Konzertkritik

Fast drei Stunden – LaLeLu bricht singend eigenen Rekord

| Lesedauer: 4 Minuten
Stefan Reckziegel
LaLeLu beherrscht auch die große Bühne: Tobias Hanf, Frank Valet, Jan Melzer und Sanna Nyman (v.l.) vergangenes Jahr in der Laeiszhalle.

LaLeLu beherrscht auch die große Bühne: Tobias Hanf, Frank Valet, Jan Melzer und Sanna Nyman (v.l.) vergangenes Jahr in der Laeiszhalle.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Die Hamburger A-cappella-Band überrascht bei ihrem längsten Konzert per Livestream mit Instrumental-Einlagen.

Buchholz. „Umbala“, die auch von vielen Chören adaptierte afrikanische Weise, gehört bei LaLeLu seit Jahrzehnten zum guten Ton. Unzählige Male hat die Band ihr Publikum bei Shows mit diesem gelungenen Schlussakkord auf den Heimweg geschickt. In Hamburg zuletzt im Februar vergangenen Jahres. Die Party zum 25. Geburtstag der A-cappella-Comedy-Gruppe in der ausverkauften Laeiszhalle war ihr bisher letzter großer Auftritt in der Hansestadt vor Menschen aus Fleisch und Blut frei von Coronaviren.

Am Freitagabend nun sang LaLeLu seine Fans direkt in den Schlaf – mit einem Medley des Liedes „Lalelu“, in dem bekanntlich nur der Mann im Mond zuschaut. In Zeiten verordneter Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen war es nicht bloß das bereits sechste LaLeLu-Livestream-Konzert aus der Event-Halle des Buchholzer Technikdienstleisters Groh P.A., sondern mit zwei Stunden und 50 Minuten die längste Show in der Band-Historie.

"LaLeLu in XXL": Konzert mit zwei Video-Einspielungen

Der Laeiszhallen-Abend zum 25. Jubiläum hatte im Vorjahr zwar drei Stunden gedauert, jedoch unterbrochen von 20 Minuten Pause. Am Freitagabend gab es unter dem Motto „LaLeLu in XXL“ zwischendurch zwei Video-Einspielungen – die vier Gesangskünstler mussten sich für eine komische Oper mit Kostümen und Bühnenbild umziehen.

Und was Mezzosopranistin Sanna Nyman, die Baritone Frank Valet und Jan Melzer sowie Bass Tobias Hanf – alle zuvor auf Corona getestet – auf der Bühne boten, zeigte den Fans an den Bildschirmen und Laptops, wie sehr sich LaLeLu von einer Vocal-Jazz-Band zu einer vielseitigen Crossover-Combo weiterentwickelt hat. Vom Medley mit dem populären Grönemeyer alias Melzer, der statt „Alkohol“ den „Wirsingkohl“ als Sanitäter in der Not besang, über Ausflüge in den Dadaismus mit Hugo Balls „Karawane“ bis zum funkigen „Uptown 5“ nahm die Band das Publikum musikalisch mit.

LaLeLu hat 650 Tickets für das Online-Konzert verkauft

650 Online-Tickets zu Preisen von 19,80 bis 100 Euro hatte LaLeLu für den Abend verkauft, gleich fünf Kameras übertrugen die Show, auf zwei Bildschirmen sahen die vier Künstler via Zoom – wenn auch mit 25 Sekunden Verspätung – die Reaktionen der Fans. Dazu kam der jeweils eingespielte Original-Beifall aus den beiden Elbphilharmonie-Konzerten vom Juni 2019.

Trotz einiger Längen und etwas zu viel an Wortanteilen nahm LaLeLu humorvoll und aktuell die Unterhaltungskurve. Parodist Hanf „entschuldigte“ sich als Angela Merkel für das Winterwetter im April, drohte aber zugleich mit Armin Laschets „Brücken-Winter“. Beim Corona-Medley „Kratzen im Hals – Die 3. Welle“ gab es zur Abba-Melodie „Waterloo“ dann die vergnügliche „Maskenpflicht“.

Schneller Wechsel zwischen Instrumental und feinem Gesang

Und mit ihren Stimmen können die vier Vokalkünstler nicht nur Instrumente, ob im Background oder als Solist(in), simulieren, sie beherrschen sie auch. Für „Fly Me To The Moon“ holte Sanna Nyman die Geige raus, der Bass Hanf zupfe den Kontrabass, Melzer blies das Saxofon, und Valet spielte Schlagzeug. Auch das eine hörenswerte Premiere. Welche A-cappella-Gruppe kann so schnell zwischen Instrumental und feinem Gesang wechseln oder eben beides kombinieren?

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Richtig komisch konnte Jan Melzer bei der Wunschkonzert-Hitparade sein: Als Enrique Iglesias durfte er mit Wollmütze und Kipplippe einmal mehr von der „Fahrsuule“ (sic!) schmachten. Ganz vorn lag „LaLeLuja“: Den biografischen und selbstironischen Song zur Melodie von Leonard Cohens Song „Hallelujah“ hatte LaLeLu-Mitbegründer und -Arrangeur Sören Sieg erst im Vorjahr zum 25. Geburtstag der Band geschrieben. Nun sangen es seine vier Kollegen ohne ihn – auch schön.

Dazwischen, als Platz zwei, erklang „Umbala“, die schöne afrikanische Weise. Sie berührte nicht nur als Schlussmusik. Auch das war eine Erkenntnis dieses Livestream-Konzerts. Lang, aber lebendig.