Neue Alben

Röck’n’Roll von Motörhead und Greta Van Fleet

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Motörhead-Böss Lemmy Kilmister (1945-2015), hier 2011 in der Berliner Columbiahalle.

Motörhead-Böss Lemmy Kilmister (1945-2015), hier 2011 in der Berliner Columbiahalle.

Foto: dpa Picture-Alliance / Britta Pedersen

Alte und neue Klassiker mit „Louder Than Noise - Live In Berlin“ von Motörhead und „The Battle At Garden’s Gate“ von Greta Van Fleet.

Hamburg. Bis 2015 glaubten wir alle, dass Lemmy Kilmister neben Schaben das einzige Lebewesen wäre, das einen Atomkrieg überleben könnte. Aber der Krebs belehrte uns eines besseren, und damit ist auch die lauteste Rock’n’Roll-Band der Welt Geschichte: Motörhead. Bevor es ab 2013 mit Lemmys Gesundheit bergab ging, haute 2012 er zusammen mit Wizzö Campbell und Mikkey Dee im Berliner Velodrom noch mal einen raus, wie jetzt auf dem Livealbum „Louder Than Noise – Live In Berlin“ (Warner) zu hören ist.

Nach einem freundlichen „Guten Abend“ geht es gleich in die Vollen mit „I Know How To Die“, „Damage Case“ und „Stay Clean“, auch „Metropolis“ und „Rock It“ knarzen schön im Gebälk. Insgesamt 15 Lieder rödeln durch das Gehör, natürlich auch die obligatorischen „Killed By Death“, „Ace Of Space“ und - gemeinsam mit Anthrax - „Overkill“.

Ein schönes Dokument aus einer Zeit, als Lemmy noch unsterblich schien. Natürlich bleibt „No Sleep ’til Hammersmith“ von 1981 das definitive Motörhead-Livealbum, aber den schöneren Moment hat „Louder Than Noise“: „We are Motörhead, and we play rock and roll”, grollt Lemmy seinen Standardsatz, und: „Don’t forget us“. Wie könnte wir euch je vergessen!

Greta van Fleet sind mehr als Led-Zep-Epigonen

Und die Fackel des Rock’n’Roll wird zum Glück von vielen jungen Bands weiter getragen. Als die vier Kleinstadtjungs von Greta Van Fleet aus Frankenmuth, Michigan 2018 mit „Anthem Of The Peaceful Army“ debütierten, wurden die damaligen Teenager als die neuen Led Zeppelin gehandelt. Nach Top-Ten-Platzierungen in den USA und Deutschland waren die Erwartungen entsprechend hoch für den Nachfolger „The Battle At Garden’s Gate“ (Universal).

Tatsächlich schaffen es der – immer noch etwas zu quitschige - -Sänger Josh Kiszka und seine Mitstreiter, ihr erstes Album weit zu übertreffen. Eine größere Bandbreite in Komposition, Erzählung und Stil war zwar zu erwarten, aber die Corona-Tourpause wurde offensichtlich intensiv genutzt, an jedem Takt bis zur Perfektion zu feiern.

Das Albumcover, die vielen biblischen Zitate und Anspielungen, die Überlänge vieler Lieder („The Weight Of Dreams“ geht neun Minuten), die epischen, von Streichern begleiteten Klanglandschaften in „Broken Bells“ und ein Überfluss an Details und Überraschungen machen „The Battle At Garden’s Gate“ aus dem Stand zu einem Klassiker des modernen Classic Rock. Wie Greta Van Fleet das Zeug allerdings irgendwann mal live auf der Bühne umsetzen will, dürfte interessant werden.

( tl )