Laeiszhalle

Martha Argerichs „lebensnotwendiges“ Hamburg-Konzert

| Lesedauer: 3 Minuten
Holger True
Martha Argerich 2019 nach einem Konzert in der Laeiszhalle.

Martha Argerich 2019 nach einem Konzert in der Laeiszhalle.

Foto: Daniel Dittus

Die Pianistin trifft an diesem Wochenende in der Laeiszhalle auf die Symphoniker. Der Auftritt wird ab dem 19.2. kostenlos gestreamt.

Hamburg.  Wenn Martha Argerich kommt, ist die Laeiszhalle normalerweise bis zum letzten Platz gefüllt. Aber normal ist derzeit eben auch für eine der berühmtesten Pianistinnen der Welt nichts. Und so werden kaum mehr als eine Handvoll Techniker und Kameraleute im Großen Saal sein, wenn die 79-Jährige an diesem Sonnabend und Sonntag Maurice Ravels Klavierkonzert Nr. 1 G-Dur spielt, begleitet von den Symphonikern Hamburg unter der Leitung von Chefdirigent Sylvain Cambreling. Publikum ist nicht zugelassen, doch dafür wird der komplette Auftritt ab dem 19. Februar auf der Website der Symphoniker gestreamt.

Und mehr als das. Intendant Daniel Kühnel, der das Konzert, bei dem auch Ravels „Le Tombeau de Couperin“ und Beethovens 8. Sinfonie auf dem Programm stehen, organisiert hat, verspricht eine Art Konzertfilm, Interviews mit Martha Argerich, Sylvain Cambreling und einem Überraschungsgast inklusive. Man wolle nicht nur streamen, sondern sich zudem mit der Frage beschäftigen, welche Rolle der Musik im Leben zukomme, sagt Kühnel. In diesen weitgehend konzertfreien Lockdown-Zeiten ein besonders virulentes Thema.

Sicherheitsvorkehrungen: Masken-Pflicht, Verlängerung der Bühne, PCR-Test

Bereits am Donnerstagabend war die argentinische Pianistin aus Genf angereist, wo zwei ihrer drei Töchter mit Familie leben, am Freitag gab es die erste Probe in der Laeiszhalle – natürlich unter entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen. Die Bühne wurde um dreieinhalb Meter in Richtung Saal verlängert, um große Abstände zwischen den Orchestermusikern zu ermöglichen, außer am Platz sind FFP2-Masken Pflicht, zudem haben sich alle Mitwirkenden, auch der gesamte technische Stab, vor Beginn der Probenphase einem PCR-Test unterzogen.

Dennoch sei es den etwa 50 beteiligten Orchestermitgliedern überlassen worden, ob sie dieses Konzert spielen möchten, erzählt Kühnel. Niemand habe jedoch abgesagt, es dominiere ganz klar die Freude darüber, endlich wieder auftreten zu können – und sei es nur an einem Wochenende.

Argerich hält sich nur in Hotel und Laeiszhalle auf

Argerich und Cambreling, der berichtet, seit Beginn der Corona-Pandemie bereits 27-mal getestet worden zu sein, halten sich während dieser Tage vornehmlich im Hotel und in der Laeisz­halle auf. Sämtliche Orchestermitglieder sind angehalten, private Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. Ein enormer Aufwand für einen Stream, doch Daniel Kühnel sagt, für alle Beteiligten sei dieses Konzert essenziell, geradezu lebensnotwendig.

Lesen Sie auch:

Wäre das nicht so, hätte sich wohl Martha Argerich, die eine sehr enge Verbindung zu den Symphonikern hat – sie widmen ihr seit 2018 ein komplettes Festival – , nicht auf den Weg nach Hamburg gemacht. „Martha hat mich am Anfang der Planungen gefragt: ,Ist das wirklich wichtig? Oder ist es nur ein weiterer Termin, der in meinem Kalender steht?’“, erinnert sich Kühnel. Ganz offensichtlich konnte er sie von der Bedeutung überzeugen.

Martha Argerich und Symphoniker Hamburg unter Sylvain Cambreling Stream ab Fr 19.2., 19 Uhr, kostenlos unter www.symphonikerhamburg.de