Pandemie

Wie geht es Volksbühne und Theatergemeinde in Hamburg?

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Stefan Reckziegel
Auch das Deutsche Schauspielhaus ist derzeit geschlossen.

Auch das Deutsche Schauspielhaus ist derzeit geschlossen.

Foto: Michael Rauhe

Die Corona-Krise hat zu einem deutlichen Mitgliederschwund geführt. Optimistische Zukunftspläne gibt es dennoch.

Hamburg. Eine reiche Kulturstadt war Hamburg immer schon – und insbesondere für seine enorme Theatervielfalt bekannt. Das Neben-, auch mal Miteinander von Staats- und -Privattheatern sowie Off-Bühnen sucht im deutschsprachigen Raum seinesgleichen, in Vor-Corona-Zeiten kulminierte es zu Spielzeitbeginn mit mehr als 40 beteiligten Häusern bei der alljährlichen Hamburger Theaternacht. Diese ging im vorigen September erstmals digital über die
Bühne.

Nach der ersten staatlich verordneten Schließung von Mitte März bis Ende Juni 2020 bleibt das geneigte Publikum seit Anfang November erneut (dr)außen vor. Dabei stützt sich das hanseatische Theaterleben zu einem Gutteil auf dem großen Zuschauerzuspruch. Was aber machen die monatelangen Zwangspausen mit den beiden wichtigsten Besucherorganisationen der Stadt, was machen die Volksbühne Hamburg und die Theatergemeinde Hamburg in Zeiten der Pandemie? Wie steht es um die Zukunft dieser sich selbst tragenden Vereine?

Die wichtigsten Corona-Themen im Überblick

Erst seit Dezember ist Fredrik Schwenk Vorsitzender des Vorstandes der Volksbühne von 1919. Bernd Rickert, mehr als ein Jahrzehnt lang Vorsitzender der Volksbühne und ein intimer Kenner der Hamburgischen Theatergeschichte, hatte Schwenk im Jahr nach dem 100. Volksbühnen-Geburtstag und dem von ihm kuratierten Jubiläumskonzert in der Elbphilharmonie gefragt, ob er sich vorstellen könne, sein Nachfolger zu werden. Und Schwenk konnte: Der Professor für Komposition und Musiktheorie, seit dem Jahr 2000 hauptberuflich an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater tätig, wechselte von der Vertreterversammlung, vergleichbar einem Aufsichtsrat, in den Vorstand der Volksbühne.

Sonderveranstaltungen sind derzeit unmöglich

„Kultur für alle!“, dem Leitspruch der Volksbühnen-Gründer, das Bildungsmonopol des gut situierten Bürgertums aufzubrechen, fühlt sich auch der Musikpädagoge Schwenk verpflichtet. „Die Zukunft ist schon da, bevor wir mit ihr rechnen“, meint er. Sein Motto: „Beobachte, was früher war, und du weißt, was kommen wird.“ Dies versucht er nun, im ehrenamtlichen Alltag umzusetzen

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Noch im vergangenen Sommer vergab die Volksbühne 230.000 Euro, die ihre Mitglieder als Spenden gesammelt hatten. Auf deren Wunsch floss das Geld an freie Klassik-Ensembles wie den Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor oder die Hamburger Camerata sowie an die hiesigen Privattheater. Vom großen Staatstheater über Privatbühnen bis zur kleinen freien Spielstätte stehen der Volksbühne jährlich mehr als 5000 Vorstellungen in den Häusern offen – zumindest in normalen Zeiten. Für einen Jahresbeitrag von knapp 50 Euro gibt es ein Abo-System, auch (Rest-)Karten an der Abendkasse zum halben Preis sind für Volksbühnen-Mitglieder mit Glück erhältlich.

