Hamburger Ehrenbürgerin

"Rechtspopulisten": Kirsten Boie lehnt Sprachpreis ab

Die Hamburger Kinderbuchautorin Kirsten Boie

Die Hamburger Kinderbuchautorin Kirsten Boie

Foto: Indra Ohlemutz

Hamburger Ehrenbürgerin will Elbschwanenorden nicht annehmen. Kirsten Boie zitiert extreme Aussagen des VDS-Vorsitzenden.

Hamburg.  Die renommierte Kinderbuchautorin und Hamburger Ehrenbürgerin Kirsten Boie, die eigentlich am 25. November den Elbschwanenorden 2020 des Vereins Deutsche Sprache (VDS) verliehen bekommen sollte, hat diese Auszeichnung abgelehnt. In einer Erklärung, die dem Hamburger Abendblatt vorliegt, schreibt Boie: „Ich bedaure sehr, dass ich mich erst so spät gründlicher über den Verein Deutsche Sprache informiert habe. Aber wegen der rechtspopulistischen Äußerungen des Bundesvorsitzenden und der eher puristischen Auffassung von Sprache, die sich diametral von meiner unterscheidet, möchte ich den Preis nicht annehmen.“

Die Autorin zitiert insbesondere den VDS-Bundesvorsitzenden Walter Krämer, der von einem „Meinungsterror unserer weitgehend linksgestrickten Lügenpresse“ schreibe und von einer „Überfremdung der deutschen Sprache“ sowie von „Genderwahn“ spricht.

Kirsten Boie: "Möchte keinen Preis von diesem Verein"

Der Hamburger VDS-Regionalleiter Hans Kaufmann wiegelt ab: „Das ist nicht unser Hamburger Stil.“ Kaufmann erklärte, er sei über die Absage Boies „sehr betrübt“ und vermute, dass polemische Äußerungen des VDS-Bundesvorsitzenden Krämer zu dieser Absage geführt hätten.

Auch Kaufmann schreibt allerdings in einer Entgegnung auf die Absage Boies über „linken Meinungsterror“ und ergänzt: „Das spaltet unsere Gesellschaft, ebenso wie das ,Gender-Deutsch‘, diese ideologische motivierte Sondersprache, deren Protagonisten an den Universitäten, in Politik, Verwaltung und Medien den Anspruch erheben, ,fortschrittlich‘ in eine bessere Welt zu steuern, und die alle, die dabei nicht mitmachen, als ewig gestrige, frauenfeindliche, ,homophobe‘, jedenfalls ganz schlimme ,Rechte‘ diffamieren, mit denen man nicht spricht.“

Elbschwanenorden: Prominente Preisträger

Der Elbschwanenorden wurde im 17. Jahrhundert vom holsteinischen Dichter und Pastor Johann Rist in Wedel gegründet und im 21. Jahrhundert wiederbelebt. Zu den Preisträgern zählen unter anderem Literaturhausleiter Rainer Moritz, der Musiker Achim Reichel, der verstorbene Publizist Hellmuth Karasek, aber auch die Stadtreinigung Hamburg für ihre Mülltonnen-Sprüche. Die nächste Preisverleihung des Elbschwanenordens ist für September 2021 angedacht.

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Die 70 Jahre alte Literaturwissenschaftlerin Boie, die sich unter anderem für die Leseförderung starkmacht, hat bis heute rund 100 Bücher verfasst, von denen die „Geschichten aus dem Möwenweg“ und „Ritter Trenk“ zu den bekanntesten zählen dürften. Die Liste ihrer literarischen Auszeichnungen ist lang.

„Ich glaube, der VDS hat sich in mir geirrt“, so erklärte Boie nun. „Das ist kein Verein, von dem ich einen Preis annehmen möchte.“