Wiedereröffnungen

So liefen die ersten Besuche in den Hamburger Museen ab

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Vera Fengler
Hannah und Alexander von Glahn in der Braque-Schau.

Hannah und Alexander von Glahn in der Braque-Schau.

Foto: Roland Magunia

Eine ausverkaufte Max-Beckmann-Ausstellung und entspannte Kunstgenießer im Bucerius Kunst Forum und im Museum für Kunst und Gewerbe.

Hamburg. „Ich habe es so vermisst, ins Museum zu gehen.“ Mit diesem ersten Satz, geäußert kurz nach Öffnung des Bucerius Kunst Forums, sprach die Hamburgerin Hannah von Glahn (26) sicherlich allen Besucherinnen und Besuchern aus der Seele. Vielleicht mal abgesehen von einigen Jugendlichen, die ihre Mütter geduldig in die Georges-Braque-Ausstellung begleitet hatten (nach dem Motto: „den letzten Ferientag noch einmal genießen“).

Geduldig warteten die Angemeldeten auf Einlass und konnten dann ganz entspannt und mit viel Abstand zueinander die großartigen Werke des Kubisten betrachten. Darunter die Studentinnen Aylin Aliahkari und Mathilda Schwarz, die sich freuten, endlich wieder ihren Kunstmeilen-Pass nutzen zu können. Unter den gegebenen Umständen war die Ausstellung „Tanz der Formen“ auch gut innerhalb des zur Verfügung stehenden einstündigen Zeitfensters zu bewältigen. Für Kathrin Baumstark eigentlich „die perfekte Atmosphäre, um die Originale richtig zu genießen“.

Bucerius Kunst Forum seit Dienstag geöffnet

Das Bucerius Kunst Forum hatte bereits seit Dienstag wieder für Publikum geöffnet. Die Direktorin zeigte sich mit den Besucherzahlen zufrieden; sie erwarte aber noch eine Steigerung in den kommenden Wochen. Schließlich läuft die Ausstellung noch bis zum 30. April. „Hoffentlich bleiben die Museen so lange geöffnet“, sagte Kathrin Baumstark.

Disziplinierte Euphorie auch im Museum für Kunst und Gewerbe (MK&G). Dort wurden die Wartenden auf die Minute genau zu ihrem Zeitfenster eingelassen. Ticket zeigen, Hände desinfizieren, Kontaktdaten hinterlassen – und dann die Qual der Wahl: Welche der fünf ganz unterschiedlichen Ausstellungen soll’s denn sein? „Schule der Folgenlosigkeit“ oder doch lieber das poppig-durchgeknallte „Life On Planet Orsimanirana“?

Hamburger schnuppern wieder Museumsluft

Für Doris und Günther Schiller fiel die Entscheidung auf den Raumkünstler Peter Gustaf Dorén, der viele Häuser gut betuchter Hamburger um 1900 verschönerte. „Architektur und Einrichten ist unser gemeinsames Hobby“, sagte die 66 Jahre alte Rentnerin, die zusammen mit ihrem Mann seit mehr als 15 Jahren zum Freundeskreis des MK&G gehört. Ehrensache also, dass sie den ersten Öffnungstag der staatlich getragenen Hamburger Museen am Steintorplatz verbrachten.

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Auch Inga Scheffler (48) freute sich, mal wieder Museumsluft zu schnuppern. Zusammen mit ihrem Sohn und dessen Freund ließ sie sich durch das Haus treiben. „Ich war schon sehr lange nicht mehr im Museum für Kunst und Gewerbe. Die derzeit laufenden Ausstellungen haben mich alle gereizt.“ Besonders neugierig sei sie auf „Together. Die neue Architektur der Gemeinschaft“: „Ich habe vorher mit den Jungs darüber gesprochen, und das Thema fanden sie ganz spannend.“

Großer Andrang bei Hamburger Ausstellung

Am Freitag herrschte reger Besucherstrom im MK&G, der sich aber über die beiden Stockwerke gut verteilte. Und auch der „Freiraum“ wurde zum Entspannen und Lesen genutzt – mit Abstand versteht sich.

Die Kartenbuchung via Telefon oder Internet klappte überwiegend reibungslos. Lediglich am Donnerstagmorgen, als der Museumsdienst den Shop öffnete, kam es zu einem vorübergehenden Buchungsstau, wie Besucher der Deichtorhallen berichteten. Glück musste man bei der Max-Beckmann-Ausstellung haben. Da sie am Sonntag endete, war der Andrang groß, die Karten waren schon Mitte der Woche ausverkauft. Immerhin 2267 Menschen konnten den bedeutenden Maler der Moderne noch mal erleben. Auch Giorgio de Chirico verbuchte mit 1229 Besuchern ordentliche Zahlen.