Theater

Corona-Lockdown: Was wird aus den Weihnachtsmärchen?

„Pinocchio“ mit Hermann Book und Nico-Alexander Wilhelm soll im Schauspielhaus, falls möglich, schon im Januar nachgeholt werden.

„Pinocchio“ mit Hermann Book und Nico-Alexander Wilhelm soll im Schauspielhaus, falls möglich, schon im Januar nachgeholt werden.

Foto: Sinje Hasheider

Viele Hamburger Theater haben ihre Familienstücke fertig geprobt. Manche sind zeitlos. Werden sie erst 2021 gespielt werden können?

Hamburg.  Kinder können bekanntlich so gut wie nie still sitzen. Nun aber müssen die Theater wieder mal stillhalten. Die hohen Corona-Infektionszahlen und der zunächst bis zum 20. Dezember verlängerte Teil-Lockdown machen in Hamburg auch eine seit Jahrzehnten liebgewonnen Tradition unmöglich: den Besuch von Weihnachtsmärchen.

Indes haben viele Theater ihre Familienstücke trotz der Anfang November verfügten Schließungen durchgeprobt. Sind die Aufführungen noch zu retten? Wie hieß es am Ende bei „Der rosarote Panther“ immer so schön: „Heut is nicht alle Tage, ich komm wieder keine Frage!“

Eine gleichfalls als Zeichentrick-Serie bekannte Figur ist „Pinocchio“. Das Schauspielhaus hat bis zur Generalprobe an seiner Fassung des Kinderbuch-Klassikers gearbeitet. „Wir planen, die Premiere von ,Pinocchio’ im Januar nachzuholen“, sagt Sonja Szillinsky vom Jungen Schauspielhaus. „Da die Inszenierung fertig ist, können wir schnell Vorstellungen ansetzen“, erläutert die Dramaturgin. Alle an der Produktion Beteiligten erhielten ihre Gagen und Honorare. Geplant war das Stück für Menschen ab acht Jahren auf der großen Probebühne. Zusätzlich prüft das Schauspielhaus die Machbarkeit von Live-Streams, ohne dass schon eine Entscheidung fiel.

„Der Froschkönig“ soll über Ostern hinaus laufen

Im Ernst Deutsch Theater fand die Generalprobe von „Der Froschkönig“ ebenfalls statt – noch ohne folgenden Premierentermin. Hamburgs größtes Privattheater erfülle alle Verträge mit den Darstellern und stelle für Dezember erneut einen Antrag auf Kurzarbeit, das Ernst Deutsch Theater stocke dann auf 100 Prozent auf, heißt es aus der Pressestelle.

Das Haus von Intendantin Isabella Vértes-Schütter hat bereits ein neues Premierendatum und etwa weitere 30 Vorstellungen angesetzt: Vom 19. März bis zum 9. April 2021 will das Ernst Deutsch Theater bis über die Ostertage hinaus spielen.

Nicht für die Katz: „Der achtsame Tiger“ im Tivoli

Auch „Der achtsame Tiger“ soll nicht für die Katz gewesen sein. Die Uraufführung des Familienmusicals nach dem „Kinderbuch des Jahres 2019“ war coronakonform und abstandsgerecht im „Paradiso“-Dschungel des Schmidts Tivoli geplant. Weil das Stück in Carolin Spieß’ Regie thematisch nicht auf eine bestimmte Jahreszeit festgelegt ist, soll die Uraufführung so schnell wie möglich dann stattfinden, wenn die Theater wieder öffnen dürfen.

Die Proben sind zurzeit ausgesetzt, die Endproben starten dann mit entsprechendem Vorlauf zum neuen Starttermin, sagte Schmidts-Tivoli-Sprecherin Sybille Kammerhoff. „Und natürlich scharren alle mit den Pfoten, dass es endlich wieder losgeht.“

St. Pauli Theater plant Janosch-Stück fürs Frühjahr

Gleich nebenan im St. Pauli Theater wurde die ursprünglich geplante Voraufführung zu „Komm wir suchen einen Schatz?“ von Janosch am 21. November zur letzte Hauptprobe.

Weil auch dieser „Janosch“ kein spezielles Stück für die Weihnachtszeit ist, plant das Haus die Uraufführung nun fürs Frühjahr, sagt Sprechein Dagmar Berndt – abhängig von der weiteren Corona-Entwicklung. Für die Proben seien alle Darsteller bezahlt worden, im Anschluss gingen alle Beteiligten in Kurzarbeit.

„Des Kaisers neue Kleider“ – jetzt Ohnsorg-Märchen für 2021

Im Ohnsorg wurde das traditionell auf Hochdeutsch geplante Weihnachtsmärchen „Des Kaisers neue Kleider“ bis zur Generalprobe fertig erarbeitet. Außer Ensemble-Mitglied Erkki Hopf hatten alle Schauspieler einen befristeten Arbeitsvertrag. Sie seien seit dem 21. November in 100 Prozent Kurzarbeit und bekommen ihr „Gehalt“ in Form von Kurzarbeitergeld plus der Aufstockung durch das Theater, sagt Intendant Michael Lang. Regisseurin Nora Schumacher und das Produktionsteam werden als Freiberufler dafür bezahlt, dass sie ihre Arbeit premierenreif abgeliefert haben.

Am Freitag entschied Lang, „Des Kaisers neue Kleider“ als Märchen im November und Dezember 2021 neu anzusetzen. Der Intendant: „Das Stück ist so gut, dass wir es auch dann zeigen können und wollen, obwohl wir künstlerisch vorläufig ausgebremst sind und die Einnahmen in diesem Dezember fehlen werden.“ Für Familien, Schulen und Kitas soll es im Frühjahr Stücke im Ohnsorg-Studio geben.

Theater für Kinder: „Rumpelstilzchen – total versponnen“ schon ab 9. Januar

Für das Harburger und das Altonaer Theater wurde „Meisterdetektiv Kalle Blomquist“ für die an diesem Sonnabend respektive Mittwoch geplanten Premieren zu Ende geprobt. Neue Termine gibt es bisher nicht, eine Verschiebung auf Ende 2021 ist wahrscheinlicher als eine Neuansetzung bereits im Januar oder Februar. Auch für „Rico, Oskar und die Tieferschatten“ sowie „Pettersson, Findus und der Hahn“ in Kammerspiele und Logensaal fehlen Ersatztermine.

Glück im Unglück haben zwei Häuser mit ihren Planungen. Im Theater für Kinder fiel die Premiere von „Rumpelstilzchen – total versponnen“ natürlich auch aus. Jedoch sieht der Spielplan hier vor, dass Weihnachtsstücke stets bis weit ins Folgejahr laufen sollen, in diesem Fall nun vom 9. Januar bis 4. April 2021. Und die Komödie Winterhude hatte Christian Bergs neues Familien-Musical „Die Schöne und das Biest – Wahre Schönheit kommt von innen“ bereits Anfang Oktober um ein Jahr auf den November und Dezember 2021 verschoben.

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