Streaming-Plattform

Wo Hamburger Künstler zu Konzertveranstaltern werden

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Holger True
Cellist Jan Vogler gehört zu den Dreamstage-Gründern.

Cellist Jan Vogler gehört zu den Dreamstage-Gründern.

Foto: Patrick Pleul / picture alliance

Der Cellist Jan Vogler gehört zu den Gründern der aufstrebenden Konzert-Streaming-Plattform Dreamstage.

Hamburg. Es herrscht eine geradezu familiäre Atmosphäre, als Cellist Yo-Yo Ma und Pianist Solon Gordon zwischen zwei Sonaten ins Plaudern kommen. Tatsächlich kennen die beiden sich privat schon lange, und diese Vertrautheit vermittelt sich am Sonnabendabend auch im Internet-Livestream auf der Dreamstage-Plattform, die der deutsche Cellist Jan Vogler vor einem Jahr mitgegründet hat.

Natürlich war diese Gründung eine Antwort auf die Corona-Krise, auf das fast weltweite Konzertverbot, aber längst geht es um mehr als eine Zwischenlösung. „Dieses Format ist auf die Zukunft ausgerichtet“, sagt Vogler, der an diesem Donnerstag im Rahmen des Musikfests in der Elbphilharmonie auftritt. „Es soll auch nach Corona zum Einsatz kommen und besonders jungen Künstlerinnen und Künstlern eine Bühne bieten.“

Dreamstage stellt die technische Plattform zur Verfügung

Dreamstage stellt die technische Plattform zur Verfügung, organisiert den Online-Ticketverkauf und bewirbt die Konzerte natürlich, aber ohne die aktive Mitwirkung der Künstler bereits im Vorfeld geht nichts. Um auf durchschnittlich 1000 zahlende Zuschauer zu kommen, die jeweils zwischen 12,50 und 25 US-Dollar für einen Stream zahlen, brauche es beständige Aktivität in den sozialen Netzwerken, sagt Vogler. Und die lohnt sich, erhalten die Musikerinnen und Musiker doch 80 Prozent der durch ihre Auftritte generierten Einnahmen. Ihre Accounts bei Facebook, Twitter oder Instagram zu pflegen, ist für die Auftretenden bares Geld wert.

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Sehr wichtig sei der Live-Charakter der Streams, die nach der Erstausstrahlung nur noch für 48 Stunden abrufbar sind. Ein einfaches Mittel gegen das Gefühl der Beliebigkeit.

Das Dreamstage-Angebot ist sehr vielfältig

Auch wenn mit Yo-Ya Ma gerade ein Klassik-Weltstar zu erleben war, das Dreamstage-Angebot ist sehr vielfältig. Da gibt es demnächst zahlreiche Shows mit Broadway-Melodien, aber auch einen Auftritt von Rapper Sean Paul oder ein Konzert des mexikanischen
Gitarrenduos Rodrigo y Gabriela, das für seine virtuosen Versionen von Led-Zeppelin- und Metallica-Krachern gefeiert wird.

„Bei uns übernehmen die Künstler die Rolle eines klassischen Veranstalters“, erklärt Jan Vogler. Wichtig für den Erfolg sei natürlich die perfekte technische Umsetzung in HD-Qualität, aber auch das Gefühl von Gemeinschaft, das entstehe, wenn während eines Streams im begleitenden Chat Fans aus Sao Paulo und New York auf Gleichgesinnte aus Paris oder Hamburg treffen.

Familiäre Atmosphäre eben – nicht nur auf der Bühne, sondern auch an den Rechnern.

Infos: www.dreamstage.live