Sonderausstellung

Deichtorhallen: Familie in der zeitgenössischen Fotografie

| Lesedauer: 3 Minuten
Vera Fengler
Elinor Caruccis Porträt „Three generations“, 2016. Aus der Serie Midlife, 2019.

Elinor Caruccis Porträt „Three generations“, 2016. Aus der Serie Midlife, 2019.

Foto: Elinor Carucci

Digitale Angebote machen schon jetzt Lust, die große Sonderausstellung „Family Affairs“ zu besuchen. Was geplant ist.

Hamburg. Zugegeben, etwas kühn wirkte die ursprüngliche Ankündigung der Deichtorhallen schon, am Montag ihre große Sonderausstellung „Family Affairs“ eröffnen zu wollen – live, vor Ort und in Farbe. Und es hätte in der Tat ein schöner Auftakt in die Ausstellungssaison werden können: Das Thema Familie, sagt auch Kurator Ingo Taubhorn, geht jeden was an. In diesen Pandemie-Zeiten, wo sich alles auf die Familie konzentriert, um so mehr. Thematischer Volltreffer also. Wenn nur der Shutdown nicht wäre.

Nun soll das Pulver aber nicht vorzeitig verschoßen werden – immerhin ist die Laufzeit der Ausstellung bis zum 4. Juli geplant. Also wurde keine digitale Eröffnung veranstaltet (wie bei der Kunsthalle und beim MARKK in den vergangenen Tagen). Zu einer offiziellen Pressekonferenz werde man einladen, sobald die Museen wieder öffnen dürfen, heißt es. Wer sich vorab mit dem Thema Familie in der zeitgenössischen Fotografie beschäftigen möchte, kann den Audioguide allerdings schon jetzt auf der Website des Hauses herunterladen.

Sonderausstellung „Family Affairs“ in den Deichtorhallen

Neu ist auch der Podcast „Das ist Kunst“ der Deichtorhallen in Kooperation mit dem Radiosender ByteFM. Er wirft einen genaueren Blick auf die laufenden Ausstellungen, stellt Zusammenhänge her und knüpft an aktuelle Themen aus Kunst und Gesellschaft an. Was macht die Künstlerinnen und Künstler und ihr Werk so aktuell? Worum geht es ihnen, und welche Geschichten lassen sich darüber erzählen? Es kommen Kuratoren, Expertinnen und die Künstler selbst zu Wort.

Die erste Folge mit dem Titel „It’a Family Affair“ handelt davon, wie Frauen in der Kunstszene vertreten sind und wie sie als Sujet präsentiert wurden und werden. Die finnische Fotografin Katharina Bosse erzählt in einem sehr spannenden Interview mit Moderatorin Friederike Herr von ihrer eigenen Erfahrung des Mutterwerdens. Sie habe alternative Frauenbilder in Kunst und Fotografie vermisst, die lesende, nachdenkende oder auch sexuell aktive Mutter etwa werde kaum thematisiert. Und so entwickelte Katharina Bosse ihre eigene Porträtreihe, in der sie sich oftmals nackt zusammen mit ihren Kindern von Kollegen in verschiedenen, natürlichen Situationen fotografieren lässt; die Arbeit „Wald“ ist in der Ausstellung zu sehen.

Alternative Frauenbilder sind selten in der Kunst

Außerdem geht es um die Initiative „Mehr Mütter für die Kunst“, die von der Aktivistin Marcia Breuer gestartet wurde, um auf die „systematische Benachteiligung von Künstlerinnen mit Kindern“ aufmerksam zu machen. Laut einer Studie werden heute 79 Prozent der Einzelausstellungen in Museen, Ausstellungshäusern und Kunstvereinen von männlichen Künstlern bestritten. Auch die Berücksichtigung von Frauen bei Stipendien und Fördergeldern sei „diskriminierend“, weil diese oft an ein bestimmtes Alter gekoppelt seien – ein Alter, in dem Frauen häufig Kinder bekommen.

Da macht das Modell von Katharina Sieverding Mut. Die Düsseldorfer Künstlerin, die aktuell in der Sammlung Falckenberg ausgestellt ist, berichtet von ihrem „Family Business“, bei dem ihr Lebensgefährte tatkräftig dazu beigetragen habe, dass ihre Künstlerinnenlaufbahn gelingen konnte. Ihre Kinder sind übrigens im Studio groß geworden… Familie – ein Gesamtkunstwerk.

„Das ist Kunst“ überall, wo es Podcasts gibt. Alle digitalen Angebote zur Ausstellung auf www.deichtorhallen.de/ausstellung/family-affairs