Wert: 2366,5; Hospitalisierungsinzidenz: 11,9 (Stand: Sonntag).
  • Bremen: 1107 neue Corona-Fälle (145.481), 172 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern (Intensiv: 14), 704 Todesfälle (+0). Sieben-Tage-Wert Stadt Bremen: 1422,6; Bremerhaven: 2146,1; Hospitalisierungsinzidenz (wegen Corona) Bremen: 3,88; Bremerhaven: 7,04 (Stand: Sonntag; Bremen gibt die Inzidenzen getrennt nach beiden Städten an).

Und dass nicht alle Verstaltungen an die offiziellen Kultursommer-Termine vom 15. Juli bis 16. August gebunden sind, zeigt die Vor-Eröffnung an diesem Sonnabend, 10. Juli: Dann feiert das Theater das Zimmer, Hamburgs kleinste Bühne aus Horn, um 19 Uhr mit großem Ensemble und Musikern in seiner Fassung von „Robin Hood“ auf der Horner Rennbahn Freiluft-Premiere. Der Kultursommer Hamburg macht’s möglich - und auf der Rennbahn ist gewiss mehr Platz als an manchen Orten Wiens.

Kultursommer 15.7.-16.8., Programm und Karten unter www.kultursommer.hamburg