Sicherheit

Warum Security-Männer auf der Kampnagel-Bühne stehen

| Lesedauer: 3 Minuten
Annette Stiekele
Starke Optik. die „Security“-Performance auf Kampnagel.

Starke Optik. die „Security“-Performance auf Kampnagel.

Foto: Lukas Eylandt

Performance beschäftigt sich auf ungewöhnliche Weise mit dem Thema „Sicherheit“. Als kostenloser Stream zu sehen vom 7. bis 16. Mai.

Hamburg.  Es dürfte das erste Mal sein, dass die Sicherheitsbranche im Fokus einer Theateraufführung steht. Der Regisseur Christopher Ramm beschäftigt sich in der Kampnagel-Welturaufführung der Performance „Security“ mit Ideen von Sicherheit und Erwartungen an Männlichkeit. Mit auf der Bühne: zwei reale Sicherheitsmänner. Am 7. Mai ist Livestream-Premiere.

Hamburger Abendblatt: Was interessiert Sie an dem Thema Sicherheit?

Christopher Ramm: Gleich neben Kamp­nagel hat eine Sicherheitsfirma ihren Sitz. Mich hat irgendwie dieses Nebeneinander von freier Szene und privater Sicherheit fasziniert. Die Sicherheitsbranche wächst – gerade auch während der Corona-Pandemie. Der Sektor ist in weiten Teilen schlecht bezahlt. Es gibt unsichere Arbeitsverhältnisse und eine hohe Fluktuation. Außerdem scheint es, als ob gesellschaftlich ein ganz bestimmtes Bild von Sicherheit erwartet wird. Der Sicherheitsmann steht da, hat alles im Blick und unter Kontrolle. Zunehmend werden solche Männlichkeitsbilder eher hinterfragt. Wir beschäftigen uns also mit einem prekären Arbeiter, von dem erwartet wird, immer ruhig, freundlich und empathisch zu sein, der aber auf der anderen Seite so wenig wie möglich kosten soll.

Auf der Bühne wirken neben zwei Tänzern auch zwei echte Sicherheitsmänner mit. Wie haben Sie die gesucht und gefunden?

Ramm: Wir haben sehr breit Leute für Interviews gesucht, das Handelsregister durchtelefoniert, Kleinanzeigen auf Ebay geschaltet. Schließlich hatten wir 30 Interessenten gefunden, mit 15 von ihnen Interviews geführt und zwei erklärten sich bereit, mitzumachen. Michael hat auf dem Kiez gearbeitet bei der Boutique Bizarre, aber auch bei Edeka, Ikea und als Club-Türsteher. Marcel hat unter anderem im Stadion gearbeitet und ist jetzt als Teamleiter für industrielle Sicherheitskonzepte zuständig.

Was haben Sie in den 15 geführten Gesprächen über das komplexe Thema Männlichkeit erfahren?

Ramm: Wir versuchen, über den dokumentarischen Ursprung hinaus zu abstrahieren. Welche Fiktionen von Männlichkeit gibt es eigentlich? Wir fragen in dem Stück danach, ob es nicht utopischere Arten und Weisen gibt, Sicherheit herzustellen, die nicht auf Gewalt und Kontrolle und Männlichkeit beruhen, sondern eher in sozialen Skills zu finden sind, in einem empathischeren Umgang. Das steht aber im Konflikt mit den Rollenbildern die in der Branche auch erwartet werden.

Mit welchem Publikum rechnen Sie? Schalten bei „Security“ vielleicht mehr Motorradfahrer ein als sonst bei Kampnagel-Streams üblich?

Ramm: Wir hoffen schon, dass wir damit vielleicht auch ganz neue Zuschauergruppen ins zunächst digitale Theater locken können. Ich glaube, dass man manchmal auch aus Faulheit in seiner Blase und manchem Vorurteil hängen bleibt. Das gilt auch umgekehrt gegenüber der freien Szene.

Christopher Ramm: „Security“, 7.5., 20 Uhr, kostenlos, Video verfügbar bis 16.5., Infos unter www.kampnagel.de