Ausstellung

Im Hamburger Kunstverein: Was Malerei sein könnte

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Falk Schreiber
Ein Blick in die „Carnivalesca“-Ausstellung.

Ein Blick in die „Carnivalesca“-Ausstellung.

Foto: Fred Dott Hamburg

Im Kunstverein ist ab dem 12. März die Ausstellung „Carnivalesca“ zu sehen. Eine Schau, die viele Fragen aufwirft.

Hamburg.  Natürlich macht es einem der Hamburger Kunstverein, der ab diesem Freitag nach vorheriger Anmeldung wieder besucht werden kann, nicht zu leicht. Von Khalil Rabah hängen zwei Werke in der Ausstellung „Carnivalesca. Was Malerei sein könnte“, die alle Voraussetzungen für Gemälde erfüllen: Öl auf Leinwand, drei auf zwei Meter, fotorealistisch. Nur ist zweimal dasselbe Motiv zu sehen, eine Gruppe Jugendlicher vor einem Gemälde.

Und auf diesem Gemälde erkennt man weitere Menschen, die Kunst schauen. Die beiden Bilder sind fast identisch, sie unterscheiden sich nur durch einen anderen Schattenwurf hier, leicht veränderte Helligkeit dort. Die Lösung: Rabah hat nicht selbst gemalt, sondern die Bilder in einer chinesischen Kunstwerkstatt in Auftrag gegeben, als globalisierte Malerei nach einem Zeitungsfoto.

Rabahs Doppelgemälde ist typisch für die Ausstellung

Rabahs Doppelgemälde ist typisch für die Ausstellung, die wegen Corona immer wieder verschoben wurde: Man beschäftigt sich zwar mit Malerei, aber man hinterfragt die Gattung immer wieder – bis zu ihrer Auflösung. Das Ergebnis sind Exponate wie Raphaela Vogels „The (Missed) Education Of Miss Vogel“, mehr Installation als Gemälde.

Maskenartige Objekte sind hier zu sehen, eine ausgeklügelte Raumarchitektur, und irgendwo wurde dann auch gemalt. Auf Lederhäuten. Oder: Das an eine Skulptur erinnernde „Sail Boat“ von Anna Boghiguian, ein auf Land gesetztes Segelboot, bei dem man erst auf den zweiten Blick die kunstvolle Bemalung entdeckt. Und auf den dritten, dass das Segel aus Leinwand besteht, was wieder zurückführt zum Gemälde.

Versuche, die Malerei als gegenwärtige Kunst wiederzuentdecken

Immer wieder gibt es Versuche, die Malerei als gegenwärtige Kunst wiederzuentdecken, in Hamburg zuletzt vor einem Jahr mit der Ausstellung „Jetzt. Junge Malerei in Deutschland“ in den Deichtorhallen. „Carnivalesca“ macht zunächst den Eindruck eines weiteren solchen Versuchs, nach einiger Zeit aber wird klar, dass es der Ausstellung darum geht, die Malerei aus solchen Kategorisierungen zu befreien. In den europä­ischen Akademien wird Kunst nach Gattungen hierarchisiert, was aber bleibt, wenn man solche Hierarchien auflöst?

Eine Malerei wie vom längst kanonisierten Künstler aus Senegal, El Hadji Sy, dessen Arbeit hier mehr dokumentiert als ausgestellt wird. Oder stark von der Performance beeinflusste Wandmalereien von Donna Huanca. Oder eine Installation aus Seidenmalerei, Film und Paravant von Thao Nguyen Phan.

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Die Ausstellung denkt „karnevalesk“, wild, unhierarchisch, entsprechend kann der Gattungsdiskurs über den postkolonialen in den ökologischen Diskurs springen. Inhaltlich ist das erfrischend undogmatisch. Besonders viel weiter führt es einen aber nicht – „Was Malerei sein könnte“, das ist eben eine Aussage, die alles und nichts bedeutet. Hier bedeutet sie zumindest: einen hochspannenden Ausstellungszugriff. Freilich ohne Antworten.

„Carnivalesca“ bis 2.5., Kunstverein, Klosterwall 23, Anmeldung unter pretix.eu/kunstverein/carnivalesca oder telefonisch unter 040/32 21 57