Literaturhaus Hamburg

Philosophisches Quartett: Über das Böse in uns

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Susan Neiman, Leiterin des Potsdamer Einstein Forums.

Susan Neiman, Leiterin des Potsdamer Einstein Forums.

Foto: picture alliance

Die beiden philosophischen Hochkaräter Susan Neiman und Wolfram Eilenberger treffen sich zum digitalen Live-Talk.

Hamburg. Susan Neiman sitzt vor einer eindrucksvollen Bücherwand in Berlin. Ihr Gesprächspartner Wolfram Eilenberger ist aus Finnland zugeschaltet, wo sein Bild alsbald eindunkelt. Stromausfall. Der Gesprächsfaden reißt deswegen aber noch lange nicht ab. Die beiden philosophischen Hochkaräter Neiman und Eilenberger treffen sich zum digitalen Live-Talk - Thema „Inmitten von Gut und Böse“ – in der Reihe „Das Philosophische Café“ des Hamburger Literaturhauses. Susan Neiman, eine medial präsente und sehr zugängliche Stimme im philosophisch-politischen Diskurs, Leiterin des Potsdamer Einstein Forums, Tochter einer jüdischen Familie in Atlanta und seit Jahrzehnten in Deutschland lebend, spricht mit dem rhetorisch nicht minder geschliffenen Philosophen Wolfram Eilenberger über den Umgang mit dem Bösen in der eigenen Geschichte.

Das Thema hat im Lichte der jüngsten US-Ereignisse, der Black-Lives-Matter-Bewegung und des „Sturms auf das Kapitol“ in Washington eine neue Dringlichkeit erlangt. Neiman („Von den Deutschen lernen“) erläutert, wie stark Geschichte in die Gegenwart hineinwirkt. Ein deutsches Spezifikum sei die Auseinandersetzung mit der NS-Zeit. Die habe zwar widerwillig, langsam und unvollständig stattgefunden, aber diese Arbeit sei geleistet worden. In den USA gebe es weder eine philosophische, politische noch moralische Aufarbeitung des Vietnamkrieges, Hiroshimas, der Sklavenzeit.

In der Black-Lives-Matter-Bewegung allerdings seien mehr Weiße als Schwarze beteiligt, es sei die breiteste Bewegung in der US-Geschichte. Neimans Botschaft an diesem Abend ist trotz der jüngsten Gewaltausbrüche: Hoffnung. In Georgia wurden der erste jüdische und der erste schwarze Senator in der Geschichte des traditionellen Republikaner-Staates in den Senat gewählt. Das, so Neiman, gelte es trotz allem zu feiern. Sie hält es mit dem Aufklärer Kant: Erst wenn wir die Hoffnung verlieren, geht die Welt wirklich zugrunde.

( asti )