Ausstellung

Trotz Corona: Im Kunsthaus Hamburg heißt es „weiter machen“

| Lesedauer: 3 Minuten
Vera Fengler
Ein Blick in die "[.] weiter machen"-Ausstellung im Kunsthaus Hamburg.

Ein Blick in die "[.] weiter machen"-Ausstellung im Kunsthaus Hamburg.

Foto: Kunsthaus Hamburg 2021, Foto: Hayo Heye

Künstlerinnen und Künstler setzen sich mit den Einflüssen der Pandemie auseinander. Es geht um Isolation und eine erschütterte Welt.

Hamburg.  Weitermachen. Diese simple Formulierung kann so viel auslösen in dieser Zeit. Kann oder soll man einfach so weitermachen, obwohl die Pandemie alles auf den Kopf stellt? Muss man es nicht sogar? Und falls ja, auf welche Weise genau? Rund um dieses semantische Spiel dreht sich die aktuelle Schau im Kunsthaus, die vom Berufsverband bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) bestritten wird und online zu sehen ist.

Viele Künstlerinnen und Künstler haben im vergangenen Jahr konsequent an ihren bisherigen Themen weitergearbeitet. Andere reagierten inhaltlich auf Fragen, die die Krise aufgeworfen hat; neue Strategien wurden erprobt. Die Ausstellung verbindet die Wege und Möglichkeiten des Weitermachens von 20 Hamburger Kreativen miteinander und präsentiert ihre Arbeiten, die allesamt während der Pandemie entstanden sind.

Kunsthaus Hamburg: Arbeiten erzählen von Isolation

Dass man „[.] weiter machen“ im Moment nur auf einem virtuellen Rundgang sehen kann, ist schade. Zu gerne würde man das verstofflichte Riesenvirus von Jeanne Lefin am Eingang des Ausstellungsraumes anfassen – so wie auf der Wand dahinter ausdrücklich gefordert. Die Künstlerin schafft mit dem Objekt eine ironische Distanz zur Distanz.

Lesen Sie auch:

Viele Arbeiten erzählen von dem Gefühl der Isolation, der Erschütterung der vertrauten Welt, so etwa Anne Dingkuhn mit ihrer Reispapier-Serie „Status Mundi“, die während ihres Rückzugs in Haus und Garten entstand. Der Plan ihrer Kollegin Sylvie Ringer, ihre kanadische Heimat zu besuchen, wurde durch Corona durchkreuzt. Kurzerhand empfand die Künstlerin mithilfe von Familienfotos und Erinnerungen die Landschaft Kanadas nach; zu sehen in der assoziativen Performance-Erzählung „Ask a Mountain“.

Arbeiten von Hayo Heye und Heiner Studt

„Keine Praline“ hat Hayo Heye seine beiden fotografischen Arbeiten in der Ausstellung betitelt. Man könnte auch sagen: Nobel geht die Welt zugrunde. Seine leeren Pralinenschachteln verweisen nicht nur auf Zucker und Schokolade („Opium fürs Volk“), sondern auch auf die Plastikvermüllung unserer Umwelt durch eben solche Verpackungen.

Heiner Studt hat seinen künstlerischen Blick nach innen und zurück gerichtet: Seine 1994 zuzeiten des Jugoslawien-Krieges entstandene Hand-Setoffdruck-Serie „Dinge“ transportierte er in die jetzige Pandemie und stellte fest: Ob der Schrecken durch einen Krieg oder eine Pandemie erzeugt ist – Blumenvasen und Töpfe stehen dem gleichgültig gegenüber, sie widerstehen dem Lauf der Zeit und provozieren ihrerseits eine Frage: Warum ist das so?

Performance im Hamburger Kunsthaus

Mit den Dingen umzugehen, die man vorfindet, ist auch eine Möglichkeit, in und mit der Pandemie weiterzumachen. Teresa Hoffman und Simone Karl treten in ihrer für das Kunsthaus entwickelten Performance „Das Somatische Bauen“ in Kontakt mit den Gegenständen und Räumen des Ausstellungshauses.

Die Ausstellung als 360-Grad-Rundgang ist auf www.kunsthaushamburg.de/digital zu sehen. Dort sind auch alle weiteren digitalen Angebote aufgeführt. „[.] weiter machen“ läuft noch bis zum
25. April.