Die Volksbühne Hamburg zählte Ende Juni 24.000 Mitglieder – der höchste Stand seit zehn Jahren. Seitdem hat sie allerdings fast 4000 Menschen verloren, ohne jedoch im Gegenzug die sonst üblichen 2500 bis 3000 Neueintritte verzeichnen zu können, wie Schwenk vorrechnet.

„Die Hamburger Mitglieder sind sehr treu"

„Die Hamburger Mitglieder sind sehr treu. Die meisten wollen, dass es möglichst bald wieder losgeht mit dem Theaterbetrieb“, sagt er, weiß aber auch: „Verlieren wir noch mal 2000 bis 3000 Mitglieder, müssten wir den Gürtel enger schnallen.“ Das hieße womöglich weniger Abo-Vielfalt oder Personaleinsparungen.

Unter ihrem modernen Markennamen „inkultur“, zugleich Titel des monatlichen Mitglieder-Magazins, ist die Hamburger Volksbühne bundesweit weiterhin die größte Besucherorganisation ihrer Art. Und als gebürtiger Münchner ist Schwenk eines überbordenden Lokalpatriotismus ebenso unverdächtig wie der gleichfalls 60-jährige Josef Steinky. Der gebürtige Schwabe führt seit 17 Jahren die Geschäfte der Theatergemeinde Hamburg. Diese existiert zwar noch nicht so lange wie die Volksbühne, immerhin aber auch schon seit 1984.

Maskenpflicht: die wichtigsten Fragen und Antworten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Maskenpflicht im Überblick:

Welche Typen von medizinischen Masken gibt es?

  • OP-Masken: Mehrlagige Masken, die einen besseren Schutz als einfache Stoffmasken bieten.
  • FFP2-Masken: Müssen 94 Prozent aller Aerosole zurückhalten, um die Norm zu erfüllen.
  • FFP3-Masken: Müssen laut Norm 99 Prozent der Aerosole zurückhalten.
  • KN95-, N95-, P2-, D2- oder CPA-Masken: Importierte Masken, die vereinfachte Prüfverfahren durchlaufen, beim Bezug über die Apotheke aber etwa gleichwertigen Schutz wie FFP2-Masken bieten.

Kann ich die Masken mehrfach verwenden?

  • OP-Masken sind reine Wegwerfprodukte, die spätestens dann entsorgt werden sollten, wenn sie durchfeuchtet sind.
  • FFP2-Masken sind offiziell nur dann wiederverwendbar, wenn sie herstellerseitig mit einem "R" gekennzeichnet wurden. Laut Forschern der Uni Münster können aber auch Einweg-FFP-2-Masken ("NR") bis zu fünf Mal verwendet werden, wenn man sie für mindestens eine Woche an der Luft trocknet, bevor man sie wieder verwendet. Die Trocknung im Ofen ist umstritten.
  • Desinfektionsmittel zerstören die Filtereigenschaften der Maske und machen sie unbrauchbar

Was muss ich beim Kauf von Masken beachten?

  • Beim Kauf im Einzelhandel oder im Internet ist bei OP-Masken und FFP2-Masken auf das CE-Zeichen und eine vierstellige Nummer zu achten. Diese gibt die Prüfstelle an und kann im Internet überprüft werden.
  • Masken mit Ventil sind in Hamburg nicht erlaubt: Sie vereinfachen zwar das Atmen, geben die Luft aber ungefiltert an die Umwelt ab - bieten also zwar Eigen-, aber keinen Fremdschutz.

Was kosten medizinische Masken?

Mit der Einführung der erweiterten Maskenpflicht steigen auch die Preise für Masken teilweise stark an – FFP2-Masken kosten normalerweise zwischen 3 und 7 Euro pro Stück, OP-Masken sind zum Teil für deutlich weniger als einen Euro pro Stück im Paket zu bekommen. Vorsicht ist bei besonders günstigen Angeboten besonders im Internet geboten: Dahinter könnten ungeprüfte Importe oder Ausschussware stecken, die nicht denselben Schutz bieten wie eine zertifizierte Maske.

