Laura Karasek: „Es gibt nicht nur eine Version von uns selbst“

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Was wollten Sie als Kind
werden und warum?

Schauspielerin. Wegen Marilyn Monroe in „Manche mögen’s heiß“.

Was war der beste Rat Ihrer Eltern?

„Wer viel wagt, gewinnt oft viel“ (Papageno).

Wer war beziehungsweise ist Ihr Vorbild?

Hildegard Knef.

Wann und warum haben Sie sich für den Beruf entschieden, den Sie heute machen?

Ich war sechs Jahre Rechtsanwältin in einer Großkanzlei. Dann habe ich von einem Tag auf den anderen den Beruf gewechselt, eine eigene Show bei ZDFneo bekommen, mich mit gesellschaftlichen Themen auseinandergesetzt: Sexismus, Feminismus, moderner Liebe, Vorurteilen, Familien. Ich habe mein drittes Buch veröffentlicht und wollte mir so viele Träume erfüllen. Das möchte ich noch immer. Man soll seine Wünsche nicht aufschieben. Und man muss nicht für immer und ewig als Geisel seiner Entscheidungen in ein und demselben Job bleiben.

Wer waren Ihre wichtigsten Förderer?

Meine Mutter, mein Vater, mein erster Chef Uwe, mein zweiter Chef beim ZDF, meine Chefin bei ZDFneo, mein Verleger.

Auf wen hören Sie?

Zu selten auf mich selbst.

Was sind Eigenschaften, die Sie an Ihren Chefs bewundert haben?

Mein erster Chef hat mir als Feedback-Formular in einer Wirtschaftskanzlei ein Gedicht geschrieben. Er war sehr originell, hatte 20 E-Bässe im Büro, und wir hatten eine Anwaltsband. An meinen Chefs und Chefinnen von Fernsehsendern schätze ich: Vertrauen, Humor, Unangepasstheit.

Was sollte man als Chef auf keinen Fall tun?

Jammern. Geizen.

Was sind die Prinzipien Ihres Führungsstils?

Fun, fun, fun! Liebevoller Umgang, Empathie, alles nicht so ernst nehmen – vor allem nicht sich selbst. Gefühle zeigen, Dinge ansprechen, fördern, fordern.

Wie wichtig war/ist Ihnen Geld?

Reich-Ranicki sagte immer: „Geld macht nicht glücklich – aber ich weine lieber im Taxi als im Bus.“ Wobei ich am liebsten weine, wenn ich spazieren gehe und laut Musik dabei höre.

Was erwarten Sie von Ihren Mitarbeitern?

Schnelligkeit, Einsatz, Enthusiasmus.

Worauf achten Sie bei Bewerbungen?

Originalität.

Duzen oder siezen Sie?

Beides.

Was sind Ihre größten Stärken?

Mein Lebenshunger. Mein Wille.

Was sind Ihre größten Schwächen?

Ich nerve. Ich bin penetrant, ungeduldig und rastlos.

Welchen anderen Entscheider würden Sie gern näher kennenlernen?

Einen Plattenboss/eine Plattenbossin.

Was würden Sie ihn fragen?

Oder sie! „Hast Du Bock auf ein Album mit Chansons von mir?“

Was denken Sie über Betriebsräte?

Gut.

Wann haben Sie zuletzt einen Fehler gemacht?

Ich mache jeden Fehler mindestens zwei- bis dreimal. Einfach, um sicherzustellen, dass es wirklich einer war. Fehler sind wichtig – und ja, das klingt jetzt so wie ein Poesie-Album-Diddl-Maus-Postkarten-Spruch. Aber wir brauchen in unserer Gesellschaft eine ganz andere Fehlerfreundlichkeit. Weniger Schadenfreude, mehr Mut zum Stolpern. Und dann eben wieder aufstehen.

Welche Entscheidung hat Ihnen auf Ihrem Karriereweg geholfen?

Alles ausprobieren! Waghalsig sein. Es gibt nicht nur eine Version von uns selbst – es gibt so viel zu machen und zu sehen.

Wie viele Stunden arbeiten Sie in der Woche?

Wenn wir eine Staffel drehen, dann arbeite ich 60 bis 80 Stunden. Wenn ich einen neuen Roman schreibe zu Beginn eher 40, kurz vor Abgabe dann wieder 70. Es ist keine Konstante in Sicht. Es gibt Zeiten, in denen es sehr unruhig ist. Aber ich komme mit Ruhe auch nicht so gut klar.

Wie viele Stunden schlafen Sie (pro Nacht)?

Zwischen fünf und acht Stunden.

Wie gehen Sie mit Stress um?

Ich brauche und liebe ihn.

Wie kommunizieren Sie?

Am liebsten live und in Farbe. Ansonsten per Sprachnachricht via WhatsApp.

Wenn Sie anderen Menschen nur einen Rat für ihren beruflichen Werdegang geben dürften, welcher wäre das?

„Ich weiß, was ich will“, Udo Jürgens. Zu wissen, was man will und es sich dann zu schnappen.

Und zum Schluss: Was wollten Sie immer schon mal sagen?

„Lesen Sie meine Bücher!“ Ich mag da als Autorin voreingenommen sein, aber ich empfehle die Bücher sehr, ha ha. Überhaupt, lesen Sie!