Neues Buch

Zeichner verewigt Hammaburg in Graphic Novel

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Jan Haarmeyer
Im Norwegenurlaub schaute sich Jens Natter Wikingerschiffe an, um sie originalgetreuer zeichnen zu können.

Im Norwegenurlaub schaute sich Jens Natter Wikingerschiffe an, um sie originalgetreuer zeichnen zu können.

Foto: Ellert & Richter Verlag

Der Autor und Zeichner Jens Natter hat Hamburgs frühe Tage als Graphic Novel herausgebracht.

Hamburg.  Sie ist Geburtsstätte und Namensgeber Hamburgs: die Hammaburg. Dort, wo sich heute der Domplatz und nebenan die Petrikirche befinden, ist diese Stadt einst entstanden. Genauer: Irgendwann um das Jahr 800 nach Christus.

Höchste Zeit also, sich diesen historischen Geburtsstunden der heutigen Millionen-Metropole an der Elbe nicht nur archäologisch, sondern auch einmal etwas leichtfüßiger zu nähern. Das zumindest hatte der Hamburger Zeichner Jens Natter im Sinn und hat die „Hammaburg“ als Graphic Novel in Szene gesetzt.

Es ist eine schwere Zeit für den fränkischen Kaiser Ludwig der Fromme, den Sohn Karls des Großen. Sein Reich befindet sich in der Krise und nun fallen immer öfter auch noch Wikinger ins Land ein. Also schickt er im Jahr 834 den Benediktinermönch Ansgar in den Norden, um die kleine Hammaburg zu einem wichtigen Missionsstandort zur Bekehrung der Heiden auszubauen.

Das Wissen über die Herkunft ist wichtig für die Zukunft

„Ich hatte einfach Lust, einen Mittelalter-Comic zu machen“, sagt Jens Natter. Er hatte festgestellt, dass es im Comicbereich kaum Erzählungen gibt, die sich ernsthaft mit historischen Fakten beschäftigen, viele gehen eher Richtung Fantasy.

„Das ist völlig okay, und das darf es auch geben. Aber es ist natürlich schade, wenn die Leute sich gleichzeitig unterhalten und informieren wollen und dann oft nur die Wahl zwischen Sachbuch und reinen Action-Comics haben.“

Auf die Hammaburg fiel seine Wahl, weil es sich mit der Entsendung des Missionars Ansgar bis zum Wikingerüberfall im Jahr 845 um die erste große Geschichte der Stadtentwicklung Hamburgs handelt. „Ich schaue gerne nach Geschichten, die sich früher in meinem heutigen täglichen Lebensumfeld abgespielt haben“, sagt Jens Natter. Warum dann nicht mit „Hamburgs erstem Kapitel“ anfangen?

„Mein Anspruch war es, einen historisch stimmigen Comic zu machen, der dennoch kurzweilig und spannend ist.“ Der Anspruch war sehr zeitintensiv. „Da es sich um ein Hamburgthema handelt, hatte ich gehofft, dass die Recherche nur aus kurzen Laufwegen innerhalb der Stadt besteht“, sagt Natter. Falsch gedacht.

Recherche-Trips zur bedeutenden Wikinger-Siedlung

Am Ende gingen seine Recherche-Trips zum Museum Haithabu, der einst bedeutenden Wikinger-Siedlung (um 700 bis 1066), zur Slawenfestung Groß-Raden in Mecklenburg und zum Kloster Corvey in Westfalen. „Und selbst im Familienurlaub in Norwegen habe ich noch mal die Chance genutzt, mir Original-Wikingerschiffe in Oslo anzuschauen.“

Insgesamt drei Jahre und rund 900 Arbeitsstunden habe er an dem Buch gearbeitet. „Natürlich nicht durchgehend, weil ich meinen Lebensunterhalt in erster Linie als Karikaturist auf Veranstaltungen verdiene.“ Für Natter aber ist das Wissen über die Herkunft auch wichtig für die Gestaltung der Zukunft. „Auch als Person halte ich ja von Zeit zu Zeit mal inne, um mich zu fragen: Wie wurde ich zu dem, der ich heute bin?“ Genauso könne es sehr aufschlussreich sein zu sehen, wie eine Stadt zu der wurde, die sie heute ist.

„Die erzählte und gezeichnete Geschichte verfügt über alle Zutaten, die ein fesselnder Comic braucht“, sagt Rainer-Maria Weiss, Direktor des Archäologischen Museums Hamburg. Jens Natter habe die vermeintlich trockene Materie zum Leben erweckt. „Er lässt erahnen, wie es sich in Hamburg vor fast 1200 Jahren abgespielt haben könnte. Das vermag keine Ausstellung und keine wissenschaftliche Publikation.“

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Jens Natter fände es toll, wenn sich das Buch zu einem unterhaltsamen Standardwerk für alle Hamburg-Interessierten entwickelte. „Ich selbst hatte mir vorgestellt, wie Kinder ab zehn Jahren zusammen mit ihren Eltern in dieser Geschichte auf Entdeckungsreise gehen. Jedenfalls war mein Sohn in dem Alter, als ich die Arbeit an ,Hammaburg‘ begann, und er hat mich interessiert auf meinen Recherchetrips begleitet.“ Und jetzt? „Jetzt ist er 13 und liest lieber
Mangas.“