Was ist beim Tragen der Masken zu beachten?

  • OP-Masken sitzen relativ lose. Der Sitz kann verbessert werden, wenn man sie mit einer Stoffmaske kombiniert.
  • FFP2-Masken müssen eng anliegen, damit sie ihre volle Filterwirkung entfalten. Dann wird aber auch das Atmen spürbar anstrengender. Ein Vollbart verhindert den korrekten Sitz der Maske.
  • Allgemein gilt, dass Masken spätestens ausgetauscht werden müssen, wenn sie feucht sind.
  • Benutzte Masken nicht an der Filterfläche berühren: Etwaig aufgenommene Viren geraten dann an die Hände. Die Masken sollten nur an den Bändern berührt werden.

Weitere Fragen beantwortet unser großer Überblick zum Thema FFP2-Masken

Zum Ende der Spielzeit 2019/20 hatte die Theatergemeinde mehr als 16.500 Mitglieder, derzeit sind es noch etwa 14.000, die sich eine Jahresmitgliedschaft zum Preis von 47 Euro leisten, dazu kommen die Kosten für verschiedene Abo-Formen. Trotz des vorzeitigen Spielzeitendes 2019/20 seien die Mitglieder „bis zum Sommer sehr positiv gestimmt und verständnisvoll gewesen“, meint Steinky.

Theatergemeinde-Mitglieder halfen den Bühnen

Damals brachten die Theatergemeinde-Mitglieder 270.000 Euro an Spenden auf, für Steinky insbesondere „eine große Solidaritätsaktion für die Privattheater“. Die Zuschauer konnten selbst entscheiden, an welches Haus wie viel Geld fließen sollte.

Die Theatergemeinde-Mitglieder halfen den Bühnen außer mit diesen Spenden auch, indem sie Geld für bereits gekaufte Karten nicht zurückverlangten und auf Rückerstattung ihre Abos verzichteten. „Wenn die Besucher jetzt erst mal abwarten, kann man es den Leuten nicht verübeln“, meint Josef Steinky . Schon die Weihnachts-Abos hätten der Theatergemeinde im November und Dezember gefehlt. „Wir wünschen uns sehr, dass erst mal diese Saison weitergeht“, sagt der Geschäftsführer.

Laut Satzung hat die Theatergemeinde den Zweck, „Verständnis für Kunst und Kultur zu fördern sowie Anregungen zur Teilhabe an kulturellen Veranstaltungen zu wecken“. Das bleibt schwierig. Sonderveranstaltungen wie in der Vergangenheit Treffen mit Ensemble-Mitgliedern des Schauspielhauses oder Blicke hinter die Kulissen im Ohnsorg sind zurzeit unmöglich.

„Wir wollen, dass auch die kleinen Bühnen erhalten bleiben“

Statt dessen versucht die Theatergemeinde jetzt, in seinem zehnmal im Jahr erscheinenden „magazin“ mit Berichten und Interviews hintergründig über Theaterschaffende zu informieren. Zudem plant Josef Steinky in Zusammenarbeit mit der Kulturbehörde eine neue Solidaritätsaktion. Mit ihr soll diesmal insbesondere freiberuflichen Soloselbstständigen in Hamburgs Theaterszene unter die Arme gegriffen werden.

„Wir wollen, dass auch die kleinen Bühnen erhalten bleiben“, sagt der Volksbühnen-Vorsitzende Schwenk. Von der bisherigen Hilfe der Kulturbehörde auch für die Privattheater ist Schwenk ausgesprochen angetan. Mittelfristig kann er sich sogar neu zu stiftende Preise seiner Volksbühne für Privattheater und Konzertorganisationen vorstellen, vergleichbar mit der „Silbernen Maske“ in den 90er-Jahren. Im Vergleich zu heute wirken die wie goldene, zumindest aber unbeschwerte Zeiten.