Programm-Vorschau

Ohnsorg-Theater plant prall gefüllte Spielzeit

| Lesedauer: 3 Minuten
Regisseur Murat Yeginer steht in der kommenden Spielzeit auch als Schauspieler auf der Ohnsorg-Bühne.

Regisseur Murat Yeginer steht in der kommenden Spielzeit auch als Schauspieler auf der Ohnsorg-Bühne.

Foto: Marcelo Hernandez

In der Saison 2021/22 kommen britische und französische Komödien, lange Aufgeschobenes und ein neues Erich-Kästner-Stück.

Hamburg.  Auch wenn es bisweilen Überwindung kostet: In den meisten Fällen lohnt es sich, das Smartphone mal ein Weilchen auszulassen. Zum Beispiel, um ins Theater zu gehen: „Offline för een Avend“, also: „Offline für einen Abend“, heißt das passende Stück, mit dem das Ohnsorg-Theater in die nächste Spielzeit startet, geschrieben von Sönke Andresen, der am Heidi-Kabel-Platz unter anderem mit „Plattdüütsch för Anfängers“ überzeugte. Die Regie übernimmt Oberspielleiter Murat Yeginer, am 22. August wird Premiere gefeiert.

Eine Pause gönnt zumindest Yeginer sich anschließend nicht: Erstmals wird er auch als Schauspieler auf der Ohnsorg-Bühne stehen. In der plattdeutschen Neufassung des französischen Kinoerfolgs „Ziemlich beste Freunde“ (am Ohnsorg: „Teemlich beste Frünnen“) übernimmt Yeginer die Rolle des querschnittsgelähmten Philipp. Die Inszenierung von Milena Paulovics soll am 26. September Premiere feiern.

Ohnsorg-Programm: Lara-Maria Wichels als quirlige Rita

Paulovics hatte schon im Herbst 2020 eine Inszenierung geprobt, von der es damals allerdings nur eine einzige Vorstellung gab: „Rita will dat weten“, vom britischen Autor Willy Russell als „Educating Rita“ geschrieben, sollte aber nicht zugleich die Dernière sein, soviel hatte Intendant Michael Lang schon auf der Premierenfeier im November versprochen, als „Rita will dat weten“ tatsächlich die letzter Hamburger Theaterpremiere vor dem monatelangen kulturellen Lockdown war.

Lesen Sie auch:

Und Lang hält Wort, auch wenn die nächste Vorstellung nun weit mehr als ein volles Jahr auf sich warten lassen muss: Vom 4. Januar an steht Lara-Maria Wichels wieder als quirlige Rita auf der Ohnsorg-Bühne.

Wunderbare Fassung von „Harold un Maude“

Bevor allerdings zunächst im November eine weitere französische Komödie ansteht („Weddersehn maakt Freid...?“ in der Regie von Harald Weiler, unter anderem mit Caroline Kiesewetter, Tanja Bahmani und Markus Gillich), zeichnet der NDR bereits im Oktober eine Wiederaufnahme auf: Für „En Mann mit Charakter“ kehrt Heidi Mahler als Dora Hinzpeter ans Ohnsorg zurück. Als Neuinszenierung steht ab 28. November die Legende vom Ozeanpianisten „Novecento“ auf dem Programm des Studios.

Der Regisseur Jasper Brandis, mittlerweile Schauspieldirektor am Theater Ulm, hatte zuletzt eine wunderbare Fassung von „Harold un Maude“ auf die kleine Zimmer-Bühne gebracht, nun will er den musikalischen Monolog von Alessandro Baricco mit Holger Dexne in der Hauptrolle erarbeiten.

Traditionell hochdeutsch wird es erst im Weihnachtsmärchen

Und auch für den Theaternachwuchs, der am Ohnsorg oft das erste Mal Kontakt zum Plattdeutschen bekommt, ist gesorgt: Der Regisseur Gero Vierhuff hatte schon die niederdeutsche Version von „Emil un de Detektive“ verantwortet, am 7. September folgt mit „Pünktchen und Anton“ der nächste Kästner-Klassiker, zweisprachig: op Platt und hochdeutsch. Nur hochdeutsch wird es traditionell im Weihnachtsmärchen – geprobt ist es bereits, gezeigt werden konnte es bislang nicht. Am Ohnsorg ist man jedoch zuversichtlich, dass „Des Kaisers neue Kleider“ (Regie: Nora Schumacher) am 19. November Premiere feiern kann.

Auch Schul- und Firmenvorstellungen, für das Theater eine nicht unerhebliche Einkommensquelle, sollen dann wieder angeboten werden, ebenso wie das Klassenzimmertheaterstück „Vagelig“ für Grundschulkinder. Die sind im Theater ohnehin besser aufgehoben als online. Nicht nur „för een Avend“.