Hamburger Theatergruppe

Axensprung Theater: Zukunft dank Förderungsgeldern

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Stefan Reckziegel
Die Axensprung-Mitglieder in den „Gier“-Kostümen.

Die Axensprung-Mitglieder in den „Gier“-Kostümen.

Foto: Laible

Die freie Hamburger Gruppe ist dank der Förderung aus dem Fonds für Darstellende Künste für die Zukunft gut aufgestellt.

Hamburg.  Planen, absagen, neu planen, hoffen, wieder verschieben – diesen Rhythmus der Unwägbarkeiten kennen seit fast einem Jahr nicht nur Staats-Stadt- und Privattheater. Zu Corona-Zeiten trifft es mehr denn je freie Gruppen, die sich um ihre Spielstätten, den Auf- und Abbau der Kulissen sowie die Technik oft selbst kümmern müssen.

„Das gemeinsame Proben haben wir uns bis auf Weiteres untersagt – zu riskant“, berichtet Oliver Herrmann. Der Schauspieler ist Produktionsleiter des Axensprung Theaters. Die Hamburger Gruppe kreiert seit 2014 regelmäßig Stücke mit zeithistorischem Bezug, gastierte mit dieser Art gelebter Geschichte in der gesamten Bundesrepublik und im europäischen Ausland.

Axensprung spielte für live gestreamte Online-Jubiläumsshow des Vereins Weimarer Republik

In Hamburg bespielte sie etwa die Krypta des Mahnmals St. Nikolai oder das Museum für Hamburgische Geschichte. Mehrmals diente dort die breite Foyer-Treppe als Bühne, zuletzt im Herbst 2019 bei Axensprungs gelungener Revue „Gier“ über die Anfangsjahre der Weimarer Republik, verknüpft mit lokalen Szenen über den Aufstieg des Varieté-Theaters Alkazar auf der Reeperbahn und feinen Jazz-Songs.

An diesem Sonnabend spielt Axensprung zum 102. Jahrestag der konstituierenden Sitzung der Verfassungsgebenden Versammlung im Deutschen Nationaltheater einen Auszug aus „Gier“ für die live gestreamte Online-Jubiläumsshow des Vereins Weimarer Republik. Dafür schaltet sich Herrmann per Zoom-Videokonferenz mit Markus Voigt, auch Leiter des Original Schmidts Tivoli Orchesters, und Angelina Kamp zusammen; Mignon Remé und Erik Schäffler agieren zu zweit vor ihrem Laptop, weil beide privat ein Paar sind.

Premiere von zweitem Teil der Trilogie auf Anfang Mai verschoben

Wann alle fünf wieder zu realen Proben zusammenkommen? Noch offen. Die Premiere des zweiten Teils ihrer Trilogie über die erste deutsche Demokratie, „Vulkan – Weimar zwischen Glanz und Glosse“, wurde erst von Ende Oktober 2020 auf den 31. Januar verschoben, jetzt auf Anfang Mai im Museum für Hamburgische Geschichte.

Doch für das Axensprung Theater gibt es Licht am Ende des Pandemie-Tunnels. Und das kommt diesmal aus dem in der Krise oft gescholtenen Berlin. Vom Fonds für Darstellende Künste erhält die Gruppe, die als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) firmiert, eine Förderung von 49.000 Euro. Das Geld ist Teil des im Vorjahr von Kultur-Staatsministerin Monika Grütters (CDU) geschnürten ersten Milliarden-Pakets „Neustart Kultur“ und mit Abstand die höchste Summe, die Axensprung je bekommen hat. Es ist für den dritten Weimar-Teil „Ruin“ geplant, der im September Premiere haben soll.

Förderung beträgt statt 10.000 Euro diesmal 49.000 Euro

Für seine vorigen Produktionen hatte das Axensprung Theater maximal jeweils etwa 10.000 Euro erhalten – von Stiftungen, Mäzenen und der Landeszentrale für politische Bildung. Projektförderung von Hamburgs Kulturbehörde erhielt die freie Gruppe zuletzt für sein brisantes Stück „Kampfeinsatz“, das die Situation traumatisierter Bundeswehr-Soldaten nach Einsätzen in Afghanistan thematisierte.

Seitdem habe es trotz mindestens zweier Anträge pro Jahr nichts mehr gegeben, sagt Axensprung-Mitgründer Erik Schäffler. Es fehle in Hamburg in den Förderungen das Kriterium der „Stabilität“, meint er. „Wer wie wir beweist, dass er trotz permanenter Unterförderung fast jährlich ein Theaterstück produziert, sollte gerade gefördert werden“, sagt der Schauspieler, Regisseur und Theaterautor, 2018 mit dem Sonderpreis beim Theaterpreis Hamburg - Rolf Mares ausgezeichnet. Oft gelte hier das Motto: „Die produzieren sowieso, dann brauchen sie auch kein Geld.“ Das sei absurd, so Schäffler.

Anschaffung von eigenen Mikroports nun möglich

Bisher lebte Axensprung primär von Eintrittsgeldern. Die Zahl der Besucher indes war nach der ersten Pandemie-Welle überall auf höchstens ein Drittel der Kapazität beschränkt. Davon sind von Kartenverkäufen abhängige freie Künstler und Gruppen umso mehr betroffen. Produktionsleiter Herrmann: „Wir gehen mehr denn je davon aus, dass wir, wenn wir wieder auftreten, für lange Zeit nur mit Abstand spielen können.“ Gilt für Bühne und Zuschauerraum. „Wir planen nun, im Innenhof des Museums zu spielen.“ Der ist am Holstenwall mit einer hohen Glaskuppel überdacht.

Auch Regisseur Schäffler geht davon aus, mit seiner Truppe in Zukunft häufiger in größeren Räumen und im Freien auftreten zu müssen. Dabei kommt das Geld aus dem „Neustart Kultur“ ins Spiel: Anstatt sich wie bisher immer recht teure Mikroports zu leihen, kann die Gruppe nun aus dem Topf für „Ruin“ eigene kaufen und diese schon im Mai für „Vulkan“ und nicht erst für das dritte Stück einsetzen. Und so ist die technische Aufrüstung für weitere Corona-Maßnahmen bei Axensprung jetzt eine Investition in die Zukunft. Obwohl diese für freie Theaterschaffende eine Rechnung mit vielen Unbekannten bleibt.

„Tag der Weimarer Republik“ kostenlose Online-Jubiläumsshow mit Axensprung Theater, Sa, 6.2., 20.15 Uhr, www.weimarer-republik.net, www.axensprung-theater.de