Hamburger Musiker

Bosse schreibt Songs für eine bessere Zukunft

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Sänger Axel Bosse engagiert sich.

Sänger Axel Bosse engagiert sich.

Foto: dpa Picture-Alliance / Lukas Schulze

Optimistisches Projekt: Axel Bosse schreibt „gesellschaftliche Lieder“ und unterstützt Initiativen mit kurzen Filmen.

Hamburg. „Projekt Paradies“. Das klingt nach einem Vorhaben, das gerade in diesen herausfordernden Zeiten eine gehörige Portion Hoffnung spenden kann. Einmal im Monat möchte der Hamburger Popmusiker Bosse fortan soziale Organisationen und engagierte Persönlichkeiten in kurzen Filmen vorstellen. Den Anfang machte GoBanyo, der Duschbus für Obdachlose. Es folgt Oll Inklusiv, die gemeinnützige Initiative für Menschen 60+.

„Meine Fans haben Lust, sich zu engagieren. Das merke ich immer wieder“, erzählt Bosse. Also nutzt der Sänger seine Reichweite, um jene sichtbar zu machen, die nicht bloß meckern, sondern beherzt aktiv werden gegen Missstände. Und somit ist das „Projekt Paradies“ zugleich ein schönes Beispiel dafür, dass die sozialen Medien nicht nur ein Sammelbecken für Hass und Fake News sind, sondern auch als positive Verstärker fungieren können. Gut 100.000 Menschen folgen Bosse auf der Plattform Insta­gram, fast 200.000 sind es bei Facebook. Sie alle sind potenzielle Multiplikatoren für die gute Sache.

Bosse: "Der Song soll einerseits wie eine Ohrfeige wirken"

Die Basis für Bosses optimistisches Projekt bildet sein vor wenigen Wochen veröffentlichter Song „Das Paradies“. In dieser ruhigen wie kraftvollen Popnummer wandelt Bosse seine Wut und Verzweiflung über ungerechte Zustände in eine Utopie. „Niemand musste dort im Mittelmeer ersaufen / Niemand schlief im Winter auf Asphalt“, singt er etwa in der ersten Strophe. „Der Song soll einerseits wie eine Ohrfeige wirken, aber vor allem auf eine bessere Zukunft setzen“, sagt Bosse. Und er ergänzt: „Für mich führt kein Weg daran vorbei, gesellschaftliche Lieder zu schreiben.“

Die Corona-bedingte Konzert-Pause habe ihm die Zeit gegeben, ausgiebig an einem Stück wie „Das Paradies“ zu arbeiten. „Mir war es wichtig, in dem Song viele Themen zu benennen. Gleichberechtigung, Glaubensfreiheit, innerer Frieden. Aber so einen Text zu schreiben dauert lange. Da überlege ich dreifach und möchte mir wirklich sicher sein“, sagt Bosse. Ein halbes Jahr hat er das Stück immer wieder angefasst, gezweifelt, neu formuliert.

"Das Paradies" ist mit idealistischem Spirit aufgeladen

Bosse: "Das Paradies"

So richtig mit idealistischem Spirit aufgeladen wird „Das Paradies“ durch das dazugehörige Video. Im St.-Pauli-Stadion präsentiert Bosse da sozial umtriebige Menschen und Vereine. „Ich habe Leute ausgesucht, die für Diversität und Einsatz stehen.“ Ein Schaulaufen an Engagement und Haltung – von Initiativen wie Fridays For Future und Hanseatic Help über Fußballerin Nina Philipp und Schauspielerin Joy Maria Bai bis hin zu Bela B, Marcus Wiebusch und Deine Cousine aus der Musikszene.

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Zu finden sein wird „Das Paradies“ auch auf Bosses neuem Album, das im September erscheinen soll. Auf seine für Herbst angesetzte Tour blickt der Musiker pandemiebedingt pragmatisch: „Da Konzert- und Festivalplanungen eigentlich weit im Voraus laufen, wusste ich immer, was ich die kommenden zwei Jahre mache. Mit Corona haben wir nun alle gelernt, flexibler zu sein.“

Ein besonderes Anliegen ist es ihm, vor allem in Krisenzeiten nicht in der eigenen Filterblase zu verharren. Dazu möchte er mit „Das Paradies“ beitragen: „Meine Musik wird quer durch die Schichten und Generationen gehört. Umso wichtiger ist es mir, sie auch mit gesellschaftlichen Themen zu erreichen.“

( bir )