Flucht aus dem Sudan

WhatsApp-Theater mit Kaffeelieferung in Hamburg

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Annette Stiekele
Die Performerinnen Abir Omer und Yodit  Akbalat aus der Kampnagel-Produktion.

Die Performerinnen Abir Omer und Yodit Akbalat aus der Kampnagel-Produktion.

Foto: Saaty

Für die Heimvorstellung der Kampnagel-Produktion „Wanaset Yodit“ kommt das Getränk vorab direkt ins Haus. Was dahinter steckt.

Hamburg.  Das Performance-Paket, das der Postbote überreicht, duftet schon mal himmlisch. Nach Kaffee, aber auch stark nach Kardamom. Auch Ingwer ist darin enthalten, wie man nach Ansicht einer Video-Anleitung zum Kaffeekochen auf dem Herd erfährt. Bei dem Kaffee liegen eine liebevoll handgeschriebene Karte und ein Räucherstäbchen.

Lockdown macht erfinderisch. Die ägyptische Theatermacherin Laila Soliman hat aus ihrer Kampnagel-Produktion „Wanaset Yodit“ (Kaffeeklatsch mit Yodit) kurzerhand eine Heimvorstellung entwickelt. Eine Mischung aus Kaffee-Zeremonie und Online-Performance. Zur verabredeten Uhrzeit gilt es, einen WhatsApp-Videoanruf zu tätigen. Und zum eigenen nachmittäglichen Kaffeegenuss gesellen sich per Bildschirm die beiden Performerinnen Abir Omer und Yodit Akbalat, die ebenfalls bei einer wirklich einladenden Zeremonie auf dem Boden sitzen. So nett bleibt es nicht.

Kampnagel-Produktion: Geschichte einer Flucht

Das Betrachten eines Videolinks unterbricht das Gespräch, das im Anschluss wieder aufgenommen wird. Darin erzählt Yodit eine Geschichte, die es in sich hat. Es ist ihre eigene Geschichte, die Erzählung einer gefahrvollen Flucht aus dem Sudan. Schleppern ausgeliefert, geht es für die fünfköpfige Familie durch die Wüste nach Tripolis.

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Die Reise ist voller Hindernisse, IS-Terroristen lauern den Christen auf, stürmische See dreht den Magen um, Beamte prügeln an der geschlossenen italienisch-französischen Grenze. Sie habe Hoffnung auf Menschenrechte gehabt, erzählt Yodit in die Kamera, habe aber keine gefunden.

Erschütternde Erzählung für Hamburger Zuschauer

Erschüttert von den Details der entbehrungsreichen Flucht ist man als Zuschauer erleichtert, sie nun so wohlbehalten bei der Kaffeezeremonie mit ihrer ebenfalls geflüchteten Freundin Abir Omer zu sehen. Das Friedvolle des Privaten, hier wird es krass kontrastiert durch die Erzählung eines beglaubigten Schicksals.

Laila Soliman: „Wanaset Yodit“ (Home Version) weitere Vorstellungen Sa 17.4., 15.00 u. 18.30, Tickets 15 Euro (ein oder zwei Personen)/erm. 10 Euro, Infos unter www.kampnagel.de.